Nur versuchen reicht eben nicht
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Nachdem die GCK Lions im Eilzugstempo im Playoff-Viertelfinal besiegt wurden, steht im Halbfinal nun der nächste Nachbar auf dem Spielplan.
In der Saison 21/22 sind die beiden Kontrahenten fünf Mal aufeinandergetroffen. Hiervon konnte der EHC Kloten deren vier Begegnungen klar für sich entscheiden. Einzig die Partie anfangs März entschied der HC Thurgau für sich.
Die Thurgauer gewinnen den Einwurf und versuchen einen ersten Angriff. Nur Sekunden später ergattern sich die Klotener den Puck und möchten sich im gegnerischen Drittel festsetzen. Ein erster Pfiff der Schiedsrichter unterbricht das Gewusel auf dem Eis. Sie haben einen Haken von Niki Altorfer gesehen und setzen ihn für zwei Minuten auf die Bank. Das Boxplay sieht sehr gut aus und geht torlos zu ende. Der EHC Kloten setzt sich ein weiteres Mal im Drittel der Thurgauer fest und Nodari schiesst von der rechten Bande aus auf das Tor. Der Puck prallt am Beinschoner von Luis Janett direkt auf den frisch eingewechselten und komplett freistehenden Eric Faille ab. Janett kann zu wenig schnell verschieben und Faille kann den Puck im Nachschuss versenken. Es entstehen auf beiden Seiten mehrere zum Teil sehr gefährliche Torchancen, doch bekanntlich zählen Chancen nicht auf dem Scoreboard. Die Unparteiischen pfeifen in der 14. Minute eine weitere Strafe. Sie ahnden einen Kniestich von Marc Marchon, wofür er sich zwei Minuten abkühlen gehen kann. Der HC Thurgau verwertet dieses zweite Powerplay mit dem Torschuss von Jonathan Ang. Er wird von der Verteidigung sträflich allein gelassen, so dass er für den Ausgleichstreffer nur noch den Schuss von William Pelletier ablenken muss. Erneut werden die Klotener bestraft, weil Jordan Gähler einen Thurgauer gekonnt auflädt. Verdikt der Schiedsrichter hierfür, Beinstellen und zwei Minuten. Sandro Zurkirchen wehrt einen Schuss von Pelletier ab, vermag diesen dann aber nicht zu kontrollieren beziehungsweise wegzuschiessen. Im Liegen rudert er rum und versucht den Puck wegzubringen, doch Jan Petrig setzt zum Nachschuss an und Zuri muss sich geschlagen geben. Auch der sich ins Tor stellende Flurin Randegger kann den Treffer nicht mehr abwenden. Zwölf Sekunden vor Drittelsende geht der HC Thurgau mit 1:2 in Führung.
Im zweiten Drittel dann zwar viel Action und weitere Torschussversuche seitens der Klotener, doch leider kein schreibbarer Erfolg. Ich stehe unmittelbar neben der Spielerbank und habe immer wieder Seiler, Kindschi und Randegger neben mir. In ihren Gesichtsausdrücken kann man lesen, wie unzufrieden sie mit der aktuellen Situation sind. Während einem weiteren Angriff der Thurgauer kommt William Pelletier dem Klotener Torhüter etwas gar nahe und wird mit einer Zweiminutenstrafe für Behinderung belegt. Dario Meyer verteidigt seinen Torhüter, vielleicht etwas zu arg und so muss er wegen übertriebener Härte auf die Strafbank. Ein weiteres Powerplay ergibt sich für den EHC 75 Sekunden vor Drittelsende. Patrick Parati wird wegen Beinstellens gebüsst. Das ist dann das letzte, was im Mitteldrittel passiert, denn die Klotener schaffen es nicht, den Ausgleichstreffer zu erzielen.
