Magere Offense-Leistung der Gladiators und viele Flaggen im Regen
Nils Blattner / szenemagazin.ch
Viel Regen, viele Verletzungen, viele Turnovers und noch mehr Flaggen. Das Halbfinal zwischen den Renegades und den Gladiators war zeitweise unschön anzusehen, schuld war nicht das Wetter.
Nachdem es bei der Niederlage der Gladiators U19 am Nachmittag gegen die St. Gallen Bears noch einigermassen trocken war, zieht in der Pause zum Herren-Spiel ein Gewitter über Basel durch. Die sintflutartigen Regengüsse und vereinzelten Blitze zwingen die beiden Teams, während des Warmups in die Katakomben zu flüchten. Das Spiel sollte eigentlich kurz nach 17:00 Uhr starten, durch die Blitze verzögert sich der Kick-Off aber etwas. Spiele im Regen sind beim Football keine Seltenheit und als Defense-Wetter bekannt, der Ball ist glitschig und die Entschleunigung beim nassen Boden erlaubt den Verteidigern mehr Zeit zum Reagieren. Blitze sind hingegen kritisch, wenn viele Menschen auf einem offenen Feld spielen, ist das Risiko eines Einschlags nicht tragbar. Beim Coin-Toss ist es denn auch der einzige Punkt, der nochmals unterstrichen wird: Wenn es innerhalb von 10 Sekunden donnert, gibt es mindestens 15 Minuten Pause. Den Münzwurf gewinnen darauf die Gäste und damit die second half option.
Die Offense der Gastgeber ist in der aktuellen Saison eher passlastig unterwegs und kommt nun im Regen auch nicht richtig vom Fleck. Eine offensive pass interference wird abgelehnt und schon ist der erste Drive nach drei Spielzügen vorbei. Die Flagge ist ein Vorgeschmack für den weiteren Verlauf des Spiels. Im Gegensatz zu den Gladiators sind die Renegades offensive etwas besser auf Regen vorbereitet. Sie machen sich die Beine des Quarterbacks #0 Evans zunutze, einem sogenannten dual threat QB. Weil er werfen und selber rennen kann, sind Option Spielzüge besonders effektiv. Dazu gehört vor allem aber, dass das Laufspiel integral dazu gehört. Nach ein paar positiven Spielzügen kommen sie aber kurz nach der Mittellinie ins Stocken. Dank guter Pass- und danach Lauf-Verteidigung stehen die Gäste bei einem vierten Versuch und drei Yards zu gehen. Aber statt ein über 50 Yards langes field goal im Regen zu versuchen, gibt es einen langen Pass. #89 Marty kann den irgendwie kurz vor der Endzone fangen, verliert ihn zwar und springt geistesgegenwärtig darauf. Nach einer kurzen Diskussion der Schiedsrichter ist klar, es war ein catch, fumble und recovery. Als nächstes täuscht der QB den Lauf an, behält aber den Ball und springt nach vorne. Dabei verliert er zwar den Ball und weil er schon am Boden war, ist der Spielzug aber schon da fertig. Den letzten halben Yard kann dann #11 Suso mit einem Lauf durch die Mitte zum Touchdown verwerten. Der point after touchdown (PAT) ist etwas behäbig und geht daneben, somit bleibt es beim 0:6.
