Wenn das Laufspiel die zweite Geige spielt
Nils Blattner / szenemagazin.ch
Zwar wird das Laufspiel nicht ganz ignoriert, der Fokus liegt aber ganz klar auf dem Pass. Beim Zielschiessen kommen die Basler besser weg.
Die bisher ungeschlagenen Gladiators empfangen am sonnigen Samstagabend die Genfer Seahawks in Basel. Die Genfer stehen ebenfalls nicht schlecht im Ranking, haben bisher nur gegen die Broncos verloren. Angeführt werden sie in diesem Jahr durch Clark Evans. Der 35-Jährige agiert in dieser Saison nun bei seinem vierten NLA-Team als Quarterback und Coach. Bei jedem der bisherigen Teams ist er vor allem als Ausnahmeathlet, aber auch mit seinem Temperament herausgestochen. Diese Athletik erlaubt es ihm, als «dual threat» selber den Ball zu rennen, aber vor allem auch seine Receiver zu bedienen. Sein Gegenüber, Skylar «Sky» Noble ist zwar etwas kleiner, aber nicht minder talentiert. Er führt eine ähnliche Offense an, die aber noch mehr auf dem Wurfspiel fusst.
Die Gäste gewinnen den coin toss und wählen die zweite Halbzeit, sodass die Gladiatoren starten. Nach zwei Pässen ohne grossen Raumgewinn findet #11 Noble keine Anspielstation und muss den Verteidigern ausweichen. Jetzt zeigt der Basler QB seine Athletik, rennt durch ein riesiges Loch los, lässt einen Genfer aussteigen und springt über einen zweiten in die Endzone zum ersten Touchdown im ersten Drive - 7:0. Der anschliessende Drive der Genfer startet vielversprechend: #0 Evans hat viel Zeit in der Pocket, nach gefühlten 10 Sekunden trifft er einen Pass über 20 Yards auf seinen Ballfänger. Doch gleich danach bringt er drei Pässe hintereinander nicht an. Einer der Würfe fliegt durch die Hände von zwei Genfer Receivern - und einem Basler Defense Back - auf den Boden. Die Basler Verteidigung spielt sehr diszipliniert, decken die Ballfänger sehr eng und bilden an der Linie eine stabile Mauer. #0 Evans versucht immer wieder mit verschiedenen Manövern die Verteidigung ins Offside zu locken, ohne Erfolg. Aber nun gehen die Seahawks volles Risiko und spielen den vierten Versuch in der Mitte des Feldes aus und holen genau die nötigen 10 Yards. Doch erneut hält die Basler Verteidigung und erneut versuchen die Gäste den vierten Versuch auszuspielen. Diesmal fällt der Ball incomplete zu Boden und die Gastgeber übernehmen.
Die marschieren nun etwas gemächlicher in Richtung der Genfer. Auch ein offense holding stoppt sie nur für kurze Zeit. Aber dann passiert einem Receiver ein grober Fehler: Beim Versuch den Ball zu fangen, spickt er ihn wie einen Volleyball wieder zurück in die Luft und #3 Gongarad kann den Ball aus der Luft schnappen. Die Genfer versuchen nun etwas abwechslungsreicher zu spielen, rennen den Ball etwas mehr. Doch die disziplinierte Basler Verteidigung hält den Lauf gut in Schach. Auch über die Luft sind jeweils gleich Defense Back da, stören die Fangbewegung oder tackeln gleich danach. Bei einem dritten Versuch und lang hat #0 Evans alle Zeit der Welt und wirft tief über die rechte Seite. Er hat die Rechnung ohne den DB #35 Ziegler gemacht. Er springt hoch, schnappt sich den Ball und kann noch ein paar Yards zurückrennen. Aber auch die Basler können aus der Interception nicht viel machen. Dank einem defensive holding fehlen #18 Regenass ein paar Zentimeter, um den Ball zu fangen. Statt dem Touchdown gibt es nur die 10 Yards. Danach kommen die Gastgeber aber nicht mehr weiter und punten den Ball. Mit einem grandiosen Tackle schaffen sie es, die Seahawks mit dem Rücken an die Wand zu stellen. Noch schlimmer wird es, als der Snap am Boden landet. Zwar holen die Genfer den Ball zurück, das Quarter geht aber in einer prekären Situation zu Ende.
