Diese Seite drucken

Die ZSC Lions machen keinen Stich – das übernimmt Pouliot

Die ZSC Lions machen keinen Stich – das übernimmt Pouliot Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Wer sich auf einen Spitzenkampf gefreut hat, wurde am Spiel der ZSC Lions gegen Genève-Servette HC bitter enttäuscht. Aber das war nicht das einzig Unerwartete an diesem Abend.

Wir haben alle schon genug über die Vorfälle rund um das Auswärtsspiel gegen den SC Rapperswil-Jona Lakers gelesen. Diese zogen auch einige Konsequenzen nach sich. Unter anderem verfügte die Kommission Ordnung und Sicherheit, dass ZSC-Fans im Fanblock an Heim- und Auswärtsspielen bis auf Weiteres wohl nur Trikots und Schals tragen dürfen. Keine Fahnen und Transparente, keine Choreografien, keine Megaphone oder Trommeln. Singen ist noch erlaubt und nebst lauten Pfiffen bei fragwürdigen Schiedsrichterentscheiden liessen sie sich das auch nicht nehmen. Vor dem Spiel war über alle Stuhllehnen eine Stellungnahme des Limmatblocks gefaltet. In diesem offenen Brief erklären sie die Situation, machen ihre Haltung und Absichten klar und bieten das Gespräch an.

Auch wenn sich die Zürcher oftmals dem spielerischen Niveau ihres Gegners angleichen, ist das nicht immer der Fall. Ja, die Partie mit dem Tabellenführer war interessanter als andere Spiele. Aber als Spitzenkampf kann man es definitiv nicht bezeichnen. Dafür sind zu viele Pässe nicht angekommen und Chancen verpasst worden. Schon in der 3. Spielminute bekommen die Gastgeber die Möglichkeit zum Überzahlspiel, doch Linus Omark muss seine Strafe wegen Hakens komplett absitzen. Kaum weitergespielt bricht die Plexischeibe neben der gegnerischen Spielerbank. 15 Minuten später haben 4 Eismeister, 1 Schiri und 1 Genfer Spieler (Linus Omark) das Plexi ersetzt und mit einem Schaumstoff-Schutz versehen. Währenddessen kurvten die Spieler etwas auf dem Eis herum und auf den Stehplätzen benutzten die Fans ihre Schuhe als Handtrommeln.

Das Spiel kann fortgesetzt werden. Heute scheint mehr Energie vorhanden zu sein, denn die Lions greifen eins ums andere an. In der 12. Spielminute geht im Zürcher Drittel Teemu Hartikainens Stock zu Bruch. Also kickt er den Puck kurzerhand mit dem Schlittschuh in die Mitte zu Marc-Antoine Pouliot. Dieser übernimmt die Scheibe und versenkt selbige mit einem Slapshot im Zürcher Kasten. Damit gehen die Genfer nach gespielten 12:12 Minuten mit einem Tor in Führung. Der Gedanke «Jetzt geht’s los, die Zürcher kontern» ist noch nicht zu Ende gedacht, da muss Alexandre Texier wegen Cross-Checks raus. Und keine 7 Sekunden nach dem Bully ist der Puck drin. Valtteri Filppula passt zu Linus Omark, dieser gibt zurück zu Teemu Hartikainen, der auf 0:2 erhöht. Dies scheint den Lions etwas den Wind aus den Segeln genommen zu haben. Bis zum Drittelsende versuchen sie zwar weiterhin, Treffer zu erzielen, scheitern aber spätestens an Robert Mayer. Hartikainen muss 5 Sekunden vor der Pause für Stockschlag vorzeitig pausieren und wird im Mitteldrittel etwas später aufs Eis zurückkommen.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Pustekuchen, das Powerplay der Zürcher endet in keinem Treffer. Zumindest nicht im Netz, dafür bekommen wir die ersten Rangeleien zu sehen. Allerdings haben die Gastgeber in der Pause wohl eine lautstarke Zusammenfassung des ersten Drittels zu hören bekommen, denn sie sind klar spielbestimmend. In der 27. Minute kommt es zu einem unglücklichen Zusammenprall. Die Genfer sind im Angriff, Ludovic Waeber verschiebt nach rechts und Simon Bodenmann sprintet ungebremst in den Zürcher Keeper, der zu Boden geht. Auf dem Rücken liegend reisst er sofort die Arme zum Kopf hoch und bleibt liegen. Währenddessen passiert das 0:3. Und so geschahs: Linus Omark greift auf der linken Seite an, weshalb Waeber verschiebt. Omark passt zu Yohann Auvitu, der von Phil Baltisberger zu Fall gebracht wird. Gleichzeitig knallt Simon Bodenmann auf der anderen Seite des Tores ungebremst in Ludovic Waeber. Die Scheibe rutscht von Auvitu weg in Richtung Torlinie, weshalb sich Phil Baltisberger und Dennis Hollenstein vor das Tor werfen. Baltisberger kann den Puck im Flug wegbefördern, doch Henrik Tömmernes übernimmt und netzt knapp über Hollensteins Kopf ein. Waeber wird auf dem Eis versorgt und verlässt selbiges auf direktem Weg in die Kabinen.

