Vom Winde verweht
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Trotz Sieg kann die Mannschaft dies nicht mit Freude feiern, denn sie sind alles andere als zufrieden mit ihrer Leistung. Da hätte noch viel mehr kommen können.
Ja haben wir denn heute Nachmittag Love Ride? Geschätzt etwa 200+ Motorräder stehen auf der Dübendorferstrasse, entlang dem Flugplatz Dübendorf und warten auf die Abfahrt des Trosses. Dies hat zur Folge, dass der Bus nicht vorwärtskommt und warten muss, bis alle an ihm vorbeigefahren sind. Die Buschauffeurin nimmt es sehr gelassen, fährt immer wieder mal ein, zwei Meter und winkt den Motoradfahrern lächelnd zu. An der Bushaltestelle aussteigend sehe ich, dass die Lugano Rebels mit dem Mannschaftscar des HC Lugano angereist ist. Das Wetter könnte besser sein, wenigstens regnet es nicht, aber es geht ein giftiger kühler Wind.
Das Spiel startet wie üblich mit dem Coin-Toss, der an die Zurich State Spartans geht. Sie entscheiden sich für die Second Half Option und kicken jetzt, so dass die Rebels ihr erstes Angriffsspiel starten können. In diesem ersten Drive ist das einzige vorwärtskommen für die Gäste, die 5 Yard-Strafe gegen die Spartans. Dadurch verpassen sie es, innert den 4 Versuchen, die 10 Yards zu überwinden und das Spiel geht an die Gastgeber. Ihr Punt kommt nicht weit und so starten die Gastgeber ihr erstes Angriffsspiel von der Mittellinie aus. Es kommt zum ersten Fumble, nachdem die Spartans den Ball nicht sauber kontrollieren können. Dadurch sind die Rebels wieder im Spiel.
Ich erspar euch jetzt die einzelnen Versuche, das Ei in die gegnerische Endzone zu tragen, denn diese scheitern immer wieder zum Teil kläglich. Der Seitenwechsel nach dem ersten Viertel ändert die Windrichtung für die Spieler, aber nichts an der Sachlage, dass keine Punkte verbucht werden. Das Spiel ist echt verfahren, denn es geht im gleichen Stil weiter. Keines der beiden Teams kann überzeugen und für Punkte sorgen. Da hilft weder eine Interception, die den Spartans gelingt noch ein guter Lauf von #84 Finn Waterholter. Bis jetzt sehen wir dafür ein sehr faires Spiel und wie sich die Kontrahenten nach einem guten Check abklatschen oder sich entschuldigen, wenn’s eventuell etwas zu arg war.
Das Nächste, das das Ei der Grundlinie kommt, ist ein Yard, welches #10 Dylan Wohler mit einem Vorpreschen erreicht. Das darauffolgende Fieldgoal möchte aber #11 Philip «Hägi» Hägelin dann doch in einen Touchdown umwandeln und läuft in Richtung Grundlinie. Er wird aber erfolgreich von der Tessiner Defenseline daran gehindert. 22 Sekunden vor Halbzeit punten die Luganesi und der Zürcher #13 Florin Rossi nimmt den Ball nicht nur entgegen, sondern er spurtet über das ganze Feld und wird nur wenige Yards vor der Rebels-Endzone gestoppt und aus dem Feld gedrängt. Die Freude bei den Gastgebern ist gross, denn sie haben die Hoffnung, nochmals einen letzten Spielzug machen und doch noch punkten zu können. Doch die Zeit ist vorher abgelaufen und sie müssen frustriert mit einem 0:0 in die Pause gehen.
Am Spielfeldrand machen sich die Pink Ladies Cheer bereit für die Halftimeshow, obwohl sie beinahe davongewindet werden. Während der Show müssen dann auch tatsächlich ein paar Zuschauer das Manschaftszelt am Davonfliegen hindern. Dieses wird nach der Rückkehr der Spieler kurzerhand abgebaut. Noch während der Pause kommt ein Tessiner Spieler in unseren Mannschaftsbereich und entschuldigt sich bei einem Spieler dafür, dass er ihn vorher kopfvoran getackelt habe. Danach geht es weiter mit dem Spiel und dem Kick der Lugano Rebels. Es dauert nicht lange und die Sanitäter müssen nach einem unglücklichen Zusammenstoss ein erstes Mal aufs Feld. Doch es scheint nichts Ernstes zu sein, denn sie machen sich nach nur kurzer Kontrolle wieder auf den Rückweg. Jetzt geht es Schlag auf Schlag und die Sanis müssen schon wieder raus aufs Feld spurten. Auch dieser Einsatz dauert nicht lange und es wird noch ein Kühlbeutel mitgegeben. Während ich meine Notizen hierfür aufs Handy spreche, startet in der Rega-Basis auf dem Flughafen Dübendorf ein Helikopter und startet geradewegs über das Spielfeld hinweg. Ich diktiere mir, hoffentlich brauchen wir den heute nicht. Es folgen die ersten Punkte. Ein weiter Pass auf #87 Philip «Garti» Gartmann verfehlt sein Ziel und nun wird ein Fieldgoal versucht. Der Kick ist ok und die ersten drei Punkte können auf der Tafel eingetragen werden. Nach einem Fehlstart der Lugano Offense haben die Spartans ein «Freeplay», in dem sie eigentlich alles riskieren können. Im schlimmsten Fall gibt es nur die Strafe gegen die Offense. So versuchen sie erneut einen weiten Wurf auf «Garti», doch auch dieser ist wieder weit überworfen und es gibt keine weitern Punkte. Von diesen Weitwürfen inspiriert, versuchen sich die Rebels auch daran. Der Pass kommt aber nicht am geplanten Ziel an, sondern landet bei #29 Kuku Köchli, der die Interception damit abschliesst, dass er ca. 65 Yards über das Feld rennt und einen ersten Touchdown erzielt. Das anschliessende Fieldgoal sitzt und es steht 10:0 bei etwas mehr als 3 ½ Minuten zu spielen im dritten Viertel.