Der erste Spielzug im zweiten Quarter startet mit einem tollen Pass auf #12 Alerini, der nochmals 20 Yards zusätzlich rennen kann. Ein seltener Lapsus der Basler. Obwohl die Defense Line nun öfter Druck auf #0 Evans bringt, kann er sich immer wieder lösen oder den Ball trotzdem noch loswerden. Zuerst wirft er über #14 Pierre-Masse einen neuen ersten Versuch, dann rennt er selber für einen. Nach zwei schönen Aktionen der Passverteidigung ist erneut ein vierter Versuch dran, den die Genfer erneut ausspielen und mit den Beinen des Quarterbacks holen. Aber kurz vor der Endzone kommen sie erneut ins Stocken, diesmal fällt ein weiterer vierter Versuch zu Boden und wieder heisst es turnover on downs. Bei den Gladiators funktioniert das Passspiel über die mittellangen Distanzen sehr gut. Zuerst kann #1 Bianchi rund 30 Yards holen, #83 Riepl kommt danach bis in die red zone. Er hat einen Schritt Vorsprung auf seinen Verteidiger und kommt erst ausserhalb der Seitenlinie zu Boden. Er darf gleich nachdoppeln, fängt den Ball kurz vor der Endzone und kann seitwärts in die Endzone stolpern – 14:0. Der Return wird tief gestoppt, mit einem Mix aus Kurzpass- und Laufspiel kommen die Genfer bis zur Mittellinie. Dort heisst es dann vierter und inches, es fehlt weniger als eine Balllänge. Nach dem two minute timeout versuchen es die Seahawks mit einem Lauf durch die Mitte und werden hinter der line of scrimmage gestoppt zum erneuten turnover on downs.
In die andere Richtung geht es jetzt rasant. #83 Riepl ist erneut einen Schritt schneller und fängt den Ball in der Endzone – 21:0. Die Gladiators bringen nun immer wieder Druck auf den QB. Auch mit DB Blitz, also einem Passverteidiger, der seine Verantwortung abgibt und auf QB-Jagd geht. Weil der Running Back und die Offense Line in der Regel schon beschäftigt sind, kommt der DB dann zwar etwas später, aber mit Voll-Speed. #0 Evans kann den Ball zwar immer irgendwie wegwerfen, die Pässe sind aber durch den Druck nicht so präzise. Die Zeit läuft ebenfalls und es stehen plötzlich nur noch zwei Sekunden auf der Uhr. Die letzten 30 Yards wirft der QB tief in die Endzone auf #12 Alerini. Im letzten Moment springt der Verteidiger #10 Arterburn hoch und verteidigt.
Als die zweite Halbzeit startet, steht die Sonne schon tief am Horizont und flutet das Stadion. Die Genfer starten ihren Angriff in eben diese Richtung, was sich nicht unbedingt gut auf die Sicht auswirkt. Sie verlassen sich stark auf die Qualitäten ihres Quarterbacks, der den Lauf mit dem Runningback antäuscht, den Ball aber behält und manchmal einen Pass wirft oder selber rennt. Bei einem solchen Lauf verliert er den Ball und die Basler sind sich sicher, dass sie den Ball bergen konnten. Nach einer längeren Diskussion verkünden die Schiedsrichter aber down by contact. Da war also ein Knie oder Ellbogen vorher am Boden. Gleich darauf ist ein Ball zu ungenau geworfen, die Sonne ist sicher mitschuldig, und #10 Arterburn kann den Ball abfangen. Vor ihm ist nur noch weite Flur, er kann der Seitenlinie entlang bis in die Endzone zum pick six rennen – 28:0.
