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Auftakt zur Frage: «Wer wird König der Löwen?»

Auftakt zur Frage: «Wer wird König der Löwen?» Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Mit Lausanne im Finale hat lange keiner gerechnet – nicht mal der Sportchef des Lausanne HC. Es ist ihre allererste Finalteilnahme, während die ZSC Lions ihren 10. Sieg anpeilen.

Der Löwenkäfig macht seinem Namen in diesem Jahr alle Ehre. Ob der Slogan der ZSC Lions «Unleash the Lion» die eigene Mannschaft zu Höchstformen auflaufen lässt und nicht den Gegner, wird sich zeigen. Sowohl das Logo der ZSC als auch das von Lausanne ziert ein nach rechts brüllender Löwe. Allerdings ist der aus der Romandie optisch lauter und definitiv hungriger. Der 1922 gegründete Club hat es in seiner Geschichte noch nie ins Final geschafft, geschweige denn einen Meistertitel geholt. Das könnte sich in dieser Saison ändern. Wenn da nicht die ZSC Lions wären, die bislang einen Durchmarsch par excellence hingelegt haben. Doch das ist noch lange kein Garant, dass sie am Ende die übergrosse Blumenvase in die Luft stemmen können.

Anders als Lausanne haben die ZSC Lions alle Playoff-Serien nach vier Begegnungen siegreich beendet. Ob das so weitergeht oder ob sich die Lions zurücklehnen? Letzteres hoffen die Zürcher Fans definitiv nicht. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass man selbst bei einer 3:0-Führung in der Serie im siebten Spiel endet und den Meisterschaftstitel vergibt. Die Lions kennen beide Varianten. Doch so weit sind wir noch nicht. Heute wird die erste Partie des diesjährigen Finals ausgetragen. Seit der Einführung des «Best of 7»-Modus haben nur Davos und Bern mit 12:2 Siegen über den ganzen Playoff hinweg den Titel geholt. Die perfekte Serie gab’s noch nie.  Ich bin gespannt, ob die blutigen Krallenspuren auf den weissen Lions-Fanshirts heute Abend eine andere Bedeutung bekommen. Fahren die Lions ihre erste Niederlage ein oder schaffen sie einen neunten Sieg in Folge? Zwischen beiden Pfosten stehen die besten Keeper der Liga und ich bin gespannt, was uns heute tormässig geboten wird. So eindeutig wie die Meinungen auf den Meistertitel für den ZSC lauten ist die Lage nicht. 

Das merkt man im ersten Drittel relativ schnell: das Spiel ist ausgeglichen, die Lausanner machen Druck. Während Juho Lammikko wegen Haltens auf der Bank sitzt, kommen die Zürcher zu einer guten Chance in Unterzahl. Doch Connor Hughes hat wohl Langeweile im Kasten und prescht beinahe bis zur blauen Linie vor, um Derek Grant in die Parade zu fahren. Hughes Pass landet zwar bei Christian Marti, der erwischt den Puck aber nicht. Damien Riat ergattert die Scheibe und haut sie ins Lattenkreuz von Simon Hrubec. Der tiefrote Fansektor des Lausanne HC brüllt los, während sich vermutlich 99% der ZSC-Fans denken: «Uhoooh». Passiert heute, was alle insgeheim fürchten? 45 Minuten vor Schlusspfiff schon die Flinte ins Korn zu werfen, wäre aber definitiv verfrüht. Beide Seiten zeigen Kampfgeist, die einen mit etwas unlauteren Mitteln wie andere. Mikko Lehtonen hat Mikka Salomäki im Schwitzkasten und ringt ihn zu Boden. Salomäki steht auf und hat eine blutende Wunde auf Höhe des linken Wangenknochens. Eine Strafe setzt es dafür nicht, obwohl jemand vom Eis muss - der Lausanner darf erst weiterspielen, wenn die Wunde versorgt ist.

Im Mitteldrittel knallt Simon Hrubec den Puck über die Scheibe, was als Spielverzögerung geahndet wird. Die Lausanner können die Überzahl genauso wenig in Punkte ummünzen wie wenig später die Zürcher. Jiri Sekac ist gerade mal ein paar Sekunden zurück von der Strafbank, als Yannick Weber den Pass von Juho Lammiko von der blauen Linie aus mit einem satten Schuss hinter Conor Hughes verschwinden lässt. Die Halle tobt – eindrücklich, wenn so viele Fans jubeln und klatschen. Der Limmatblock ist noch am Springen, als Derek Grant ungehindert quer übers ganze Spielfeld zieht und zum 2:1 einnetzt. Ich freue mich ja sonst eher still an der Bande unten, aber da ist selbst mir ein Jubelschrei entschlüpft.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Die zweite Hälfte des Mitteldrittels schalteten die Lions einen Gang zurück. So im Stil von: «Zum Gewinnen reicht es, ein Tor mehr als der Gegner zu schiessen». Aber was ist schon ein Punkt Vorsprung, wenn noch 30 Spielminuten anstehen? Richtig. Nicht viel. Das war dann auch die Zusammenfassung für das Schlussdrittel, denn viel wurde da nicht mehr geboten. Als Willy Riedi 15 Minuten vor Ablauf der regulären Zeit auf die Bank muss, liegen gefühlt bei allen Zuschauern die Nerven blank. Jetzt bloss keinen Treffer kassieren, bitte keine Überzeit, rettet den Sieg über die Zeit. Doch Simon Hrubec meistert alle Angriffe, genau wie Connor Hughes, als die Lausanner knapp 5 Minuten vor Abpfiff in Unterzahl agieren müssen. Wie üblich räumt der Keeper der unterliegenden Mannschaft zwei Minuten vor Schluss seinen Arbeitsplatz. Lausanne macht enormen Druck auf einen herausragenden Hrubec. Die Zürcher versuchen mehrfach, die Scheibe freizuspielen, schaffen es aber nie so weit, um einen Empty Netter zu verbuchen.    

Es bleibt beim Schlussresultat von 2:1 für die noch immer ungeschlagenen ZSC Lions. Der Sieg geht für einen kurzen Augenblick etwas unter, weil die Spieler hinter dem Lausanner Tor Nettigkeiten austauschen. Die werden prompt noch mit jeweils 2 Minuten für übertriebene Härte geahndet für Patrick Geering, Damien Riat, Mikka Salomäki, Mikko Lehtonen und Michael Raffl. Nach all den Jahren Eishockey weiss ich trotzdem nicht, ob die dann beim nächsten Spiel abgesessen werden müssen oder einfach als Randnotiz aufgeführt werden. Am Donnerstag findet die zweite Runde in Lausanne statt, ich werde am Samstag bei der dritten Partie wieder an der Bande stehen. Ob das dann das letzte Heimspiel sein wird? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Was zuerst eintrifft, zeigt sich nach der anstehenden Partie in Lausanne. 

 

 

ZSC Lions vs. Lausanne HC: 2:1 (0:1 | 2:0 | 0:0)

Schüsse aufs Tor: 28:35 (11:12| 10:10 | 7:13)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF

Aufstellung: TeamRoster

  

Eventdatum: 16.04.2024

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  SwissLife Arena, Zürich

Veranstalter: SIHF

Zuschauerzahl: 12000

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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