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Westküsten-Rock einmal anders

Westküsten-Rock einmal anders Nils Blattner / szenemagazin.ch

Queens of the Stone Age versuchen sich in einer Rock-Oper. Herausgekommen ist ein ruhiges Akustik-Konzert mit Klassik-Unterstützung.

Die Rocker aus Seattle sind für acht Konzerte in Europa unterwegs, unter anderem in Paris, Berlin und London. Dazwischen kommen sie an den intimen Rahmen in Basel. Sie bringen mit ihrer Katakomben-Tour ein etwas anderes Setup mit, mehr dazu später. Die Vorband Moonpools ist aus einer Schulfreundschaft entstanden, die Musiker arbeiten einerseits Vollzeit in anderen Berufen, anderseits noch an ihrer ersten LP. Trotzdem haben sich Queens of the Stone Age aus allen Vorschlägen die jungen Basler ausgesucht.

Der Mix aus langsamem Synthi mit repetitiven Riffs und Beats, gepaart mit der ondulierenden Kopfstimme der Sängerin zieht sich durchs ganze Set. Auch die «energischen» Lieder sind eher am gemütlichen Ende im «Rock-Spektrum» angesiedelt. Das Publikum im Saal hört andächtig zu und bedankt sich immer wieder mit Applaus. Restlos überzeugt ist es aber auch am Ende noch nicht ganz.  Die Sängerin Marcie ist aber auch self-aware: «nocher goht’s richtig los».

Nach der Pause gilt es dann ernst: Die Türen sind zu und Beatrice Stirnimann kommt nochmals auf die Bühne. Es gäbe heute Abend nicht einfach nur ein Konzert. Die hat letztes Jahr zusammen mit Streichern ein reines Akustik-Konzert in den Pariser Katakomben aufgenommen. Die erste Band überhaupt, zumindest mit offizieller Erlaubnis. Das Resultat wurde dann dieses Jahr als Konzert-Video und Live EP released. Wir sollen uns auf eine spezielle Erfahrung gefasst machen und nicht nur die Band anschauen, sondern alle Sinne öffnen. Aus den Lautsprechend tönt ein Mix aus Zirpen und Hintergrundrauschen. Eine Minute lang passiert sonst nichts, auch eine zweite verstreicht. Das Publikum wird langsam unruhig und nacheinander bewegen sich erst Josh Homme, danach immer mehr Bandmitglieder durch die Menge. Licht gibt es nicht viel. Die kleine Bühne in der Mitte des Saals ist mit einem düsteren Licht ausgestattet, der Sänger hat zudem eine Lampe in der Hand. Sie starten nacheinander in die Lieder der EP. Es handelt sich um ältere Titel, die akustisch interpretiert und mit Violine unterstützt werden. Josh zirkelt dazu immer wieder um die kleine Bühne oder weiter ins Publikum. Mit der Laterne spielt er herum und versucht, so die Dunkelheit und harten Schatten der Katakomben heraufzubeschwören. Die Musik ist im Gegensatz dazu sehr ruhig und gar nicht rockig. Die Streicher ergänzen den Gesang situativ.

 

Bild: Nils Blattner (szenemagazin.ch)

 

Nach dieser ersten Performance wechseln sie auf die Hauptbühne und die Zuschauer dürfen nach vorne stürmen. Das machen sie dann auch zuhauf. Someone’s in the Wolf wird dann leicht rockiger, lauter, aber auch nicht wirklich rockig, nicht wirklich laut. Neben den vier Streichern sitzen noch vier Bläser auf der Bühne. Die Kombination zieht die Lieder eher ins Klassische. Das ist wohl bewusst so gewollt und die Zuschauer finden es toll. Die Story ist jedoch eher eine Düstere. Zwischen der Musik spielt Josh auch lyrisch mit dem Dunkeln: «Sicherheit ist eine Illusion, es gibt keine Garantie was passiert, nur was passiert ist». Danach wedelt er mit einem Hackebeil immer wieder in Richtung Menge, bevor er es zum theatralischen Höhepunkt von Keep your Eyes peeled in einen Hocker rammt. Langsam wechseln Queens of the Stone Age aus dem düster-theatralischen ins musikalisch-rockige. «I don’t know what it is, I’ve always been fascinated by the devil, man.» Also nicht um ihn anzubeten, das ist nicht sein Ding. Er will zu ihm nach Hause um seine… Platten anzuhören. Aber eigentlich «I kinda wanna smoke his weed, if I’m honest.» Für ein paar Lieder wird es noch rockiger, für Auto Pilot übernimmt dann Mikey Shuman das Mikrofon. Nach der kleinen Pause braucht der eigentliche Frontmann eine Zigarette auf der Bühne und spickt sie elegant hinter sich. Nach Fortress entdeckt er im Publikum ein kleines Mädchen und fragt es nach dem Namen. Sie krächzt zwar kurz «Claire» ins Mikrofon, beginnt aber gleich zu weinen. Josh ist darüber bestürzt und meint «oh no, I fucked it up.» Er versucht die Situation zu retten, er habe andere da drüben auch erschreckt und entschuldigt sich. Auf der anderen Seite der Bühne ist dann die elfjährige Emilia, mit der Josh eine zweite Chance kriegt. Sie schenkt ihm eine Zeichnung und bekommt dafür einen Gitarren-Pick. Puh, gerettet. «Go ahead Dean, play something depressing…». Nach Clockwork gehen sie von der Bühne, nach genug Applaus kommen Josh und Mikey zurück und singen zu ein paar Glocken «the worst song». Unterstützt vom Geklatsche geben sie Long slow Goodbye… als Zugabe zum Besten.

Dass die Band mit der akustischen EP und dem Konzert etwas aus der Komfortzone heraus kam, ist auch ihnen selbst klar. Sie hätten komische Sachen mit uns gemacht. Ganz verstanden habe ich persönlich diese Sachen nicht. Vielleicht gab es weitere wie mich, dem Gros der Zuschauer hat der Abend aber gefallen. Tosender Applaus ist der Dank. Gerne gebe ich der Band bei einem normaleren Konzert wieder eine Chance.

 

 

Eventdatum:  21.10.2025

Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Messe Basel, Basel

Veranstalter:   Session Basel AG

Zuschauerzahl:  unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Nils Blattner
Publiziert in Konzert

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