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Metal akustisch reduziert

Metal akustisch reduziert Nils Blattner / szenemagazin.ch

Die finnischen Symphonic Metal-Grösse Sonata Arctica spielen für einmal mit minimalen elektronischen Hilfen. Als Entdeckung des Tages entpuppt sich der schwedische Support Act Eleine mit ihrer neuen akustischen EP.

Frisch ab Presse bringen Eleine die neue «Acoustic In Hell»-EP mit ins Z7. Sie sind seit Oktober zusammen mit Sonata Artica auf der rein akustischen Tour «Acoustic Adventures 2022». Was zuerst auffällt ist die Sängerin der Band, Madeleine Liljestam. Der Ausschnitt ist tief und tätowiert, sie stolziert auf die Bühne und zeigt «ich bin da». Ihre Stimme ist aber ebenso präsent und erinnert an Amy Lee von Evanescence. Der Fokus ist heute ja sowieso reduziert auf die Protagonisten und entsprechend karg ist die Bühne ausgerüstet. Mitgebracht hat Madeleine zwei Akustik-Gitarren sowie je einen E-Bass und einen Percussionisten.

Gleich anfangs wird Geschichte geschrieben: «Have your ever seen Windmills in an acoustic setting?» Natürlich nicht, was postwendend erledigt werden muss. Die Band zeigt viermal wie es richtig geht und rollen ihre Köpfe. Nur der Percussionist kann da nicht mithalten, die Kopfbehaarung trägt er nach unten gerichtet. Mit Ava Of Death ist der Unterschied zur akustischen Version klar: Das Lied tönt auf diese Art eher poppig als nach Power Metal. Nur die Windmills und ein Growl zwischendurch erinnern an das Original. Nun könnte man meinen, das Z7-Publikum ist ja eher härtere Tunes gewöhnt und goutiert das nicht. Aber das Gegenteil ist der Fall und es spendet Applaus. Vielleicht hat auch die Zusammensetzung des Publikums damit zu tun. Der Kleidermix ist deutlich heterogener und die Geschlechteraufteilung viel näher an der Gleichberechtigung an jenem Abend, als man es an einem Metal-Konzert erwarten würde. Als Schlussübung wird dann noch eine Competition zwischen drei Teilen des Publikums veranstaltet. Es handelt sich um den Klassiker: Wer schreit am lautesten?! Aber Gewinner sind wir alle. «We are united in metal!» Wenn auch ein bisschen abgedroschen, die Message kommt rüber.

Umgebaut werden muss heute nicht viel, die Stage ist ja bis auf die Instrumente quasi leer. Genug Zeit fürs Nachfüllen, Austreten oder Rauchen bleibt trotzdem. Einzig das Banner wird gewechselt für den Hauptact und ein Stuhl für den Sänger Tony Kakko hingestellt. Er wird das ganze Konzert darauf sitzen, weshalb der Performance dann auch gefühlt etwas Dynamik fehlt. Möglicherweise ist er auch nicht hundertprozentig fit, er hustet zwischen den Liedern ab und zu. Falls dem so ist: Gute Besserung!

Aber vielleicht handelt es sich auch um eine Methode, um das Ambiente eines «Wohnzimmer-Konzerts» aufzubauen. Sie sind zum 15. Mal in Pratteln im Z7, Hammer! Bei Tonight I Dance Alone zeigt die Band, dass sie Meister der Metal-Balladen sind. Und das passt perfekt fürs Publikum. Aber das ist nicht das Einzige, was Tony kann. Er erzählt Geschichten von seiner ersten Gitarre und dass diese noch viele Lieder in sich hätte. Wie zum Beispiel Replica, aber «not today, next time maybe». Oder dass er einmal vom Briefkasten zurück zum Haus gerannt ist und völlig ausser Puste war. Das hat ihn wachgerüttelt, «something had to be done!» und er begann zu joggen. Mit jedem Meilenstein merkte er, wie sich seine Gesundheit verbesserte und er schliesslich einen Halbmarathon rennen konnte. Das sei nichts im Vergleich zu Henrik, dem Keyboarder, der regelmässig ganze Marathons renne. Tosender Applaus gibt es dafür. Aber mit der Origin-Story zum Lied macht er die gekonnte Überleitung zum Half a Marathon Man.

 

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Sonata Artica wechseln dabei zwischen Trommel und Schlagzeug hin und her, mal nur mit Keyboard und kreieren so Klangwelten. Beim Half a Marathon Man tönt es dann fast nach einem Country-Song. Die Gitarren-Rhythmen stellen wohl den endlosen Trommelschlag der Füsse auf dem Boden dar. Der Takt würde auf jeden Fall stimmen. Danach wechseln sie zu einer ruhigeren Melodie. So tönt Victoria’s Secret nur mit Gitarre eher wie ein «Gute Nacht Lied» als wie eine Power Hymne. Gefolgt von Full Moon, welches in Rockabilly Manier interpretiert wird. Die rund 450 Zuschauer im Z7 sind voll dabei, klatschen im Takt mit und beim Refrain singen sie den Part «Run away, run away, run away» voll mit. Nach dem «Hummelflug» beim Lied Wolf & Raven gehen sie von der Bühne und das Publikum besteht auf eine Zugabe. Nach einem Moment kommt dann die Stimme von Tony Backstage, dass ein böser Mann sie nicht zurück nach vorne lassen möchte. Aber «fuck it, I can take him, hahaha».

Die Performance der Ballade Shamandalie nur mit dem Keyboarder ist besonders passend und wird gefolgt von Flag in the Ground mit Banjo-Einlage. Das sei ein Nebeneffekt von Covid-19, erklärt Tony und übergibt an den Gitarristen Elias. Der hat ein neues Hobby benötigt, da sein bisheriges Hobby Gitarrenspielen zu wenig Zeit in Anspruch nahm. Oder ist das sein Job, oder beides? Ganz klar ist es auf jeden Fall nicht. Das erntet Lacher aus dem Publikum. Das Banjo war ein Geschenk von Tony und passt wie die Faust aufs Auge zum Lied. Kurz vor Schluss ist die Stimmung auf dem absoluten Höhepunkt. Beim letzten Lied Don’t say a Word klatschen alle mit und wollen das Ende nicht ganz wahrhaben. Das kommt dann in Form einer letzten Challenge. «Vodka, we need some Vodka, we need…» wird zusammen mit dem Publikum zur Melodie von Hava Nagila gesungen. Die meisten Zuschauer müssen aber am nächsten Tag arbeiten, ist es doch mitten in der Woche, weshalb Vodka dann eher im Traum getrunken wird.

So nimmt ein interessanter Abend ein Ende. Musikalisch war er abwechslungsreich und gefüllt mit Abstechern in verschiedene Genres. Und das, obwohl zwei Bands mit ähnlicher Stilrichtung auf dem Programm standen. Vielleicht ist «united in metal» doch nicht so abgedroschen?

 

 

Eventdatum: 16.11.2022

Fotograf:  Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Z7, Pratteln

Veranstalter:  Z7

Zuschauerzahl:  unbekannt

 

Sonata Arctica

   

 

Eleine

   

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Nils Blattner
Publiziert in Konzert

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