Eigentlich schade, dass das Interesse an den Champions Hockey League-Austragungen erst mit dem Final Einzug hielt. Es haben sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Medienschaffenden verdoppelt. Die Lions könnten in der ausverkauften Arena wiederholen, was im Jahr zuvor Genève-Servette HC schaffte: als Schweizermeister den Europameistertitel holen. Könnte? Dieser Konjunktiv existierte irgendwie nicht in unseren Köpfen. Allein schon die Tatsache, dass der Final in Zürich ausgetragen wird, trägt dazu bei, dass ein Sieg der Lions die logische Konsequenz ist. Deshalb reden auch alle mehrheitlich nur von Szenarien, wenn der ZSC Europameister wird.
Da der Medienraum schon gegen 18 Uhr aus allen Nähten zu platzen droht, bin ich relativ frühzeitig runter in die Halle. In zwei Kurven sind Moderationsplätze aufgebaut und auf der Seite beim Gästetunnel traute ich meinen Augen kaum: das sah aus, wie wenn dort jemand sämtliches Technikequipment mitgebracht hätte, das im Inventar aufgelistet ist. Sie haben sogar Masten mit Signalverstärkern montiert, deren Überleben ich im Fall eines Sieges in Frage gestellt habe. Mein angestammter Platz neben dem Tunnel ist noch frei. Nur wenig später steht vor jeder verfügbaren Scheibe jemand mit Kamera, obwohl das Spiel erst in rund 90 Minuten losgeht. Habe ich schon erwähnt, dass das Medienaufkommen geringfügig grösser war als sonst? So wie ich das sehe, war wohl der letzte Aufnahmewinkel abgedeckt. Hinter dem Tor ist auch eine schwenkbare Kamera angebracht und einer der Schiedsrichter trägt eine Helmkamera.
Der Limmatblock hat im Vorfeld dazu aufgerufen, man solle in Weiss ans Spiel kommen. Überall im Publikum leuchten die Shirts aus der Masse heraus, die mitgemacht haben. Eine Choreo haben sie selbstverständlich auch vorbereitet. Die kam vor allem von der gegenüberliegenden Seite voll zur Geltung. Nico IIic hat uns sein cooles Bild zur Verfügung gestellt – nochmals vielen Dank dafür!

© Nico Ilic
Angefangen wird mit der Final-Zeremonie, an der kein geringerer als Ari Sulander den Pokal reinträgt. Er war damals beim CHL-Sieg 2009 noch die Nr. 31 und die Wand im ZSC-Tor. Für das heutige Finalspiel ist er extra aus Finnland angereist. Nachdem das Podest abgebaut ist, stellen sich die Spieler für die Nationalhymnen auf, die von einer Sängerin vorgetragen werden, deren Name ich leider nicht kenne. Um 20:15 Uhr startet dann die Partie, die von Beginn an energiegeladen ist. Das Spiel an sich ist geprägt durch wenig Strafen, diverse Schlagabtausche und meiner Meinung nach einer Verletzung von Maxime Lagacé, der ab Mitte letztem Drittel sichtlich angeschlagen war. Nebst verpassten Chancen war auch eine riesige Portion Glück mit am Start. Und einmal mehr bewiesen die Gastgeber, dass Powerplay nicht ihre Stärke ist – dafür aber das Spiel in Unterzahl umso mehr. Nachdem sie nämlich zwei Drittel lang einen 2-Tore-Vorsprung hatten, kassiert Denis Malgin 9 Minuten vor Spielschluss eine unnötige Strafe. Die Schweden benötigen gerade mal 6 Sekunden. Und da man in der CHL nur früher von der Bank darf, wenn das unterzählige Team einen Treffer erzielt, bedeutet das weitere 1:54 Minuten Powerplay für die Gäste. Auf einmal wird es sehr still in der bis auf den letzten Platz besetzten Arena. Haben sich die Zürcher zusehr zurückgelehnt? Fällt jetzt wirklich noch der Ausgleich oder ein Sieg für die Schweden? Der Puck hat den Weg nicht nochmal ins Tor gefunden, aber ist mindestens zwei Mal am Pfosten abgeprallt.
