ZSC Lions verlieren im entscheidenden CHL-Game
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Heute geht es in der Swiss Life Arena sprichwörtlich um die Z-Wurst. Es wird um nicht weniger als um den Einzug ins Viertelfinale der Champions Hockey League gespielt. Die ZSC-Lions müssen dabei mindestens 2 Tore mehr erzielen als die Gäste aus Schweden.
Beim Hinspiel gewann Skellefteå AIK knapp mit 5:4, nachdem Joakim Lindström in der 48. Spielminute den Führungstreffer für sein Team erzielte. Die ZSC Lions benötigen am heutigen Abend deshalb eine 2-Tor-Differenz, um anstelle der Schweden ins Viertelfinal einziehen zu können.
Das erste Drittel gestaltet sich in einem ständigen Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung, die Tore erfolgreich abwenden kann. In der 14. Spielminute sehe ich, wie Linus Lindström die Arena verlässt. Ich habe nicht gesehen, ob und wie er sich verletzt haben könnte. Den Rest des Spiels habe ich zwar Ausschau nach ihm gehalten, habe ihn aber nicht gesichtet. Ganz knapp vor Drittelsende wird die erste Strafe gepfiffen, als Jonathan Jonsson für einen Haken auf die Bank muss. Die Gastgeber können ihre Überzahlsituation jedoch auch nach der ersten Pause nicht ausnutzen. Anders die Schweden: Phil Baltisberger muss wegen Beinstellens in die Box, Skellefteå baut ihr Powerplay schematisch auf. Joakim Lindström passt rückwärts zu Max Lindholm, der die Scheibe zu Filip Sandberg übergibt. Dieser sieht die Lücke und Šimon Hrubec muss den Puck aus dem Kasten fischen.
Die nächste Powerplay-Situation ergibt sich knapp zwei Minuten später, als Sven Andrighetto wegen Beinstellens von der Seitenlinie her zu sehen muss. Es dauert ganze 16 Sekunden, bis der Puck wieder im Zürcher Netz zappelt. Der Puck wird von hinter dem Tor zurück an die Linie zu Max Lindholm gespielt. Er passt zu Andreas Wingerli der nur noch einschieben muss. In der 30. Minute bekommen die Lions ihre zweite Powerplay-Chance, als Jonathan Pudas wegen Behinderung vom Eis muss. Die Lions nehmen sich ein Beispiel an den Schweden, bauen ihr Spiel vor dem gegnerischen Tor auf. Alexandre Texier passt quer zu Lucas Wallmark, der die Scheibe dem wartenden Chris Baltisberger direkt vors Tor weitergibt. Baltisberger zieht auf und versenkt zum 1:2 hinter Linus Söderström.
Die Freude ist jedoch von kurzer Dauer, denn Yannick Weber greift sich in der 37. Spielminute den durch die Luft fliegenden Puck und verstösst gegen Regel 126: Einschliessen des Pucks mit der Hand. Es kommt wie befürchtet, auch Powerplay Nummer 3 der Gäste ist eine kurze Angelegenheit. Für mich das unschönste Tor, die Scheibe findet den Weg ohne wirkliche Anstrengung ins Netz. Er bleibt neben Šimon Hrubec hängen und Pär Lindholm wischt ihn über die Linie. Einmal mehr ist dabei Max Lindholm als Zweitletzter an diesem Treffer beteiligt. Mit 1:3 geht es in die zweite Pause.

Drei Minuten nach Beginn des dritten Drittels scheint bei einem Bully irgendwas nicht so zu laufen, wie sich der Ref das wünscht. Kurze Verwirrung, keine Info. Dann fährt der Schiedsrichter zur Trainerbank, wo man dem Trainer auf dem Videoscreen von den Lippen die Frage ablesen kann: «What’s going on?». Die Schweden werden zu einer 2-minütigen Strafe wegen Spielverzögerung verdonnert, die durch Joakim Lindström abgesessen wird. Die Zürcher haben so ihre nächste Chance, in Überzahl den Anschlusstreffer zu erzielen: Das ganze Stadion jubelt, die Spieler reissen ihre Schläger nach oben, doch die Arme des Refs zeigen in die falsche Richtung. Kein Tor. Im Replay sieht man, wie Lucas Wallmarks Schuss zuerst an den linken Pfosten knallt, an die Latte hochgeht und dann vom rechten Pfosten abprallt, ohne dabei die Torlinie zu passieren.
Die Emotionen kochen von Zeit zu Zeit hoch, hat aber meistens keine Strafe zur Folge. Kuriosester Moment war, als einer der Schiedsrichter Phil Baltisberger so heftig wegstösst, dass dieser rücklings aufs Eis fällt. Doch in der 51. Minute ertönt bei einer Rangelei zwischen Christian Marti und Max Lindholm ein Pfiff. Vermutlich, weil Marti dabei seinen Helm verloren hat und das dann wohl doch zu viel des Guten war? Die Strafe ist gerade erst abgesessen, als Garrett Roe direkt vor den Augen eines Schiedsrichters ein Bein stellt. Die Unterzahl wird glücklicherweise ohne Konsequenzen überstanden. Aber die Zeit läuft gegen die Zürcher. In viereinhalb Minuten noch mindestens 4 Tore zu erzielen ist eher unrealistisch - selbst für einen Klub, der bekannt ist für seine Leistungssteigerung unter Druck.
Die Niederlage und das Ausscheiden des ZSC aus dem Playoff der Champions Hockey League scheint besiegelt. Da nutzt es auch nichts mehr, Šimon Hrubec knapp 2 Minuten vor Spielende aus dem Tor zu nehmen. Aber die Zürcher Fans hält das nicht davon ab, ihre Mannschaft anzufeuern. Sie stimmen «Don't you worry 'bout a thing. 'Cause everything's gonna be alright» an. Es endet denn auch wie in den meisten Fällen mit einem Empty Netter durch Rickard Hugg im finalen Resultat von 1:4. Aber die Zuschauer feiern ihren ZSC, als hätten sie gerade das Viertelfinal erreicht und das macht mich recht happy. Vielleicht nächste Saison. Und vielleicht können die Z-Fans ja in der regulären Saison der Nationalleague noch viele Siege ihres Klubs feiern. Das nächste Heimspiel ist bereits diesen Samstag gegen den HC Ambri-Piotta.
ZSC Lions vs. Skellefteå AIK: 1:4 (0:0 | 1:3 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 27:16
Details zum Spiel: https://www.championshockeyleague.com/en/matches/01a4f54d4558f84dd7ec1c2c/zsc-lions-zurich-vs-skelleftea-aik#tab_event=recap
Eventdatum: 22.11.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 12'000
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/963-zsc-lions-verlieren-im-entscheidenden-chl-game#sigProId1b1547c3c0
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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