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Fiala’s Friends All Star Charity Game

Fiala’s Friends All Star Charity Game Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Sie hätten vermutlich auch in Jeans und Shirt gegen die ZSC Lions antreten können: NHL-Star Kevin Fiala und sein Team mit Topspielern der NHL zeigen dem Schweizermeister, wie sich letzte Woche vermutlich die GCK Lions gefühlt haben – aber um Klassen besser. Aber der Spass und die Charity standen im Vordergrund, niemand wird diese Partie wirklich ernstgenommen haben.

Vor dem Start des Charity Games wurden im Rahmen des Medien- & Partner-Events Interviews geführt. So erfuhren wir von Kevin Fiala, dass seine Idee von einem schwedischen NHL-Kollegen stammt, der jahrelang solche Events für gute Zwecke durchgeführt hatte. Leider kann ich mich nicht mehr an dessen Namen erinnern. Das heutige Spiel sammelt Spendengelder für das Kinderspital St. Gallen und die Nachwuchsabteilungen der ZSC Lions und des EHC Uzwil. Die U9-Spieler beider Mannschaften zeigen in der ersten Pause ihr Können und unterhalten uns bestens mit Jöööh-Faktor und Toren.

Als nächstes werden Marco Bayer ein paar Fragen gestellt. Er habe keine Ahnung, was die ZSC heute Abend erwarten werde. Aber die Lions sind ready für die Saison und haben sowohl für die CHL als auch für die NL grosse Ambitionen. Heute werde es sicher nicht einfach gegen die NHL-Spieler, aber der ZSC werde am Ende gewinnen, so Bayer mit einem Augenzwinkern. Während die Lions ihr Sommertraining abschliessen, haben die NHL-Spieler anscheinend ihr Training noch nicht mal aufgenommen. Für das Charity-Game coacht der Nationaltrainer Patrick Fischer Fiala’s Team. Die Spieler, so Fischer, würden sich am Tempo der Lions orientieren. Und es erhöhen, falls es nötig sei. Das ist nur einer der vielen Lacher, die es bei diesen Gesprächen auslöst.

Nico Hirschier, Jonas Siegenthaler, Nino Niederreiter und Kevin Fiala werden von Giovanni Marti ebenfalls nochmals zum Gespräch gebeten. Ob man auf dem Eis Rücksicht nehme, wenn man auf Schweizer Kollegen treffe? Nico Hirschier: «No friends on ice», erst nach dem Spiel sei man wieder Freunde. Und wie sieht es aus mit Trashtalk? Wird der dann auf Schweizerdeutsch geführt? Nino Niederreiter meint, das gäbe es nicht unter Schweizer Kollegen in der NHL – man würde sich eher unterhalten im Bully und fragen «wie gaht’s?» oder ähnliches. Jonas Siegenthaler fasst dann noch zusammen, wie es heute Abend ablaufen würde und löst erneut Gelächter aus.

Last not least betreten Andres Ambühl und Petr Čech das kleine Podium. Čech war früher Fussballtorwart bei den renommierten Club Chelsea und Arsenal, bevor er nach seinem Rücktritt 2019 seine Leidenschaft für Eishockey wieder aufnahm und fortan als Eishockey-Goalie weitermachte. Ob er von seinem Landsmann Šimon Hrubec ein paar Tipps fürs heutige Spiel bekommen habe, fragt Marti. Er nickt und antwortet: «Ja, habe ich. Wenn ich einen Puck kommen sehe, soll ich versuchen, diesen zu fangen». Er spiele deshalb heute Abend unter dem Motto: «I catch it, when I can». Ausserdem fühle er sich geehrt, vom Schweizer Nationalcoach angefragt worden zu sein – er sei der erste, der das geschafft habe, vor allem, weil er keinen Schweizerpass habe, so Čech mit einem schelmischen Grinsen.

Und was macht Andres Ambühl seit der WM? Nichts, sagt er. Den Sommer geniessen ohne Sommertraining, das er sowieso nie gern gemacht habe. Er wisse drum auch nicht, wie gut ihn heute die Beine tragen würden. Es sei schön, nochmal auf dem Eis zu stehen, worauf Marti einhakt und meint, das sei ja sicherlich nicht das letzte Mal gewesen, und fragt nach Büehlis Plänen. «Nochmal das, was ich die letzten Monate gemacht habe: einfach nichts». Seine Aussage, dass es ihm immer unangenehm gewesen sei, in den Himmel gehoben zu werden, zeigt seinen bescheidenen Charakter. Er habe seine ganze Karriere lang nur das gemacht, was im Spass gemacht habe. Mehr nicht. Viele andere würden auch tagtäglich ihren Job machen, dafür aber kein Schulterklopfen bekommen, so Ambühl.

