Frei nach dem Motto «Der April macht, was er will» steigen die Temperaturen in Basel pünktlich fürs Footballwochenende auf frühsommerliche 28 Grad. Und ganz im Sinne eines guten Gastgebers überlassen die Gladiators den Broncos den Vortritt, also «second half option». Die Broncos starten dann auch mit einem starken Return von #3 Maxwell Gray bis zur Mittellinie. Doch die Offense will erst noch nicht so ganz in die Gänge kommen. Beim vierten Versuch und sieben Yards versuchen sie zuerst, die Defense ins Offside zu locken, um darauf mit einem Pass auf die linke Seite über #28 Adrian Sünderhauf die nötigen Yards zu holen. Gleich danach kann #7 Noah Bachofen mit einem Lauf durch die Mitte die ersten Punkte für die Broncos holen: 0:7.
Nun starten die Gladiators das erste Mal mit ihrem Angriff. Und das mit einer Kombination, die schwer zu verteidigen ist: Passspiel mit einem mobilen Quarterback. Zuerst ist er Wurf etwas zu hoch, dann findet #11 Skylar Noble keine Anspielstation und rennt selbst: neuer erster Versuch. Nach ein paar weiteren Pässen zeigt er zwischendurch wieder mit den Beinen was er kann: mitunter auch noch einen harten Hit an der Seitenlinie verteilen. Nach zwei Pässen auf #18 Joel Regenass und einem «jet sweep» mit #1 Leandro Bianchi steht es vierter Versuch und Inches. Auch die Heimmannschaft kann sich nicht lumpen lassen, sie gehen dafür. Vor allem, weil sie schon tief in der gegnerischen Hälfte stehen. Mit einem Holding der Broncos von #4 Sebastian Katz kommen die Gladiators geschenkt zu einem neuen ersten Versuch an der Goal-Linie. Nach einigen nicht angebrachten Pässen sehen wir einen Nachteil der Mobilität von #11 Skylar Nobles. Er kann sich zwar immer wieder aus unpässlichen Situationen rausdrehen, wenn er dann aber auch nach zehn Sekunden keine freien Receiver mehr sieht, kann es in einem «intentional grounding» enden: dritter und Goal an der 25 Yards-Linie. Die Gäste schenken ihm aber mit einer Flagge gleich nochmals einen neuen ersten Versuch, den sich die Gastgeber nicht nehmen lassen. #83 Sven Riepl holt seinen ersten Touchdown mit einem Pass über die rechte Seite: 7:7.
Nun verteilen auch die Gastgeber Geschenke. Ein Holding ergibt automatisch einen neuen ersten Versuch für die Gegner. Danach steht es aber gleich wieder sehr gut für die Verteidigung. Bei einem dritten Versuch und wenigen Yards zu gehen kann der Quarterback der Broncos den Snap nicht unter Kontrolle bringen. Vierter Versuch und fünf Yards. Aber auch hier ist volles Risiko Programm. Mit einem langen Pass über die Mitte auf #3 gelingt den Broncos die erneute Führung zum 7:14. Nach einem passablen Kick-Off Return durch #1 Bianchi der Gladiators und einer weiteren negativen Aktion der Broncos #4 geht es nach einem «unsportsmanlike conduct» von der Mittellinie weiter. Durch einen Wurf auf #3 Joel Müller für zehn Yards, zwei verfehlte Pässe auf #18 Joel Regenass steht es auch für die Gladiatoren dritter und zehn. Mit einem langen Pass im Anschluss auf die rechte Seite kann sich #83 seinen zweiten Touchdown abholen: Gleichstand 14:14.
Die Broncos-Maschinerie startet nun mit abwechslungsreichem Spiel. Lauf, Lauf, Pass und Fehlstart der Verteidigung. Nun wechseln die Gäste die Taktik: Wildcat. Sie stellen #3 Gray als Quarterback auf und spielen einen sogenannten «designed quarterback run». Der Quarterback soll bewusst selber rennen. Weil es sich um einen Receiver handelt, kann er das ja auch, er vermag sogar mit einem Hürdensprung einen Verteidiger ausspielen und holt sich seinen zweiten Touchdown zum 14:21. Das Passspiel der Gastgeber bringt sie umgehend bis in die Redzone. Also die letzten zwanzig Yards, in der die Verteidigung richtig aufspielen kann. Auch hier gehen sie beim vierten Versuch aufs Ganze, #1 Bianchi kann den Ball nicht kontrollieren, lässt ihn durch seine Hände gleiten und #4 Katz kann die Interception sichern. Nach mehreren Runs und scrambles schafft der QB #9 Robin Sennrich mit einen langen Pass auf #3 Gray erneut den Besuch der Redzone. Der Fang ist imposant, weil sich die #3 den Ball mit einem langestreckten Hechtsprung sichern kann. Beim darauffolgenden Spielzug behält die #9 den Ball und gleitet mit einem Spin-move in die Endzone. Durch einen Auswechselfehler der Verteidigung haben die Broncos nur noch einen Yard vor sich und holen mit einem Full-Back dive die «two point conversion»: 14:29. In der Zwischenzeit haben die Gladiatoren nur noch 37 Sekunden in der ersten Halbzeit übrig. Sie versuchen zwar noch ein paar Spielzüge, beim Versuchen bleibt es aber, Halbzeitstand ist 14:29.