Dann passiert doch noch das, was man nie möchte in solch einem Spiel. Ein Lugano-Spieler wurde für ihn unverhofft zu Boden gebracht und dabei hat er sich verletzt. Die Sanitäter eilen erneut auf das Feld und müssen ihn stabilisieren. Der Unterbruch dauert gute vierzig Minuten. Ich kann hier die Schiedsrichter nicht verstehen, warum sie die Spieler nicht in die Kabine geschickt haben, damit diese warm bleiben, um das allfällige Verletzungsrisiko bei Wiederaufnahme des Spieles zu minimieren. Die Situation scheint dann doch schlimmer zu sein und der Notarzt vom inzwischen angekommenen Krankenwagen legt eine Kochsalzinfusion. Anschliessend wird der Verletzte auf der Bahre ins Krankenauto verladen. Während sie noch auf dem Weg zum Auto sind, wird von den Anwesenden geklatscht und somit gute Besserung übermittelt.
Nach einem kurzen Aufwärmen geht das Spiel weiter. Das dritte Viertel vergeht ohne weitere Punkte und so kommt es nochmals zum Seitenwechsel. Bei 3rd & 2 stehen die Spartans an der gegnerischen 25 Yard-Linie. Es kommt zu einem Fumble, da der QB der Zürcher #25 Fabio Ernst sich tackeln lassen muss und dabei den Ball verliert, welcher auf der 36 Yard-Linie von einem Tessiner unter Kontrolle gebracht wird. Wir hören in einem der nächsten Spielzüge einen lauten Knall, nachdem «Kuku» einen weiteren Tessiner Spieler Kopf voraus zu Boden bringt. Hierfür wird er wegen «Targeting» von den Unparteiischen vom Feld verwiesen. Im weiteren Spielverlauf versuchen die Spartans bei 4th & 12 ein Fieldgoal, doch dieser wird erfolgreich abgewehrt.
Erfolglos verläuft der nächste Versuch der Gäste, die erforderlichen 10 Yards zu überwinden. Diesmal nur knapp, denn die Schiedsrichter holen die Kette aufs Feld, um nachzumessen. So können die Spartans in der gegnerischen Hälfte ihr Angriffsspiel starten. Eine Strafe gegen die Rebels wird ausgesprochen und die Spieldistanz wird auf die Hälfte verkürzt, was zu einem Weiterspiel an der 13 Yard-Linie führt. #21 Vivian «Klägi» Kleger wird lanciert und er kann zum zweiten Touchdown des heutigen Spieles sich in die Endzone werfen. Der Fieldgoalkick wird von #16 Sandro Schlumpf entgegengenommen, um den Versuch der Two Point Conversion zu starten. Er schafft es aber nur in Reichweite der Grundlinie, aber nicht darüber. Er wird vorher von der Verteidigung gestoppt. So zeigt uns die Spieltafel 16:0 an, knapp 2 ½ Minuten vor Spielende.
Das Spiel gegen die Lugano Rebels endet mit dem Sieg der Zurich State Spartans mit 16:0. Dennoch freuen sich die Spieler nicht darüber, denn sie sind alle davon überzeugt, dass heute einfach der Wurm drin war und nichts so funktioniert hat wie es hätte sollen. Nun heisst es, fleissig trainieren, denn der nächste Gegner kann ein Team vorweisen, das mehr als doppelt so viele Spieler wie die Rebels hat. Somit wird die Reise zu den Orks nach Rapperswil am nächsten Samstag sicherlich kein Zuckerschlecken werden.
Nachträglich habe ich noch erfahren, dass der vom Krankenwagen abtransportierte Spieler wieder auf den Beinen ist. Keine Brüche oder sonstige Verletzungen, einzig vermutlich eine Gehirnerschütterung, weshalb er ein paar Tage Bettruhe braucht. Wir wünschen dennoch gute Besserung.
Zurich State Spartans vs. Lugano Rebels: 16:0 (2:0)
Mehr Infos im Gamecenter des SAFV.
Eventdatum: 28.04.2024
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Sportanlage Dürrbach, Wangen
Veranstalter: Zurich State Spartans
Zuschauerzahl: geschätzt 75 trotz des Windes
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1253-vom-winde-verweht#sigProIdbc031e837b
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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