Für ihn wechselt Robin Zumbühl ein, der sonst bei den GKC Lions zwischen den Pfosten steht. Deshalb hat er wohl auch nur ein unbeschriftetes Trikot mit der Nr. 1 an. Gebt dem Mann ein personalisiertes Shirt, bitte! Denn Zumbühl macht für den Rest des Spiels - das erst in der Hälfte ist - einen fantastischen Job und wird vom Publikum jeweils lautstark gefeiert. Mikko Lehtonens Geste gefällt mir: bevor das Spiel nach dem Wechsel fortgesetzt wird, fährt er als einziger kurz zum Keeper für einen fist bump. Es dauert nicht lange und Yannick Waeber muss für einen fragwürdigen Cross-Check-Entscheid auf die Strafbank. Ab diesem Verdikt häufen sich Situationen, in denen die Refs nicht mehr abpfeifen, auch wenn es wortwörtlich direkt vor ihren Füssen passiert. Die bisher sehr effizienten Genfer können ihren Vorsprung im Powerplay aber nicht ausbauen. Es passiert sogar beinahe ein Tor in Unterzahl, typisch ZSC halt. Yannick Weber und Juho Lammikko ziehen aufs gegnerische Tor los, Lammikko trifft jedoch nur den Aussenpfosten. In der 37. Spielminute hallt ein erlösendes «Jaaaaaa» durch die ausverkaufte Arena. Alexandre Texier fliegt im Alleingang übers Eis, lässt sich vor Robert Mayer Zeit, der entscheidet sich für eine Seite und Texier umkurvt ihn kurzerhand auf der anderen Seite, um den Puck im Tor verschwinden zu lassen. Herrlicher Treffer! Und aufkeimende Hoffnung, in den nächsten 23 Minuten noch einen Ausgleich zu schaffen.

Die Chancen sind im Schlussdrittel zwar vorhanden, es hapert aber im Abschluss. Knapp 5 Minuten sind gespielt, als Roger Karrer wegen Haltens pausieren muss. Dass die Zürcher in Überzahl sind, fällt aber nicht grossartig auf. Dafür umso mehr die ungeahndeten Fouls. Ob die Refs die verlorene Zeit für den Ersatz der Plexischeibe wieder reinholen und ihren Zug nach Hause nicht verpassen wollen? Man weiss es nicht. Noch 7 Minuten sind übrig. Eishockey, richtig? Ungünstig, dass jetzt Lucas Wallmark wegen Beinstellens vom Eis muss. Die Genfer setzen wieder gehörig Druck auf und es riecht nach einem Tor, doch Robin Zumbühl hält dicht. Ich habe nicht genau gesehen, was auf der anderen Seite der Eisfläche abging, aber Daniel Winnik bleibt auf einmal liegen und krümmt sich, während das Spiel weitergeht. Irgendwann pfeift dann doch jemand ab, Winnik hält sich das Gesicht und fährt unter Pfiffen zur Spielerbank. Das Powerplay haben die Lions unbeschadet überstanden und bekommen 5 Minuten vor Schluss eine grosse Chance geschenkt. Nach Videoreview und Beratung unter den Schiedsrichtern (man munkelt, sie hätten sich für einen späteren Zug entschieden) wird Marc-Antoine Pouliot wegen Stockstichs gegen Juho Lammikko zu 5 Minuten verdonnert, was automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe nach sich zieht. Das bedeutet dann auch ein 5-minütiges Powerplay zum Abschluss der Partie. Doch es sind die Genfer mit mehr Biss und nicht die Zürcher. Die Zeit verrinnt, die Überzahlsituation fällt einmal mehr nicht auf. Traditionell verlässt dann 2 Minuten vor Schluss der Keeper das Eis und natürlich geht der Schuss wie in 99% der Fälle einmal mehr nach hinten los. Daniel Winnik ergattert die Scheibe, kurvt in Richtung Lions-Tor und kann ungehindert zum 1:4 einnetzen. In einer Minute noch drei Treffer zu erzielen ist theoretisch möglich, wird aber heute Abend nicht mehr passieren. So gewinnen die Romands eine weitere Partie in der Vorrunde und für die Lions bedeutet das Verlust auf der ganzen Linie. Minus eine Plexischeibe, minus ein Torwart, 4. Niederlage in Folge und Verbleib auf dem 4. Tabellenplatz. Den dritten Rang hätten sie sich allerdings nur mit einem Sieg zurückholen können, weil sie sonst auch wieder nur punktgleich mit den Lakers gewesen wären. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend, bevor das Playoff ansteht. Allerdings sind die Abstände zwischen Platz 3 und 9 gerade mal 12 Punkte. Das Feld ist eng und ausser dem Lausanne HC hat in den letzten 10 Spielen keine Mannschaft 4 Mal hintereinander verloren. Allerdings hat in der Zeit mit Ausnahme von Fribourg-Gottéron auch kein Team mehr als 3x hintereinander gewonnen. Nächstes Wochenende spielen der HC Lugano und die ZSC Lions gleich zwei Mal gegeneinander. Wir dürfen gespannt sein, ob die Lions Punkte sammeln können.     

 

   

ZSC Lions vs. Genève-Servette HC: 1:4 (0:2 | 1:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor:  26:24 (12:7 | 8:6 | 6:11)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 14.01.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swiss Life Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 12000

 

{gallery}images/20230114ZSCvsGSHC,limit=0,random=1,width=100,height=100,gap_h=20,gap_v=20{/gallery

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport