Texier rettet ZSC in die Overtime und zum Sieg nach Penalties
Reto Turotti / szenemagazin.ch
Nach einem guten Startdrittel müssen die ZSC Lions lange auf den ersehnten Ausgleich warten. Der EV Zug führt nach einem Doppelschlag innert 45 Sekunden bis eine Minute vor Schluss. Alexandre Texier führt seine Mannschaft mit einem Tor in der regulären Spielzeit und zwei weiteren Penaltytoren zum Sieg.
Der Start in die heutige Partie erinnerten an Eishockeyspiele im ersten Corona-Jahr, denn die Fans beider Teams haben sich auf einen stummen Protest während den ersten 2 Minuten geeinigt. «Nei zu Sunntig 20:00!» steht auf einem weissen Banner des Limmatblocks und erhält doch einigen Applaus aus dem Publikum. Ob sich meine Sitznachbaren von MySports dazu wohl eine Notiz gemacht haben? Ich schliesse mich auf jeden Fall dem Limmatblock an: Sonntag um 20:00 Uhr nervt!
Aber jetzt zum heutigen Spiel. Es dauert ganze 5:02 Minuten bis zum ersten Torschuss durch Dario Allenspacher für den EV Zug und 6:55 für den ZSC durch Yannick Weber. Den Gastgebern bietet sich in der 9. Minute dann die Chance, einige Skorerpunkte mehr auf ihrem Konto zu verbuchen. Sie dürfen ein erstes Mal in Überzahl spielen. Die Lions haben wenig Lust auf viele Torschüsse und versenken den nächsten darum gleich im Kasten von Genonardo Lenoni, wie ich ihn scherzhaft nenne. Willy Riedi lenkt einen Schuss von Noah Meier unhaltbar zum 1:0 ab. Allgemein ist es der ZSC, der am Drücker ist. Sie kontrollieren das Spiel weitgehend, auch wenn beide Teams nur wenige Schüsse auf das Tor zulassen. Garrett Roe kommt der 2:0 Führung rund 4 Minuten vor Drittelsende sehr nah. Roes Schuss findet zuerst nur Genonis Maske und die Baseball-Einlage verfehlt das Tor (und wurde zudem abgepfiffen). Dass die Zuger stark überfordert sind zeigt sich in der letzten Spielminute. Topscorer Jan Kovár lässt sich – völlig unnötig – zu einem Hieb ins Gesicht des ZSC-Kapitäns Patrick Geering hinreissen. Die beiden Headschiedsrichter schauen sich die Szene im Nachgang nochmals an und reduzieren das Strafmass von 5 auf 2 Minuten, da es sich lediglich um einen hohen Stock gehandelt habe.
Nach Wiederanpfiff überstehen die Gäste nicht nur die zweite Hälfte der Strafe gegen Kovár, sondern verbuchen in Unterzahl sogar einen Pfostenschuss von Reto Suri. Dan Tangnes scheint in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben, denn seinem EV Zug gehört die Startphase im Mitteldrittel. In den ersten 5 Minuten kommen sie zu zwei weiteren Grosschancen, während der ZSC nur vereinzelte Offensivakzente setzen kann. Da ist es nur konsequent, dass der EVZ den Ausgleich erzielt. Noah Meier verliert den Puck im Spielaufbau. Und dann geht es schnell: Yannick Zehnder auf Reto Suri, quer auf Jan Kovár und Tor. Doch es kommt noch dicker für die Lions. 45 Sekunden später zieht Lino Martschini los und schliesst mit einem harmlosen Abschluss ab. Šimon Hrubec lässt den Puck zur Entgeisterung aller fallen und Dario Simion schiebt locker ein. Da sieht der Lions-Keeper ganz alt aus.