Während ich mich von der Spielerbank auf meinen Presseplatz zurückkämpfe, kann ich mehrere Meinungen zum Spiel hören. Unter anderem: «Hohli Schlüüch» oder «Evtl. settmer de Wolf mal inetue». Das dritte Drittel beginnt nochmals mit einer Überzahl der Klotener, da Parati noch 15 Sekunden absitzen muss. Die Gastgeber schiessen mittlerweile aus allen Rohren, doch Luis Janett macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Er hält was er nur kann. Kloten bekommt in der 42. Minute nochmals einen Versuch auf ein Powerplaytor. Das Powerplay wird aufgezogen und die Spieler in blau stehen wie eine Eins. Genau das ist meines Erachtens das Problem. Den Puck nur immer aussenrum hin- und herzuspielen bringt nichts. Janett wehrt die Schüsse auf Distanz zu gut ab. Es braucht hier mehr Nähe. Denn wenn er unter Druck gerät, weil die Gegenspieler ihm nahe kommen, passiert es auch mal, dass er seinen Stock fallen lässt. Bis dato habe ich in diesem Game vier solche Situationen gezählt. Daraus müsste man doch Profit ziehen können. William Pelletier verhilft den Klotenern erneut zu einem Powerplay. Ein knallharter Schuss von Ganz, der beinahe an der blauen Linie hinten steht, erzeugt einen ungewollten Abpraller beim Thurgauer Keeper und Ness kann diesen gekonnt um Janett herumlenken und zum Ausgleich hinter die Torlinie buxieren. Die Fans können sich kaum mehr halten vor Freude. Es gibt wieder Hoffnung auf einen möglichen Sieg. Wieder entstehen im Anschluss auf beiden Seiten gefährliche Momente, aber keine weiteren Tore. Bei den Gästen fällt Jonathan Ang auf, der immer gut platziert für einen Abpraller steht oder selbst die Initiative übernimmt. Die Putzequipe muss warten, denn es geht in die Verlängerung.
Während der 18-minütigen Pause können sich die Besucher mit dem verpflegen, was noch da ist. Ein paar gehen bereits nach Hause. Es geht weiter, in den Playoffs mit fünf gegen fünf und über die volle Länge von 20 Minuten - ausser, jemand erlöst die Fans von der enormen Spannung. Gleich zu Beginn der Verlängerung ein erster Schuss auf Zurkirchen, der an der Latte abprallt und den Fans ein «Uuuuuh» entlockt. Dann das, was kein Trainer in einer Verlängerung möchte: eine Strafe. Die Unparteiischen stellen Jan Petrig für zwei Minuten in die Kühlbox. Der EHC Kloten zieht sein Powerplay auf und setzt sich fest. Doch die Thurgauer können den Puck ergattern und zu einem Befreiungsschlag ansetzen. So muss der EHC zurück und sich hinter dem Tor wieder aufbauen. Sie sind bereit, um nach vorne zu stürmen. Aber der Pass nach vorne kommt nicht auf der gewünschten Stockschaufel an, sondern auf der von Jonathan Ang. Habe ich schon erwähnt, dass er immer an der richtigen Stelle steht? Er passt auf Mischa Bleiker, der sich ebenfalls in diesem Drittel befindet und den Klotener Keeper ohne Problem in der hohen rechten Ecke bezwingt.
Was für ein Fehlstart! Der Tüchtige wird nicht mit einem Sieg belohnt. Aber eben, wie ebenfalls bereits erwähnt, nur versuchen reicht nicht. Für das nächste Spiel am Mittwoch in Weinfelden müssen die Puckkontrolle und auch der Abschluss noch sehr viel besser werden. Eventuell müsste auch in Betracht gezogen werden, den Torhüter auszutauschen? Sandro Zurkirchen hat mich in den letzten paar Spielen irgendwie nicht mehr vollends überzeugt. Mit Tim Wolf hat man aber einen valabeln Torhüter vom HC Ajoie geholt, der einen Einsatz verdient. Wir hoffen, dass der EHC Kloten die Serie am Mittwoch ausgleichen kann und dies nur ein unnötiger Patzer gewesen ist. Man erinnere sich: vier von fünf Spielen der regulären Saison gingen an den EHC.
EHC Kloten vs. HC Thurgau 2:3 (1:2 | 0:0 | 1:0 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 54:29 (13:12 | 16:6 | 19:9 | 6:2)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 28.03.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: stimo arena, Kloten
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl: 5381
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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