 

Weiter geht's auf dem Eis

Dann wird es Zeit fürs Aufwärmen beider Teams, wobei Fiala’s Truppe vermutlich nur die Schlittschuhe montieren und aufs Eis kurven müsste für die bevorstehende Partie. Da es ein Charity Game ist und natürlich niemand riskieren will, dass einer der teuren Spieler eine Verletzung davonträgt, werden wir weder Slapshots noch Körperkontakt zu sehen bekommen – es werden auch keine Strafen gepfiffen und die Strafbank wird für einige auserwählte zur Fotografenbank umfunktioniert.  

Bei der Teamvorstellung sind die U9-Spieler beider Nachwuchsteams des ZSC und EHC Uzwil auf dem Eis. Der Kontrast zu den durchwegs grossen NHL-Spieler ist grad noch imposanter. Bastian Baker stimmt die Nationalhymne an – er habe sich überlegt, ob er als ehemaliger Eishockeyspieler auch mit Schlittschuhen aufs Eis soll für seine Performance, betrat es dann aber doch mit Schuhen.

Die Partie beginnt und der Niveau-Unterschied wird sofort brutal klar. Bei den NHL-Spielern merkt man deutlich, wie sie das Tempo drosseln, abbremsen und die Schuss-Schärfe anpassen. Fast so, wie wenn Eltern gegen ihre Kinder antreten und sich bewusst so weit zurücknehmen, damit die Kids auch eine Chance auf einen Treffer haben. Nein, das ist nicht so wie beim Testspiel der ZSC Lions gegen die GCK Lions. Das ist noch viel brutaler. Oder wirkt es nur so, weil die Zürcher bei ihrem ersten Treffer vergessen, sich zu freuen? Wäre da kein «Goal»-Screen angezeigt worden, hätten wir es verpasst. Die NHL-Spieler hingegen machten eine Show draus, fuhren an der Bande aufeinander zu, jubelten hüpfend, als sei ein Wunder passiert. Die Lions gaben sich gegenseitig eine Fist, während sie zur Spielerbank fuhren, mehr nicht. Aber das ändert sich später und man blickt oft in grinsende Gesichter – der Spass steht definitiv im Vordergrund. Apropos Spielerbank: heute musste keiner 60 Minuten sitzenbleiben, auch die beiden Ersatztorhüter bekamen Zeit auf dem Eis und Robin Zumbühl hat sich auf Seiten der ZSC Lions wacker geschlagen.

In der ersten Pause kamen die U9-Zwerge nochmals zum Zug. Auf los geht’s los und man wusste als Zuschauer nur, wo der Puck war, weil sich um ihn herum ein Schwarm Kids auf Schlittschuhen sammelte. Doch was ist das? Da ist noch ein weiterer Puck auf dem Eis, um den zwei einzelne Spieler kämpfen. Auch hier sieht man deutlich, wer fitter ist auf den Kufen und ein potentielles Talent sein könnte und wem es einfach unglaublich Spass macht. Aber Spass und Talent schliesst sich ja nicht aus – Büehli ist das beste Beispiel dafür.

Die 10'119 Zuschauer haben während der gesamten Partie spannenderweise viel lauter applaudiert, wenn Fiala’s Seite einen Treffer erzielte. Liegt vermutlich daran, dass im Stadion nicht nur ZSC-Fans vertreten waren. Ihnen wurde aber ein Abend mit vielen Goals geboten, denn schlussendlich endete die Begegnung mit 10:3 für Fiala’s Garde. Einer der Torschützen: Andres Ambühl. Als er zum 7:1 trifft, erodiert die Halle. Auch der Speaker erlaubt sich einen Scherz und kündigt an, die Schiedsrichter hätten nach 60 Minuten entschieden, es brauche für die finale Entscheidung noch Penalties.

Am Ende bedankt sich Kevin Fiala bei allen, die diesen Charity Event möglich gemacht haben. Anschliessend drehen alle Spieler eine Runde durchs Stadion und nebst Fiala wird auch sehr laut und fordernd Andres Ambühls Name gerufen. Danach folgt ein kurzes Set von Bastian Baker auf dem Eis, bevor das erste «Fiala’s Friends All Star Charity Game» Geschichte ist. Ich bin gespannt, wie viele Spenden schlussendlich eingegangen sind und habe eine leise Vermutung, dass es nächstes Jahr wieder einen ähnlichen Anlass geben wird.

 

 

Fiala's Friends All Stars vs. ZSC Lions : 10:3 (2:1 | 7:0 | 1:2) 

Eventdatum: 08.08.2025

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swisslife Arena, Zürich

Veranstalter: Kevin Fiala

Zuschauerzahl: 10'119

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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