Auch nach Crawfords Timeout sieht es für den ZSC nicht besser aus. Zug erarbeitet sich eine gefährliche Chance nach der anderen. In der 37. Minute wird es plötzlich hitzig auf dem Feld. Carter Camper kommt mit einem Check nahe der Bande gegen Yannick Weber ungeschoren davon. Während zwei Lions mit zwei Zugern Nettigkeiten austauschen, feuern die restlichen Zuger mehrere Schüsse auf das Tor der Lions. Die Szene endet mit einem kleinen Handgemenge. Nach allgemeiner Verwirrung muss auch noch Bachofner auf der Strafbank Platz nehmen. Das Vergehen: Unkorrekter Spielerwechsel. Die Reaktion im Stadion: lautes Pfeifkonzert. Weber scheint sich zwar etwas weh getan zu haben, kann aber vorerst weiterspielen.
Die erste Chance im Schlussdrittel gehört dem ZSC und Alexandre Texier, der den Puck nur haarscharf neben den Kasten setzt. Die Lions scheinen sich in der Pause gefangen zu haben und spielen nun wieder mit. Das Spiel gestaltet sich über weite Strecken offen und hat guten Unterhaltungswert. Beide Teams erarbeiten sich vielversprechende Chancen. Rund 10 Minuten vor Schluss schwächt Jérôme Bachofner sein Team mit einer unnötigen Strafe. Nach seinem Abschluss zieht er auf Genoni los und geht etwas zu ungestüm gegen Arno Nussbaumer vor, der sich ihm in den Weg stellt. Hrubec hält sein Team während des Boxplays weiter im Spiel und zeigt eine starke Parade gegen den allein losstürmenden Sven Senteler.

Die Zeit arbeitet aber gegen die Lions. Zur schwindenden Zeit kommt auch noch Pech hinzu. Bodenmann, Wallmark und Roe erzielen mit einer genialen Kombination den vermeintlichen Ausgleich. Dan Tangnes beweist ein gutes Auge, denn dem Tor ging ein knappes Offside voraus. Die Lions sind aber sichtlich gewillt, alles für den Ausgleichstreffer zu geben. Christian Marti trifft in 57. Minute nur den Pfosten. 2:14 verlässt Hrubec seinen Kasten und macht einem sechsten Feldspieler Platz. Er kehrt nach nur 12 Sekunden bereits wieder auf seinen Arbeitsplatz zurück. Alexandre Texier legt sich an der blauen Linie den Puck zurecht, nimmt Mass, und zimmert die Scheibe ins Tor.
Es geht in die Verlängerung. Djoos hätte mit der ersten Chance nach 11 Sekunden bereits alles klar machen können, doch Hrubec klärt. Auf der anderen Seite kann Genoni die Scheibe nicht ganz kontrollieren. Lehtonen versucht nachzustochern und legt sich dabei ein bisschen mit Kreis an. Eher kleinlich entscheiden die Schiedsrichter auf übertriebene Härte und 2 Minuten für beide. 1 Minute vor Schluss versucht es Christian Marti mit dem Buebetrickli und scheitert nur knapp an Genoni. Dieser hätte sich wenige Sekunden vor Schluss fast noch einen Scorerpunkt gutschreiben lassen können. Nach Texiers Schuss lässt Genoni den Puck aus dem Handschuh fallen und lanciert Jan Kovár, der mutterseelenallein auf Hrubec losstürmt – und scheitert. Das Penaltyschiessen muss die Entscheidung bringen. Nach dem je zwei Schützen pro Team nach 5 Versuchen getroffen haben, dürfen Jan Kovár und Alexandre Texier nochmal ran. Während ersterer an Hrubec scheitert, trifft Texier zum dritten Mal am heutigen Abend und führt die Lions damit zum Sieg.
ZSC Lions vs. EV Zug: 3:2 (1:0 | 0:2 | 1:0 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 29:29 (5:2 | 9:16 | 10:7 | 5:4)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 26.02.2023
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 11508
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1026-texier-rettet-zsc-in-die-overtime-und-zum-sieg-nach-penalties#sigProId618bd85262
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Reto Turotti
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