Die Gastgeber dürfen die zweite Halbzeit eröffnen, vermögen aber nichts damit anzufangen und punten den Ball gleich wieder. Die Broncos glauben, in der Halbzeit das Patentrezept gefunden zu haben. Sie lassen dabei #3 Gray in einer Jet Motion von seiner Receiver Position nach innen laufen, der Ball wird dann so gesnappt, dass der Quarterback die Möglichkeit hat ihm den Ball in die Hände zu geben. Das nennt sich dann «Jet Sweep» und ist aufgrund der Geschwindigkeit des Ballfängers brandgefährlich. Die Verteidigung muss sich darauf einstellen und dehnt sich etwas in die Breite. Nun ist die Mitte weniger dicht gepackt und der Quarterback kann den Ball nur an den Jet antäuschen und dem Runningback durch die Mitte geben. Ein Passversuch ist aus dieser Situation ebenso möglich wie ein Reverse. Bei diesem letzten Spielzug hat die Verteidigung der Basler aber aufgepasst und können ihn im Keim ersticken. Die Bündner fahren sich darauf fest und müssen sich mit einem Field Goal zufriedengeben: 14:32. Mit zwei Pässen auf #1 Bianchi und einem langen Scramble von #11 Noble klopfen die Gladiators aber postwendend an der Redzone an. Nach einigen kurzen Spielzügen erlaubt sich ein Bronco etwas viel Kontakt und gibt somit viel Platz preis, erster Versuch wenige Meter vor der Endzone. Diese überbrücken die Basler ausnahmsweise mit einem Lauf durch #33 Thomas Sany und es steht 21:32. Das dritte Quarter schliessen die Broncos nach einem Return von #3 Gray übers ganze Feld tief in der Basler Redzone ab, um diesen im letzten Viertel mit einem Lauf von #6 Eric Rageth in Punkte umzusetzen: 21:39.
Vom Regen in die Traufe. Der Basler Quarterback wird gleich darauf beim Scramblen von hinten umgenietet und verliert den Ball noch in der eigenen Hälfte. Aber aus dem Fumble vermögen die Broncos keine Punkte zu ergattern. Sie fühlen sich in der Vorsprungs- und Feld-Position, grössere Risiken einzugehen und spielen einen vierten Versuch aus, erreichen einen neuen Ersten aber nicht. Diesen Luxus haben die Basler nicht, sie müssen Risiken eingehen, um überhaupt aufzuholen. Nachdem der folgende Drive praktisch nur aus Passspiel besteht und #1 Bianchi sich den Touchdown aus der Luft pflückt, steht es 28:39. Da nur noch rund fünf Minuten übrig sind, versuchen es die Gastgeber mit einem «onside kick», den die Broncos aber sichern können. Weit kommen sie aber nicht, die Verteidigung der Gastgeber vermag sie diesmal zu halten.
Nun starten die Gladiatoren von der eigenen 5 Yards-Linie einen Drive, der vor allem aus dem bisherigen Erfolgsrezept besteht: kurze und mittellange Pässe, gepaart mit Scrambles des QB. Zur spielerischen Spannung gesellt sich nun auch noch eine emotionale hinzu. Einige Broncos bewegen sich verdächtig langsam zurück auf ihre Positionen. Ob das bewusst so war, sei an dieser Stelle offengelassen. Sie werden aber von einem Schiedsrichter animiert, sich rascher aufzustellen. Darauf muss sich #5 Holm wohl unrühmlich beschwert haben, es fliegt eine Flagge und er wird vom Feld gestellt. Schade in so einer Situation. Durch eine weitere Flagge für ein Defense Holding stehen die Gladiators nur noch drei Yards vor der Endzone, die #11 Noble schlussendlich mit einem Scramble überbrückt. Mit einer «two point conversion» heisst es nun 36:38. Die letzten 30 Sekunden enthalten dann nochmals einen «onside kick», den sich die Broncos holen und die übrige Zeit abknien.
Alles in allem hatten beide Mannschaften Höhen, Tiefen und sich auf Augenhöhe getroffen. Die Broncos haben sich weite Strecken auf #3 verlassen, der mit seinem Speed und der variantenreichen Spielweise kaum kontrolliert werden konnte. Die Gladiators hingegen zeigten eine sehr einseitige Pass-Offense, aber dafür eine gut geölte. Ich bin gespannt, ob sie im Laufe der Saison zu einem stabilen Laufspiel finden.
Gladiators Basel vs. Calanda Broncos: 36 : 39 (5 : 5)
Details zum Spiel: SAFV
Eventdatum: 06.04.2024
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Stadion Rankdorf, Basel
Veranstalter: Gladiators Basel
Zuschauerzahl: unbekannt
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