Ein eigenes Drittel für die Refs im Spiel ZSC vs. HCD
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Bei der Partie der ZSC Lions gegen den HC Davos standen die Schiedsrichter im Fokus - sie verbrachten die Länge eines Drittels vor den Videomonitoren. Zurück zum Wesentlichen: Zwei Drittel des Matches verlaufen spannend und mit viel Energie. Das letzte Drittel ist alles andere - trotz der Aufholjagd der Bündner.
Nein, es ist nicht die erste Begegnung zwischen den beiden Mannschaften. Trotzdem findet erst mal die Kennenlern-Phase statt. In der 5. Spielminute lassen die Zürcher ihre erste Powerplaymöglichkeit verstreichen. Beide Mannschaften haben gute Chancen, den ersten Treffer zu landen. Immer wieder werden Angriffe auf beiden Seiten lanciert, es hapert aber am Abschluss. Dann knapp 5 Minuten vor Ende des ersten Drittels: Treffer für den ZSC! Dachten wir. Christian Wohlwend sieht das anders und legt eine Coaches Challenge ein. Akt 1 der Schiedsrichter, die sich fürs Videostudium vom Eis begeben. Video vor, Video zurück. Video in Zeitlupe. Heranzoomen. Zurück, vor, vergrössern. Und nochmal. Und nochmal. Wonach suchen sie so verzweifelt oder was ist dermassen unklar, dass es so lange dauert?
Wenn der HCD im Hallenstadion gastiert, fühlt sich das oft an wie ein Zürcher Fan-Derby. So auch bei der Begegnung der Löwen gegen die Steinböcke. Die Fans werden nach 8 Minuten Videostudium ungemütlich. Sie machen die Refs mit Pfeifen und Buhrufen auf die verstrichene Zeit aufmerksam. Als sie dann endlich mit dem Verdikt aufs Eis kommen, bin ich einen Moment unsicher, ob der Treffer zählt: so laut ist der Jubel der HCD-Fans über den Entscheid “kein Tor”!
Diese lange Wartezeit scheint an den Nerven gezehrt zu haben. Beim nächsten Angriff im Bereich der Gäste wechseln Phil Baltisberger und Magnus Nygren mal kurz die Sportart - und wandern dafür für zwei Minuten in die Boxen. Auf dem unbemerkten Nebenschauplatz “Enzo Corvi vs.Chris Baltisberger” fliegen keine Fäuste, sie strecken nur ihre Köpfe zusammen.
Und dann klappt es doch noch mit dem Führungstreffer! Mit Assist von Christian Marti befördert Denis Malgin die Scheibe elegant ins Netz hinter Gilles Senn. Mit einem Treffer Vorsprung geht es in die Pause.
Zweites Drittel, zweite Powerphase. Es ist unübersehbar, dass die Davoser den Ausgleichstreffer erzielen wollen. Es liegen jedoch ein Pfostenschuss und ein Big Save von Jakub dazwischen, bevor Matej Stransky in der 25. Spielminute mal eben in hohem Tempo vor dem Tor auftaucht und mit einem satten Schuss wunderbar versenkt. Die Löwen reagieren unmittelbar. Dario Truttmann greift in die Trickkiste und zaubert den Puck irgendwie ins Netz des Gegners. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und der Davoser Coach sieht dieses Mal keinen Handlungsbedarf.
Zeit für das erste richtige Powerplay der Davoser. Phil Baltisberger muss für 2 Minuten wegen Beinstellens auf die Bank. Aber die Davoser empfinden das nicht als Challenge und lassen die Zeit verstreichen. Die Zürcher überstehen die Unterzahl und erhöhen den Druck. Sie setzen sich immer wieder im Davoser Bereich fest. Die Fans erfasst der Adrenalinschub ebenfalls und sie sind bei jeder verpassten Chance unisono mit “Neiiiii” am Start. Trotzdem ist es dann die blau-gelbe Fraktion, die als nächstes jubelt. Magnus Nygren kurvt einfach mal quer übers Eis, zieht ab und landet den nächsten Ausgleichstreffer für die Gäste zum 2:2.
Jannik Canova muss wegen Crosscheck in die Box. Und genau in dem Moment, wo ich 20 Sekunden vor Ablauf der Strafzeit denke “war ja klar - ZSC und Powerplay…” zeigen die Zürcher eine wunderbare Passfolge. Justin Azevedo, Yannick Weber und John Quenneville dürfen sich den Treffer zum 3:2 gutschreiben lassen. Noch 3 Minuten… doch nein. Die Gäste machen die nächste Coaches Challenge geltend. Erneut dauert es geschlagene 5 Minuten, bis sie sich die Situation auf dem Monitor zu Gemüte geführt haben. Dieses Mal zählt der Treffer, was eine Teamstrafe für Davos nach sich zieht. Der ZSC ist somit gleich nochmal für 2 Minuten in Überzahl, beansprucht davon aber nur wenige Sekunden. Garret Roe übernimmt von Yannick Weber an der blauen Linie und zieht ab.
Kurz bevor das Tor fällt, wird Denis Malgin von Sven Jung mit dem Ellbogen gecheckt. Dieser geht zu Boden, Malgin kurvt weg, dreht dann aber um und knallt ihm volle Kanne eins vor den Latz. Die Boxarena wird nach dem Treffer von Roe vors Tor verschoben, wo sich beide nichts schenken. Die Schiedsrichter machen es ihnen gleich und entscheiden bei beiden auf Strafen, die eine automatische Spieldauerdisziplinarstrafe nach sich ziehen.

Die Stimmung ist auf beiden Seiten geknickt, die erste Hälfte des Schlussdrittels ist energielos. Im Vergleich zu den vorherigen Abschnitten ist es schon fast langweilig. In der 51. Minute muss Dominik Diem wegen Hakens auf die Strafbank. Die Davoser nutzen ihre Chance gekonnt. Matej Stransky hämmert die Scheibe an Jakub Kovar vorbei zum 4:3. Da ist er, der Hoffnungsschimmer auf einen Ausgleich. Doch der ZSC reagiert und erhöht den Druck auf die Gegenseite, trifft aber nur den Pfosten. Das wird eine enge Kiste Leute.
Sven Bodenmann will die Sache in der 57. Minute entschärfen, scheitert aber an Gilles Senn. Dieser verlässt zwei Minuten vor Ende der Partie seinen Posten. Es scheint, als würde dieses Mal die wenige-Minuten-vor-Drittelsende-Schiri-Einlage nicht stattfinden. Doch halt, Christian Wohlwend macht seinen dritten Auftritt geltend und zieht 37 Sekunden vor Ende ein Timeout ein. Da wollten die Refs natürlich in nichts nachstehen und stoppen das Spiel nach einem Bully, als noch 21.1 Sekunden auf der Uhr angezeigt werden. Erneut setzen sie sich ein paar Minuten vor den Monitor und siehe da… die Uhr müsste eigentlich noch 22 Sekunden anzeigen. Die zusätzlichen 0.9 Sekunden reichen den Davosern aber nicht mehr, den Ausgleich zu erzielen. Die Partie zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos endet deshalb nach exakt 60 Minuten Spielzeit mit 4:3.
ZSC Lions vs. HC Davos: 4:3 (1:0 | 3:2 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 32:29 (14:6 | 14:12 | 4:11)
Zuschauer: 9308
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 25.02.2022
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 9308
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/750-ein-eigenes-drittel-fuer-die-refs-im-spiel-zsc-vs-hcd#sigProId120ee68608
Schreibe einen Kommentar
Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.