Renegades bei den Basler Gladiators spannend bis zum Schluss
Nils Blattner / szenemagazin.ch
Grossartige Spielzüge auf beiden Seiten, Ballverluste, mehrere Führungswechsel, Emotionen auf dem Spielfeld und ein Fotofinish in der Nachspielzeit. Das gesamte Football-Spektrum ist vertreten!
Kalifornische Verstärkung auf der Quarterback-Position ist ein Stichwort, welches für beide Teams aktuell ist. Die Renegades feiern ihr vierzigstes Gründungsjubiläum und treten verstärkt durch Clark Evans auf. Der gebürtige Kalifornier ist kein Unbekannter im Schweizer Football, so hat er bereits mehrere Swissbowl-Siege im Kader der Calanda Broncos beziehungsweise der Berner Grizzlies eingefahren. Seit dieser Saison wechselt er nun mit seinem Coach Armand Mensen von Bern nach Zürich. Mit der so verstärkten Offense wollen sie an der NLA-Spitze kratzen. Auf der anderen Seite spielt seit dieser Woche neu Skylar «Sky» Noble für die Gladiators. Der gebürtige Texaner kommt frisch vom College aus einem Vorort von Los Angeles, ist erst wenige Tage in der Schweiz und übernimmt das Szepter von William Wallisch. Für die Basler geht es in erster Linie darum, sich von der Schlusslinie zu lösen.
Und mit einem Bomben-Start zeigt der neue Import, was er kann. Der erste Spielzug der Basler resultiert in rund 30 Yards Raumgewinn mit einem Pass. Und gleich nochmals, diesmal 15 Yards auf #83 Riepl. Nun wird aber spürbar, dass die neue #11 erst wenig Praxis mit dem Team und auch dem Playbook hatte. Eine «Chemie» zwischen Quarterback und Receiver muss sich erst noch entwickeln. Nach drei Incomplete-Pässen steht das «Fourth Down» an der Seitenlinie. Doch der Angriff bleibt auf dem Feld. Mit zwei sogenannten «Edge-Rushers», schnelle Defense Linemen oder Outside Linebackers, bringen die Zürcher Druck auf den Quarterback. Dieser findet keine Anspielstation und wird gesackt: «Turnover on Downs».
Die Renegades Offense schiesst sich aber mit einem Fault Start gleich selbst ins Bein und vermag so aus der tollen Feldposition nichts zu erreichen. Nach ein paar Incompletes heisst es «Three and Out» und die Gladiatoren kommen erneut an den Ball. Diese erinnern sich daran, dass sie mit #33 Sany ja auch ein Laufspiel mitbringen. Mit viel Abwechslung begibt sich die Offense in Bewegung. Pässe kommen an und, wenn keine Anspielstation frei ist, zeigt der QB auch Qualitäten auf den Beinen. Er bricht Tackles und kann auch aus unwegbaren Situationen Yards holen. Als der Basler Motor dann nach einem super Zürcher Tackle etwas ins Stocken kommt, hilft ein Gastgeschenk: Pass Interference. Aber irgendwie kommt die Chain-Crew nicht ganz so schnell mit, wie der Rest des Spielgeschehens und die Pause zwischen Spielzügen sind etwas zu lange. Solch lange Pausen zwischen den Spielzügen wird es noch öfters geben. An was es liegt, bleibt schleierhaft. Die Pause hat den Zürchern aber nicht gutgetan, sie doppeln gleich mit einem persönlichen Foul nach und geben so den Baslern einen ersten Versuch kurz vor der Endzone. Diese lassen sich nicht zweimal bitten und verwerten mit einem Pass auf #83 Riepl. Neuer Stand nach dem Extrapunkt: 7:0.
Die Zürcher Offense konnte sich nun etwas sammeln und benötigt lediglich drei Spielzüge, um zurückzuschlagen. Etliche gebrochene Tackles resultieren in einem neuen Spielstand, es steht 7:7. Zwar starten die Baser ihren nächsten Drive wieder mit einem 25-Yards Pass, kommen dann aber gleich wieder ins Stocken. Der Zürcher Punt-Returner scheint etwas verwirrt über der Situation, die sich ihm stellt. Ein Ball kommt von oben und Gegner direkt von vorne. Die vernünftige Lösung dafür wäre ein «Fair Catch», wobei der Returner den Arm über dem Kopf winkt und sich damit aufgibt. Dafür wäre er dann aber geschützt und darf den Ball in Ruhe fangen. Diese Option ist ihm aber zu langweilig und er schnappt sich den Ball, wird postwendend und fachmännisch von der #2 Brügger in den Boden verarbeitet. Dummerweise verliert er dabei den Ball, der somit frei ist und von den Baslern gesichert wird. Ups! Mit einem Lauf durch die Mitte kommen diese kurz vor die Endzone. Die Basler sind aber auch nicht ohne Fehl und Tadel. Bei einem Jet Sweep ist die Ballübergabe etwas zu früh oder zu spät: Fumble. Sie haben aber mehr Glück und können sich den Ball zurückerobern. Mit dem Start des zweiten Quarter schliesst dann #33 Sany den Drive mit einem Lauf von der ein Yard Linie ab: Touchdown Gladiators. Nach dem Zusatzpunkt hagelt es noch eine Flagge für ein unsportliches Verhalten des Basler Offense Lineman #72 Nagel. Die Heimmannschaft ist wieder mit 14:7 in Führung.