Ein Holding der Gladiators wird abgelehnt, die sideline interference eines Renegades aber nicht. Diese zusätzlichen 15 Yards sind dann auch der Grund wieso sich die Zürcher zu einem Fieldgoal entscheiden zum 0:9. Nun gibt es eine Reihe an Geschenken für die Gastgeber: Beim Kick-Off verliert der Basler Returner den Ball kurz und wird dann an seiner 10 Yard-Linie getackelt, dank einem Beinstellen starten sie dann aber trotzdem von der eigenen 25 Yard- Linie. Gleich darauf, bei einem vierten Versuch bleibt der Angriff auf dem Feld und der ungenaue Pass wird von einem Zürcher abgefangen. Dank einem roughing the passer gibt es aber trotzdem einen neuen Ersten und dank einem block in the back stehen die Gladiators dann knapp vor der Endzone. Mit einem kurzen Pass über die Mitte auf #3 Müller und einem beherzten Sprung nach vorne, schafft er es genau auf die goal line: 7:9 dank PAT. In den letzten 45 Sekunden gibt es dann nochmals richtig Action. Der Kick-Off muss wegen sich gegenseitig aufhebenden Flaggen wiederholt werden und die zweite Interception von #21 Jörg gibt den Gastgebern die Chance, das Spiel ganz zu drehen. Für mehr als zwei lange Pässe reicht es aber nicht, die beide incomplete zu Boden fallen.

Der Regen hat im zweiten Quarter aufgehört und so beginnt die zweite Halbzeit fast trocken mit einem sehr guten Return von #17 Dunmore. Gleich darauf muss #0 Evans im backfield nach rechts ausweichen und wirft tief auf #89 Marty, welcher den Ball auf der goal Linie fangen kann. Beim point after touchdown ist der Snap so niedrig, dass der Kicker den Ball auflesen muss. Er kann den Ball zwar noch werfen, der Passempfänger den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen: 7:15. Die Offense der Gladiators kommt nun zum ersten Mal ins Rollen. Anscheinend haben die Halbzeit-Ansprachen etwas gebracht. Trotzdem helfen die Zürcher fleissig mit. Bei drittem Versuch und einem Yard findet #11 Noble keine Anspielstation, rennt selber und die Flaggen fliegen nur so. Ein Verteidiger hat gehalten und #9 Shah ist den Quarterback nach dem Spielzug noch angegangen. Weil die erste Flagge ein sogenannter live ball penalty ist und der late hit ein dead ball penalty, werden beide Strafen addiert. Diese seltene Konstellation gibt den Gladiatoren zusätzliche 25 Yards, wovon sie postwendend 10 mit einem holding zurückgeben. Wer den Überblick verloren hat, dem sei verziehen. Wichtig ist, dass beim folgenden Spielzug keine Flaggen geflogen sind: Der Pass auf #18 Regenass ist erfolgreich, er kann trotz Verteidiger in seiner nähe den Ball in der Endzone fangen. Dafür frisst er zwar Gras, das im Gesichtsgitter stecken bleibt, die Verkürzung auf 13:15 war es aber wert.
Um auszugleichen gehen die Basler für eine two point conversion, versuchen also nochmals einen Touchdown von der 3 Yards-Marke. Auch hier gibt es nochmals eine Flagge gegen Zürich, trotzdem kommt der Pass nicht an und es bleibt beim Score. Der folgende Zürcher Drive startet (natürlich) mit einer Flagge: Tripping beim Return, diesmal durch einen Gladiator. Dank des Penalties und passablen Returns von #17 Dunmore geht es an der Mittellinie los. Trotz eines weiteren Fouls, diesmal der Zürcher, kommen sie mit einem Pass auf #25 Gautschi und sehr guten Cuts fleissig voran. Aber nach dem einzigen Sack wirft #0 Evans einen unpräzisen Pass, der von #3 Müller angefangen und zurückgetragen werden kann. Dank einer erneuten Flagge dürfen die Gladiatoren ebenfalls von der Mittellinie aus starten. Der kurze Basler Drive besticht durch Flaggen, gegen beide Teams, einem fast-Touchdown, #3 Müller stolpert kurz vor der Endzone, einer langen Verletzungspause und einer Interception in der Endzone. Weil #24 De Amorim den Ball nicht in der Endzone gedowned hat, sondern heraus gerannt ist, starten die Zürcher tief in er eigenen Hälfte.