Nach Ablauf der Strafe muss ich von der Limmatblock-Seite zum Fansektor von Färjestad wechseln: Treffpunkt für die Fotografen vor Spielschluss, damit man Zugang zum Eis bekommt. Da ich keine Sonderbewilligung habe, geht’s einmal am Limmatblock vorbei, raus aus dem Rink und hoch zu den ersten Sitzplätzen (wo nach wie vor keine Treppe oder sonst etwas die zwei fehlenden Tritte überbrückt), runter zu den Foodständen beim F4, weiter zu F2, Treppe hoch/runter, Sprung zum Rink runter, Slalomlauf am Interviewpodest vorbei zum Heimtunnel. Ich schaue zur Anzeige hoch und denke «wieso läuft jetzt die Strafe noch?» Es stellt sich heraus: Während meines Seitenwechsels musste Willy Riedi aussetzen. Es war ja so schon ein spannender Match – aber muss das jetzt knapp 3 Minuten vor Schluss noch zum Nervenkrimi werden? Die Schweden nahmen in der 59. Spielminute noch ein Timeout und tauschten ihren Keeper durch einen sechsten Feldspieler aus. Schlussendlich konnten sich die Lions aber durchsetzen und bei laut ausgezähltem Countdown gewannen die Zürcher nach langen 16 Jahren des Wartens den Titel als Meister der Champions Hockey League. Helme und Handschuhe flogen durch die Luft, als sich die Spieler zu Recht über ihren Sieg freuten.
Während sie sich in den Armen liegen und Gratulationen entgegennehmen, wird das Podest für die Medaillen- und Pokalübergabe vorbereitet. Für die Fotografen ist bei den Spielerbänken ein Teppich aufs Eis gelegt worden. Wir verteilen uns auf der ganzen Länge, allerdings haben wir nicht immer freie Schussbahn – entweder kurvt ein Kameramann durchs Bild oder die Fotografin des CHL ist etwas im Weg (aber sie macht ja auch nur ihren Job!). Sven Andrighetto wird gleich drei Mal ausgezeichnet: Top Scorer, Most Valuable Player und als Doppelschütze im Final als Best Player der ZSC Lions.
Nach der Verteilung der Medaillen und Gratulation der unterlegenen Schweden ist es Zeit, den Pokal in die Höhe zu stemmen. Nun… die Lions bildeten links und rechts einen Spalier, durch den Patrick Geering mit dem Pokal fuhr. Davon sahen wir aber nichts, weil am Ende des Korridors ein Kameramann mit Kabelträger und eine Fotografin standen. Motzen auf hohem Niveau, denn ich bin so happy, dass ich überhaupt mit dabei sein und den Sieg live miterleben durfte! Im Anschluss sind sie noch mit dem Pokal rumgekurft und haben für das Siegerbild posiert. Im Gegensatz zum Meistertitel durften die Fans dieses Mal nicht aufs Eis – die Meisterschaft läuft noch und das nächste Spiel ist bereits am Sonntag. Zu meiner Überraschung wurde die Fläche nicht gestürmt, die Fans haben damit ein weiteres Stück Respekt von mir geerntet. Da die Mannschaft danach in die Kabine verschwand, habe ich meinerseits die spezielle Champions Hockey League-Fotoweste in den 5. Stock zurückgebracht und mich danach mit einem breiten Grinsen auf den Heimweg gemacht. Wir sind nicht nur amtierender Schweizermeister, sondern auch Europameister. Und wenn die Fans das nächste Mal vom Sieg in der Champions League singen, erinnere ich mich definitiv an diesen Final zurück.
ZSC Lions vs. Färjestad Karlstad: 2:1 (1:0 | 1:0 | 0:1)
Details zum Spiel: Champion Hockey League
Aufstellung: Lineup
Eventdatum: 18.02.2025
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: SwissLife Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions & Champions Hockey League
Zuschauerzahl: 12000
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