Mit der Flagge und einem tollen Return der #7 Kohler starten die Zürcher praktisch von der Mittellinie. Und jetzt entdecken die Renegades ein Mittel gegen die Basler Verteidigung: Die können den Lauf mit der #27 etablieren. Der eigentliche U19-Junior Lennox Gautschi wurde für dieses Wochenende als Herren-Spieler aktiviert. Er übernimmt nun die Hauptlast des Laufspiels und holt First Down um First Down. Gekoppelt mit den flinken Beinen des Quarterbacks ist dies eine gefährliche Kombination. Dieser sieht aus dem Lauf einen freien Receiver in der Endzone und wirft: Fünf Yards Touchdown-Pass und die Zürcher gleichen wieder mit 14:14 aus.
Beim Drive des Heim-Teams kommen auf der Zürcher Seite die Emotionen richtig hoch. Sie sind sich sicher, eine Interception erlangt zu haben. Doch der Haupt-Schiedsrichter Fouillet signalisiert nach einer kurzen Besprechung, dass der Ball den Boden berührt hat. Danach geht es Schlag auf Schlag. Zwei lange Pässe, einer in Doppeldeckung, kommen bei der #83 an. Und wieder sind die Gastgeber in Führung. Aber diesmal lässt eine Antwort auf sich warten und nach drei Versuchen kommen sogleich die Gladiatoren wieder an den Ball. Die ereilt dasselbe Schicksal und sie spielen den Punt gleich wieder zurück. Ping Pong also. Mit rund 3 Minuten übrig auf der Uhr starten die Renegades dann einen variantenreichen Drive. Wenn er keinen freien Passempfänger findet, nimmt er seine Beine in die Hand und holt sich so neue Versuche. Nach einem schönen Pass finden sich dann die Zürcher nur noch wenige Yards vor der Endzone. Tackle, Incomplete, Tackle, die Red-Zone Defense der Gladiators hält und die Zürcher stellen sich mit 10 Sekunden zum Field-Goal auf: «no good» und es bleibt bei der 21:14-Führung für die Basler.

Die Renegades starten etwas holprig in die zweite Halbzeit, können sich dann aber auf den Beinen von #2 Evans wieder in einen neuen ersten Versuch retten. Die Gemüter auf beiden Seiten sind etwas erhitzt, Basel und Zürich sind bekanntlich in den meisten Sportarten nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen. Im Football zeigt sich das dann in Form von gelben Flaggen. Diesmal gegen #4 der Zürcher und ein paar Spielzüge später gegen die #68 der Basler. Nach zwei Läufen ohne grossen Raumgewinn und einem Sack durch #2 Brügger steht es dann «Vierten und sieben». Sie spielen den Versuch aber aus und haben Glück: neue Versuche in der Red-Zone durch ein Halten der Verteidigung. Mit einem «Free Play», ein Verteidiger hat sich zu weit nach vorne bewegt und würde jeden negativen Ausgang umkehren, schaffen die Renegades dann gleich den Touchdown. Die Strafe wird natürlich abgelehnt, der Zusatzpunkt ist gut und es steht wieder unentschieden.
Mit mehreren Pässen auf #18 Regenass und Läufen durch #33 Sany kommen die Gastgeber schnell wieder in eine gute Feldposition. Der grosse Wurf gelingt aber nicht, trotz mehreren Möglichkeiten. Ganz leer gehen sie nicht aus und nehmen drei Punkte in Form eines Field Goals mit. Beim folgenden Zürcher Drive gibt es dann eine etwas skurrile Situation und zwar bei einer QB-Option. Dabei rennt Quarterback auf einen Defense Lineman zu und kann den Ball, je nach dessen Reaktion, behalten oder abgeben. In diesem Fall behält er den Ball und wird so stark getackelt, dass der Ball frei wird und vom schwedischen Gladiator #51 Lindqvist gesichert wird. Im Tumult danach gibt es dann etwas «push and shove», das passt einem Zürcher Coach gar nicht und er kassiert dafür ein «unsportliches Verhalten». Aber zum Glück für Zürich war der QB schon «Down by Contact» und sie verlieren nur die Yards. Mit ein paar Runs durch #27 und weiteren komplettierten Pässen kommen die Zürcher dann in Reichweite der Endzone. Der Pass in die rechte Seite ist jedoch etwas ungenau: Interception in der Endzone. Nach einem «Three and Out» und einem wiederholten Punt dürfen die Zürcher gleich nochmals aus ihrer Feldhälfte starten. Die Endphase beginnt mit Schreien zu «Fooooourth Quarteeeer».