In der Zwischenzeit ist das dritte Quarter fast durch und ein Rettungswagen ist beim Stadion angekommen. Ein Zürcher Spieler hat sich beim Tripping wohl selber verletzt. Die Verletzung muss genäht werden, schlimmer ist es aber anscheinend nicht, «Glück im Unglück» könnte man sagen. Auf jeden Fall gute Besserung an dieser Stelle. Zeitgleich schafft es ein verletzter Renegade an Krücken zurück in seine Teamzone und ein paar andere hängen gebannt an einem Handy. Parallel wird Fussball gespielt, glaube ich zumindest. Trotz dieser Ablenkung reissen sich alle Spieler für den nächsten Drive fest zusammen und begehen fast keine Strafen. Die Zürcher überqueren das ganze Spielfeld, vor allem mit konstanten Laufspielzügen oder eben den Beinen des Quarterbacks. Die letzten 10 Yards rennt auch er selber in die Endzone. Der PAT ist diesmal drin, so steht es nun am Start des vierten Quarters 13:22. Nach einem weiteren three and out der Gastgeber gab es eine erneute Spielpause mit viel Verwirrung, welche ich etwas genauer wiedergeben möchte. Zuerst aber ein Disclaimer: Ich stand während der Situation als Beobachter an der Seitenlinie der Gladiators. Die Situation selber war in Echtzeit nach wenigen Sekunden vorbei. Bei einem Laufspielzug hat sich der Spielertrainer der Renegades, #51 Mensen, verletzt und ist vom Spielfeld gehumpelt. Vor dem anschliessenden Spielzug hat jemand die Ärzte gerufen. Weil sie vorher schon mehrfach auf dem Feld waren, haben sie auch umgehend reagiert und sind aufs Spielfeld gerannt. Gleichzeitig ging aber der Spielzug los, ein Pass auf #21 McVeigh mit über 30 Yards Raumgewinn. Die Ärzte waren zwar nicht direkt in Gefahr, trotzdem wurde es mit Warnrufen laut. Ob der Spielzug, aufgrund der Gefahr für die Ärzte, abgepfiffen wurde und damit ungültig war habe ich aufgrund der Lautstärke nicht mitbekommen. Das war aber im Anschluss minutenlang das Hauptthema bei Diskussionen zwischen Schiedsrichtern, Coaches und Spielern.
Nach dieser langen Spielpause schlagen sich die Zürcher Offense erneut mit Flaggen selber. Zuletzt müssen sie den Ball beim vierten Versuch und 20 Yards abgeben. Die Basler haben nun noch etwas mehr als 5 Minuten Zeit übrig und müssen mindestens zweimal scoren. Laufspiel lässt dies nicht mehr zu. Nach einem überworfenen Pass folgt der Sargnagel in Form der zweiten Interception von #24 De Amorim. Die Flagge gegen den Basler Angriff wird natürlich abgelehnt und die Zürcher marschieren zum letzten Mal vorwärts. Zwar gibt es auch in der Schlussphase weitere Flaggen, die harten Läufe von #11 Suso und #0 Evans zementieren den Score aber. Den Abschluss machen die Zürcher mit der besten Formation im Football: Victory Formation, und das vier Yards vor der gegnerischen Endzone.
Das Spiel war vor allem gegen Schluss keine Freude anzuschauen. Die vielen Flaggen, lange Spielpausen und chaotische Verhältnisse passen nicht ein Halbfinal der Nationalliga A. Im Gegenteil! Beide Verteidigungen haben stark gespielt, der Basler Angriff war aber fast nicht existent. Die Zürcher treffen nächste Woche auf die ungeschlagenen Broncos im Swiss Bowl. Vor allem in Bezug auf die Strafen und Fehler benötigen die Renegades aber gegen die Broncos einen deutlich besseren Tag.
Gladiators Basel vs. Zurich Renegades: 13:22 (2:3)
Details zum Spiel: SAFV
Eventdatum: 06.07.2024
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Stadion Rankhof, Basel
Veranstalter: Gladiators Basel
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1285-gladiators-vs-renegades#sigProId3a71e643ce
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Nils Blattner
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