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Revanche im Kochtopf

Revanche im Kochtopf Nils Blattner / szenemagazin.ch

Die Tigers kommen nach Basel, um sich für die Klatsche in Thun zu revanchieren. Dafür bringen sie einen ehemaligen Junior mit.

Die Gegensätze könnten vor dem Rückspiel fast nicht grösser sein. Das Mai-Wetter in Thun war regnerisch, in Basel steigt das Thermometer beim Kick-Off auf 35 Grad. Ein paar Wolken stehen weit am Horizont, Schatten hat es anfangs nur in den Rängen. Beim Hinspiel war der Kampf um die Playoff-Plätze richtig entfacht, beim Rückspiel haben die Tigers keine Chance mehr, in die Nähe der Playoffs zu kommen. Das Spiel in Thun war einseitig und für die Gladiators nie in Gefahr. Auch der Lärm ist ein anderer: Im Rankhof sitzt der Musikverein Niederdorf in den Rängen. Die Bläser und Pauken unterstützen die Gladiator Defense immer wieder mit lauten Marschliedern und Pop-Covers. Die Unterstützung scheint nötig, die Thuner bringen einen ehemaligen Junior mit, Bay Harvey. Das wäre an und für sich ja nicht so speziell, nach seiner Juniorenzeit konnte er aber in den USA in der High-School und im College Erfahrung sammeln. So viel, dass er frisch von einem Rookie-Camp der Washington Commanders kommt. Den Coin-Toss darf ein Junge im Rollstuhl durchführen, organisiert durch die Stiftung Sternschnuppe. Den gewinnen zwar die Gladiators, starten dürfen aber die Gäste.

Ausser einem ganz passablen Lauf durch Gygax passiert da aber noch nicht viel, sie müssen punten. Zwar kommen die Basler initial etwas besser vom Fleck, aber auch sie müssen den Ball wieder abgeben. Aber dann passiert etwas Unerwartetes: mit zwei Pässen auf Purtscheller stehen die Tigers in der Endzone und es steht 0:7. Es heisst Aufwachen für den eigentlichen Favorit. Arterburn kann den anschliessenden Kick-Off aus der eigenen Hälfte bis an die gegnerische 40 Yards-Linie tragen, bevor er zu Boden gezogen wird. Gleich darauf passiert in der Thuner Verteidigung ein Fehler und Riepl ist alleine. Zwar muss der für den Ballfang ein paar Schritte zurückrennen, dank seiner Agilität kann er den anderen Verteidigern entkommen und ausgleichen zum 7:7. «The game is on.» Auf der anderen Seite entsteht erneut ein guter Drive. Abwechslungsweise kann Gygax rennen, Harvey selber fast 30 Yards erlaufen und dann Gfeller vor der Endzone den Ball fangen. Dafür brauchen sie aber vier volle Versuche. Während Harvey schon durch einen Basler getackelt wird, kann er den Ball zu Gfeller werfen für die erneute Führung und 7:14. Der nächste Gladiators Drive, eigentlich ein ganz ordentlicher, wird jäh durch einen Quarterback-Sack gestoppt.

Gladiators vs. Tigers 20.06.2026 Nils Blattner szenemagazin 0027

Aber auch die Thuner müssen nach einem sehr tiefen, jedoch ungenauen Pass den Ball wieder zurückgeben. Dank einem guten Mix aus Lauf- und Passspiel kommen die Gastgeber langsam in Richtung Endzone. Der Jet Sweep Touchdown von Bianchi, er rennt von der Passfänger-Position aus und kriegt den Ball im Voll-Sprint, wird zwar wegen einer Flagge zurückgepfiffen. Gleich darauf kann aber Regenass einen leichten Wurf in der Endzone zum 14:14-Ausgleich fangen. Der Schlagabtausch hört aber nicht auf, so findet Harvey erneut Gfeller mit einem langen Wurf. Erst 5 Yards vor der Endzone kommt der zu stehen. Nach drei missglückten Versuchen rennt Harvey beim vierten selber rein und es steht 14:21. Ein erneuter wunderbarer Return von Arterburn bringt die Basler ebenfalls schnell wieder in gefährliches Territorium. Dank zwei gefallenen Bällen durch Regenass steht es dann 20:21. Beim Snap des Zusatzpunktes ist etwas schief gegangen, somit bleibt es bei dem Score. Die letzten zwei Minuten wollen die Thuner nochmals Punkte auf die Tafel bringen, schlecht sieht es gar nicht aus. Erneut kommt ein langer Wurf auf Purtscheller an und wird erst vor der Endzone gestoppt. Da kann aber der Basler Arterburn vor den Ballfänger springen und die Interception bis zur eigenen 28 Yards-Linie zurücktragen. Den Gladiators bleiben noch neun Sekunden für eine eigene Aktion. Weil Quarterback Noble keine Anspielstation findet, rennt er selber rund 30 Yards. Und weil die Zeit da definitiv abgelaufen ist, wirft er den Ball zurück, bevor er zu Boden geht. Von Erfolg gekrönt ist das zwar nicht, zur Ermunterung der Basler Zuschauer trägt es vor der Halbzeitpause alleweil bei.

