Die Bären brüllen lauter als die Warriors
Michelle Brügger (szenemagazin.ch)
Im Auftaktspiel zur diesjährigen NLA-Saison im American Football entscheiden die Bern Grizzlies das Spiel gegen die Winterthur Warriors klar für sich mit 6:34.
Um 18 Uhr startet die Partie bei schönstem Wetter auf dem Sportplatz Deutweg, dem Homefield der Winterthur Warriors. Optimale Verhältnisse. Oder doch nicht? Es ist einige Tage her, seit es geregnet hat. Schön für uns, weniger schön für das Feld. Ein Spieler der Bern Grizzlies meinte zu einem Teamkollegen, es sei ganz schön viel Sand im Rasen – und das sieht man: für mich ein toller Bildeffekt, wenn der Staub aufwirbelt. Aber wohl auch weniger Grip für die Spieler – Ursache für die blutigen Ellbogen und Knie, die verarztet werden müssen?
Der Stadionsprecher erklärt viele Spielzüge und verhängte Strafen. Manchmal liegt er aber auch daneben, wer gerade bestraft wird. Das korrigiert er flugs, nachdem der Schiedsrichter – ebenfalls sehr detailliert – erklärt, warum gegen wen eine Strafe ausgesprochen wurde.
In der ersten Hälfte des Spiels werden den Winterthur Warriors einige «First downs» zugesprochen. Trotz der zusätzlichen Versuche, es in die Endzone des Gegners zu schaffen, bleibt es beim einzigen Touchdown im ersten Quarter durch Leroy Ruemmeli, der von Vincent Cottier nicht mehr gestoppt werden kann. Wann genau das war, kann ich nicht sagen: wie bei vielen Mannschaften fehlt auch hier eine Uhr. Der einzige Anhaltspunkt ist der Seitenwechsel bei Ende des Quarters und die 2-Minutenwarnung vor Halbzeit-Ende.

In der zweiten Hälfte der Partie bin ich vermutlich nicht die Einzige, die ihre Kleiderwahl bereut. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen und es kühlt deutlich ab. Die schwarzen Trikots der Bern Grizzlies heben sich nicht mehr so kontrastreich vom Rasen ab und verschwinden zuweilen im dunklen Hintergrund. Zeit für mich, ebenfalls zur anderen Seite des Spielfelds zu wechseln. So habe ich zumindest die hell beleuchtete Tribüne im oberen Teil des Bildes.
Es ist Saisonbeginn und der Speaker merkt während der Partie an, dass die Bern Grizzlies wohl noch ein Stück Arbeit vor sich haben. Sie punkten zwar und liegen in der Partie vorne, aber sie kassieren auch eine ganze Menge Strafen. In der ersten Hälfte waren es über 100 Yards. Das wiederum zeugt aber auch davon, dass die Berner rangehen. Dachte ich. Doch der Quarterback der Grizzlies, Clark Evans holt in der zweiten Hälfte drei seiner Kollegen zu sich und faltet sie mal kurz zusammen. Er habe sie beobachtet und drei Mal gesehen, wie sie sich zurückhielten. Was los sei, ob sie Angst vor dem Gegner hätten? Während ich im Bereich der Gastmannschaft stehe, höre ich drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch. Das dürfte die Kommunikation noch komplexer machen, selbst wenn alle englisch verstehen. Spricht man nicht alle drei, verpasst man immer einen Teil der Unterhaltung.
Die Gegenwehr der Warriors wird immer weniger. Oder die Angriffe der Grizzlies stärker. Beides ist für die Winterthurer eher suboptimal und endet in Touchdowns für die Gastmannschaft. Am Ende prankt dort ein 6:34 (1:5) auf der Anzeigetafel. Aber wie der Stadionsprecher zu Beginn der Partie meinte: wer den Münzwurf verliert, gewinnt am Ende den Super Bowl. Ob das dieses Jahr auch zutrifft, wird sich noch zeigen. Aber bis dahin können wir noch ein paar Spiele geniessen. Das nächste Heimspiel der Warriors ist am 30. April 2022 gegen die Zurich Renegades. Es wird die vierte Partie der Winterthurer sein und gleichzeitig ein Benefits-Spiel zu Gunsten der Krebsforschung.
Winterthur Warriors vs. Bern Grizzlies 6:34 (1:5)
Eventdatum: 26.03.2022
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Deutweg, Winterthur
Veranstalter: Winterthur Warriors
Zuschauerzahl: 513
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/771-die-baeren-bruellen-lauter-als-die-warriors#sigProIdce0ab73d92
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