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Der Trend: Heimspiel gewinnen. Bis zum Meistertitel?

Der Trend: Heimspiel gewinnen. Bis zum Meistertitel? Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Im diesjährigen Kampf um den Meistertitel hat jede Mannschaft vor heimischem Publikum gewonnen. Deshalb steht es nach Spiel 5 in der Serie 3:2. Am Samstag haben die ZSC Lions auswärts die Chance, den Sack zuzumachen. Auch wenn die Lausanner einen Löwen im Logo haben, sah man während des Spiels stattdessen zwei Vögel aufs Eis klatschen.

Die Halle ist einmal mehr ausverkauft. Das ist wenig überraschend, schliesslich ist es das Playoff-Final und es könnte das letzte Heimspiel der Lions sein in dieser Saison. Im Gegensatz zu ausverkauften Partien in der Regular Season wird die Heimmannschaft aber von Beginn weg lautstark unterstützt. Im Startdrittel gabs nicht viel zu sehen. Wäre die Strafe gegen Andrea Glauser in der 9. Spielminute nicht auf dem Würfel angezeigt worden, hätte man vom Powerplay der Gastgeber nichts mitbekommen. Beide Mannschaften hatten mehrere Chancen auf einen Treffer, aber so wirklich Spannung kam nicht auf. Entsprechend unspektakulär geht es mit 0:0 in die erste Pause.

Auch im zweiten Drittel passiert nicht viel Erwähnenswertes. Zumindest nicht bis zur Schwalbe von Andrea Glauser in der 27. Minute. Aus meinem Blickwinkel hat sich Derek Grants Stockspitze links in Glausers Trikot verirrt. Aber der Lausanner Verteidiger fiel aufs Eis, als wäre ihm mit voller Wucht in den Rücken geschlagen worden. Nachdem er einen Moment liegenbleibt, fährt er vor Schmerz gekrümmt vom Eis. Grant kassiert 2 Minuten wegen Stockschlags, weil die Refs aus ihren Perspektiven keine vergleichbaren Vorstellungen aus einem Fussballspiel wahrnehmen konnten.

Auf dem Videowürfel wird die Szene nochmal abgespielt, was einen Shitstorm des Publikums zur Folge hat. Sie äussern ihren Frust über diesen Entscheid mehr als lautstark und ich habe schon lange nicht mehr so viel aufs Eis fliegen sehen. Gut, dass die Bierpreise so hoch sind in der Swiss Life Arena, dass keine Becher geworfen werden. Andernfalls wäre ich wohl tropfnass geworden. Refs und einzelne Spieler sind minutenlang nur damit beschäftigt, Papier und andere Gegenstände aufzulesen, bevor das Bully unter lauten Protesten angespielt werden kann. Simon Hrubec zeigt sich in Hochform und wehrt einen Angriff nach dem andern ab. So überstehen die Lions die Unterzahl unbeschadet. Wenige Minuten später haben die Zürcher ihre zweite Powerplay-Chance, bringen die Scheibe aber nicht an Connor Hughes vorbei. Weitere zehn Minuten gehen ins Land, bevor alle Zuschauer von ihren Sitzen hochschnellen. Juho Lammikko übernimmt die Scheibe von Dean Kukan und versenkt in spitzem Winkel zum Führungstreffer.

Dieses war der erste Streich. Aus den vorangegangenen Heimspielen gegen die Romands ist die Erwartungshaltung jetzt entsprechend hoch, dass der zweite folgt sogleich. Allerdings hat wohl keiner damit gerechnet, dass das 2:0 innerhalb von 51 Sekunden fallen würde. Vinzenz Rohrer verbucht sein erstes Tor in der Finalserie und sorgt dafür, dass die Zuschauer ein weiteres Mal ein überlautes «Jaaaaaaa» durch die Halle schreien können. Kurz vor der Pause wird es nochmal brenzlig für die Zürcher, als Justin Sigrist wegen übertriebener Härte auf die Bank muss.

Das Schlussdrittel beginnt in Unterzahl für die Gastgeber, doch die ausgeruhten Lausanner haben mit Simon Hrubec heute schlechte Karten. Selbst wenn sie eine Chance auf der Kelle haben, wehrt notfalls der Pfosten ab. Ob es mit einem Spieler mehr auf dem Eis eventuell besser laufen würde? Nun… dieses Mal ist es kein Stock im Trikot eines Gegenspielers, sondern Denis Hollensteins Hand auf der Schulter. Wir sehen in der 45. Minute nochmal eine recht miese Vorstellung eines schmerzverzogenen Gesichts auf dem Eis. Weh getan hat es nicht, aber eine Strafe wegen Haltens ist wohl gerechtfertigt. Long story short: Auch dieses Powerplay fruchtet nicht. Die Lausanner erhöhen zwar den Druck, aber die Zürcher Verteidigung und der Keeper sind hochkonzentriert bei der Arbeit. Es sind nicht mal mehr 4 Minuten zu spielen, als Ken Jäger wegen Beinstellens auf die Bank muss. Connor Hughes schaut zum Würfel hoch und rechnet wohl aus, dass keine zwei Minuten mehr übrigbleiben, um nach Ablauf der Strafe seinen Platz mit einem sechsten Feldspieler zu tauschen.

Und genau das versuchen die Gäste in der 59. Minute. Zeitgleit mit Jägers Rückkehr, sprintet der Lausanner Keeper in Richtung Bank. Sie setzen alles auf eine Karte und Simon Hrubec wird nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Ein Schuss nach dem andern wird abgefeuert, doch es gibt kein Durchkommen. Die Zürcher befreien sich, Justin Sigrist erwischt die Scheibe und feuert in Richtung gegnerisches Tor. Der Puck landet unter lautem Jubel in den freistehenden Maschen. Die ZSC Lions gewinnen damit Spiel 5 mit 3:0 gegen den Lausanne HC. Ob sie am Samstag auswärts den Titel holen oder auch diese Begegnung von der Heimmannschaft gewonnen wird? Einerseits hoffe ich natürlich auf einen Auswärtssieg, obwohl ich dann die Pokalübergabe und Meisterfeier verpassen werde. Dann wäre dies aber mein letzter Bericht von einem ZSC Lions-Game gewesen, ohne das i-Tüpfelchen als Saisonabschluss setzen zu können. Aber deswegen auf ein siebtes Spiel zu hoffen, das sie unter Umständen verlieren könnten (auch wenn es ein Heimspiel ist)? Ich drücke den Lions ganz fest die Daumen für den Meistertitel – wenn möglich schon im Spiel 6 in Lausanne.

 

 

ZSC Lions vs. Lausanne HC: 3:0 (0:0 | 2:0 | 1:0)

Schüsse aufs Tor: 37:25 (10:12 | 15:1 | 12:12)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF

Aufstellung: TeamRoster

  

Eventdatum: 25.04.2024

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  SwissLife Arena, Zürich

Veranstalter: SIHF

Zuschauerzahl: 12000

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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