Dank den regelmässigen hydration breaks sind die beiden Mannschaften auch in der zweiten Halbzeit noch einigermassen fit. Trotzdem stolpert ein Thuner Verteidiger und Regenass ist plötzlich ohne Schatten unterwegs. Dank dem Spielzug und dem anschliessenden Quarterback keeper für weitere 15 Yards klopfen die Basler an der ersten Führung an. Dabei bleibt es aber, denn beim vierten Versuch kommen sie nicht auf die nötigen Yards. Die Tigers müssen zwar an der eigenen Endzone starten, kommen aber langsam voran. Und erneut schaffen sie es, mit einem langen Pass auf Gfeller kurz vor die Endzone zu gelangen. Der darf gleich nochmals fangen, diesmal in der Endzone. Und damit die Thuner nicht nur einen sondern gleich zwei Scores Vorteil haben, spielen sie den Zusatzversuch aus. Purtscheller fängt den Ball für weitere zwei Punkte, zum 20:29. Das dritte Quarter geht mit einer starken Defense-Leistung der Tigers und einem Basler Punt zu Ende.

Die Thuner nutzen ihren Vorteil gnadenlos aus, wechseln Laufspiel und kurze Pässe ab. Beim vierten Versuch versuchen sie zu «icen». Gehen also ohne Spielzug aufs Feld und versuchen die Defense ins Offside zu locken. Die Basler bleiben aber standhaft. Zum Glück, so ist wenigstens noch ein Funke Hoffnung für sie da. Noble rennt nun öfter selber oder findet den grossen Receiver Riepl. Abschliessen darf Bianchi, erneut mit einem Jet Sweep für den Anschluss zum 27:29. Auf der anderen Seite wiederholt sich etwas: Ein langer Pass findet Purtscheller, bis zur Endzone reicht es aber knapp nicht. Nach dem Zweiminuten-Timeout darf Gygax den Schulterschutz senken und mit 27:36 erneut auf zwei Score Abstand verlängern. Die Gastgeber verkürzen umgehend durch einen langen Pass auf Riepl zum 33:36. Erneut geht beim Zusatzpunkt der Snap schief. Weil die Zeit sehr knapp ist, entscheiden sich die Gladiators zu einem «on side kick». Dabei muss der Ball mindestens zehn Yards weit kommen und idealerweise durch einen eigenen Mann erobert werden. Ein Thuner ist aber schneller und nach einem sehr guten Lauf von Gygax kniet Harvey zum Sieg.

Nach der Klatsche in Thun und dem ausgeglichenen Spiel in Basel könnte man meinen, der Quarterback Harvey sei der einzige Grund für die Veränderung. Klar hat er einen grossen Einfluss, alleine kann er aber keine Spiele gewinnen. Die Ballfänger Purtscheller und Gfeller profitieren vom erfahrenen ehemaligen Junior und die Running Backs Gygax und Hirschi bringen Abwechslung. Für die Tigers ändert der Sieg nichts, sie bleiben auf dem zweitletzten Tabellenrang. Für die Basler wird es nun sogar eng um die Playoffs. Das letzte reguläre Spiel gegen Genf wird so zum absoluten Pflichtsieg.

 

   

 

Gladiators Basel vs. Thun Tigers: 33:36 (5:5

Details zum Spiel: SAFV

Eventdatum: 20.06.2026

Fotograf:  Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Stadion Rankhof, Basel

Veranstalter: Gladiators Basel

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Nils Blattner
Publiziert in Sport

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