Diese startet äusserst schlecht für die Gäste, sie verlieren gleich den Ball mit einem weiteren Fumble. Doch etwas Glück behalten sie, die Gladiators schaffen es nicht bei einem dritten Versuch und Inches durchzukommen. Beim vierten Versuch behält der Quarterback den Ball, wird aber ebenfalls vor dem neuen ersten Versuch zu Boden gebracht: «Turnover on Downs». Mit wenigen Spielzügen gelingt es den Zürchern, erneut in die Red-Zone vorzudringen, es heisst «First and Goal». Nach mehreren verpassten Chancen tanken sie sich mit einem Lauf durch die Basler Verteidigung. Mit dem Touchdown und dem Extrapunkt sind die Zürcher in der Schlussphase zum ersten Mal in Führung: 28:24.
Die Antwort kommt postwendend: Zuerst ein langer Pass auf die rechte Seite auf #83, dann findet der Quarterback keine Anspielstation und rennt selber für mehr als zehn Yards, um gleich darauf nochmals die #83 anzuspielen. Drei Spielzüge und die Gladiatoren sind von der eigenen Endzone über das ganze Spielfeld marschiert. Den Abschluss macht ein Pass über die Mitte auf #1 Bianchi: Touchdown und es steht 31:28 für die Basler mit 50 Sekunden übrig.
Nun wird auch das Publikum richtig laut, sie feuern die heimische Verteidigung lautstark an. Der hohe Druck auf den Quarterback reicht jedoch nicht aus, er kann sich aus jeder Situation lösen und bringt Ball um Ball an. Dann ist plötzlich der Ball wieder frei am Boden und wird von einem Basler gesichert. Trotzdem, die Schiedsrichter vermelden «die Uhr auf zwei Sekunden». Wieso und warum wird nicht erklärt. Die Zürcher stellen sich, mangels Optionen, zum 45 Yard Field Goal auf und, siehe da, bringen den Ball zwischen die Pfosten: Ausgleich 31:31 und die Uhr läuft aus, es gibt Overtime!
Die Overtime nach College-Regeln funktioniert etwas unterschiedlich zur NFL-Nachspielzeit. Die Teams starten an der gegnerischen 25 Yards-Linie direkt mit dem Angriff. Jede Mannschaft darf mindestens einmal mit dem Angriff aufs Feld, danach geht es je nach Score weiter mit kürzeren Distanzen. Die Gäste gewinnen und starten mit ihrem Angriff. Sie starten harzig, holen aber mit einem Pass auf die linke Seite einen neuen ersten Versuch an der 8-Yards Linie. Diese 8 Yards kriegen sie dann mit einem Lauf durch die Mitte überbrückt, Touchdown und es steht gleich 38:31 für die Renegades. Nun sind die Gladiators in Zugzwang. Nach einem Lauf ohne viel Raumgewinn wird es ganz brenzlig: Dem Zürcher #30 Grang gelingt fast eine Interception. Dann ist der Basler #83 Riepl alleine in der Endzone und kann den Pass nicht aus der Luft fangen. Und schlussendlich endet das Spiel mit einem weiteren «Incomplete Pass».
Negativ aufgefallen sind in dem Spiel vor allem die häufigen persönlichen Flaggen, die eigentlich auf dem Spielfeld nichts zu suchen haben. Zwischenzeitlich ist die Stimmung auf dem Feld und am Spielfeldrand auf der Kippe gestanden, glücklicherweise aber nicht übergeschwappt. Der Spielablauf hätte deutlich ruhiger und effizienter sein können. Auf der Zürcher Seite sind vor allem der QB #2 Evans und der U19 Runningback #27 Gautschi positiv aufgefallen. Bei den Gladiators bin ich gespannt, wie sich der neue #11 «Sky» mit den Receivern einspielt. Sie hatten an mehreren Punkten im Spiel den Sieg in der Hand und durch eigene Fehler verpasst.
Gladiators Basel vs. Zurich Renegades: 31:38 (4:5)
Details zum Spiel: SAFV
Eventdatum: 20.05.2023
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Stadion Rankdorf, Basel
Veranstalter: Gladiators Basel
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1074-basel-gladiators-vs-zurich-renegades#sigProIda0c6a75151
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Nils Blattner
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