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Mit dem Brett über den See pumpen? Klar!

Mit dem Brett über den See pumpen? Klar! Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Mittwoch, am Zürihorn. Ich schlendere dem See entlang und denke mir: «Hey, da wird ein Marvel-Film gedreht». Dass ich schon länger eine Brille für weiter entfernte Dinge benötige, weiss ich. Und dass es sich vermutlich eher um Menschen in Neoprenanzügen handelt, ist auch klar. Aber wie gleiten die über das Wasser? 

Auf dem Steg sind 5 junge Männer in – ihr ahnt es – Neoprenanzügen. Ihre Bretter sehen recht futuristisch aus: ein Surfboard auf einem Mast, an dem unten auf einer Verbindungsstange ein Front- und Heckflügel angebracht ist. Pump Foil nennt sich diese Sportart. Denn man pumpt mit dem vorderen Fuss auf dem Brett, um sich im flachen Wasser fortzubewegen. «Goofy oder Regular?» wird man gefragt. Oder anders gesagt: rechter oder linker Fuss vorne?

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)
Surfbrett auf einem Modellflugzeug? Nein... das sind Pump Foil Boards (Bild: Michelle Brügger / szenemagazin.ch)

 

Es braucht etwas Übung, damit man nicht schon nach ein paar Metern ins Wasser platscht. Für Anfänger empfiehlt sich ein eher breites und schon fast rechteckiges Brett, auf dem man gemäss Philipp nicht falsch stehen kann. Nemo ist heute das erste Mal damit unterwegs und merkt später, dass es mit seinem spitz zulaufenden Board schwerer ist. Noam steht schon zum fünften Mal auf dem Gerät und schafft es schon einiges weiter, bevor er im Wasser landet. Doch bis man wie Philipp, Linus oder Valerio ein paar Runden ums Floss drehen kann, springt man wohl so zirka 600 Mal aufs Foilboard, so Valerio.

Wenn das Board im Wasser sitzt, wiegen sie es zuerst ein wenig hin und her – keine Ahnung, warum mir jetzt Bobschlitten in den Sinn kommen. Und dann springen sie aufs Board und beginnen, mit dem vorderen Fuss zu pumpen, holen mit den Armen Schwung für die Bewegung und hüpfen so über der Wasseroberfläche.

Die Ausrüstung ist nicht ganz billig. Allein das sogenannte Foil kostet zwischen 800 und 1000 Franken. Das Board rangiert nochmal im ähnlichen Preisbereich. Linus dachte sich: Brett ist Brett. Und hat sich mal kurz im Do-it-yourself-Style ein Tablar auf die Säule montiert. Ob das jetzt im Küchenschrank oder im Bücherregal fehlt? Aber es funktioniert – und wie! Vermutlich verhält sich nicht ganz so wie die anderen Bretter. Eher wie die ersten Surfboards von 1778. Und weil es unbehandeltes Holz ist, wird es sich mit Wasser vollsaugen und aufquellen. Aber Linus gleitet mit seiner Eigenkonstruktion genauso elegant und scheinbar mühelos übers Seebecken. 

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)
Linus auf dem DIY-Board (Bild: Michelle Brügger / szenemagazin.ch)

 

Linus und Valerio jagen den Linienschiffen hinterher – der Wellen wegen. Auf dem Zürichsee fallen die jedoch sehr bescheiden aus. Da träumt Valerio von etwas mehr. Von den «Big Waves» in Nazaré (Portugal), auf denen er unbedingt mal reiten möchte. Seine blauen Augen leuchten noch einen Tick mehr, als er davon erzählt und hoffnungsvoll sagt, mit einem Sponsor wäre das schneller möglich.



Und wieso genau dachte ich jetzt, es werde ein Marvel-Film gedreht? Ganz einfach: während die einen normale Neopren-Anzüge tragen, haben Nemo und Noam noch Kappen mit integrierter Sonnenblende auf. Und im Gegenlicht hat das schon etwas von einem Superhelden im Stil von Fantomàs (ich weiss, kein Marvel), Deadpool (yup, auch kein Marvel) oder Spiderman (jaja, rot-blau). Mit oder ohne Kappe: es macht Spass, zuzusehen und bei den Neulingen wird jeder zusätzliche Meter gefeiert. «Kommt nächstes Mal mit Badehose und probiert es aus», höre ich, als ich meine Ausrüstung wegpacke. Wer weiss... mittwochs hat man jedenfalls gute Chancen, ihnen am Zürihorn für den Anfang einfach mal  zuzusehen.

 

 

 

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Zürihorn, Zürich

 

 

Publiziert in Sport

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