Im Football redet man oft von Momentum, wenn für eine Mannschaft plötzlich alles funktioniert und die andere nur noch Nieten zieht. In der ersten Halbzeit konnte die Basler Defense sehr gut gegenhalten. Jetzt sind die Dämme aber gebrochen. Beim nächsten Drive kann #0 Evans den Ball auf #11 Teixeira anbringen. Ein Verteidiger kann ihm aber den Ball herausschlagen. Nachdem #20 Born den Ball nicht zu fassen kriegt, kann ihn erneut #10 Arterburn sichern. Die letzten Yards in die Endzone muss er aber seiner Offense überlassen, die #4 Kuta mit einem Sweep gleich anschliessend holt. Sein eleganter Sprung zum Pylon hat den Schiedsrichtern aber nicht ganz gereicht, die letzten Inches holt #11 Noble dann selber – 35:0. Der Abstand ist nun fast nicht mehr aufholbar, trotzdem geben sich die Gäste alle Mühe. Mittlerweile sind sie voll auf Passspiel umgestiegen, damit die Zeit jeweils stehenbleibt. Vor allem #3 Gongarad und #14 Pierre-Masse holen immer wieder Yards. Der Punkteabstand und die Yards in den Knochen machen sich bemerkbar. Immer wieder bleibt ein Genfer am Boden liegen. Zum Glück scheint es nie etwas Tragisches zu sein, trotzdem häufen sich die Ausfälle. Und dann kriegen sich auch noch zwei Spieler in die Haare. Die Basler #30 und Genfer #6 verhalten sich so unsportlich, dass sie beide vom Platz verwiesen werden. Die Position des Balls wird dadurch zwar nicht verändert, trotzdem unschön. Nach der kurzen Unterbrechung passiert es dann erneut: der Ball ist zu kurz und #21 Jörg kann sich den Ball schnappen. Diesmal ist die Sonne schon untergegangen, sie ist also sicher nicht schuld. Weil sich aber ein Basler zu früh bewegt hat, bleiben die Gäste noch etwas länger in Ballbesitz. Bringen tut es ihnen aber nichts, das vierte Quarter startet wieder mit den Baslern am Ball.
Die Gladiators Offense wechselt etwas die Gangart. Damit die Zeit bei einem Fehlpass nicht stehenbleibt, laufen sie mit ihren Receivern aus dem Backfield jet sweeps. Weit kommen sie diesmal aber nicht. Ausnahmsweise sehen wir einen Punt, der die Gäste tief in der eigenen Hälfte fixiert. Dort passiert es erneut: Der Druck auf den Quarterback ist hoch, dadurch ist der Wurf zu kurz und #10 Arterburn kann den Ball abfangen. Mit Volldampf rennt er an der ganzen Genfer Offense vorbei zu seinem zweiten pick six - 42:0. Die Sonne ist nun ganz verschwunden und der volle Mond scheint dafür am Himmel. Die Basler Verteidigung darf gleich nochmals aufs Feld und kann die Genfer tief in ihrer Hälft halten. Umgekehrt ist nun auch das Laufspiel der Basler erfolgreich, #31 Lawson rennt in einem sweep über rechts in die Endzone – 49:0. Zum Schluss läuft die Uhr gnadenlos herunter. Mit einem langen Pass auf #14 Pierre-Masse, der ausnahmsweise frei ist, können die Gäste doch noch in letzter Sekunde den shut out, also zu Null, verhindern.
Beide Angriffe waren stark, bei den Genfern hat aber oft der letzte Inch gefehlt, auch wortwörtlich. Die Basler Verteidigung konnte diszipliniert den Pass eindämmen und den Quarterback limitieren, sogar unter Druck setzen. Die zwei Interception-Touchdowns und der Fumble-Recovery haben ein möglicherweise enges Spiel zu einem Kantersieg gemacht.
Gladiators Basel vs. Geneva Seahawks: 49:7 (7:1)
Details zum Spiel: SAFV
Eventdatum: 12.04.2025
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Stadion Rankhof, Basel
Veranstalter: Gladiators Basel
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1400-wenn-das-laufspiel-die-zweite-geige-spielt#sigProId9931dd7fc7
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Nils Blattner
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