«Irgendwann ist jetzt»- Tour von Max Giesinger
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Max Giesinger habe ich das letzte Mal im Sommer 2018 gesehen. Mit vier Jahren Verspätung startet Max Giesinger seine aktuelle Tour in Zürich. Er ist mit den Fans auf Augenhöhe. Das spürt man fest und seine Freude kann man im ganzen Raum spüren. Er läuft durch die Menge, klatscht Hände ab und hat Lust, seine neuen Songs zu spielen.
Gregor, der immer lacht
Meine beiden Kolleginnen und ich haben uns schon solange darauf gefreut und heute ist es endlich soweit und wir treffen zur Türöffnung im X-tra Zürich ein. Dass der Abend sehr amüsant und lustig wird, weiss ich jetzt schon. Gregor Hägele ist heute Support Act. Man kennt ihn von The Voice of Germany von 2017, als er mit 17 Jahren in Team Yvonne Catterfeld dabei war und es bis ins Halbfinale schaffte. 2019 war der gebürtige Stuttgarter Teilnehmer beim Vorentscheid des «Eurovision Song Contests» für Deutschland. Sein Song ANA wurde keiner Frau gewidmet, sondern seiner Magersucht, die mit 11 Jahren begann. Auf TikTok wurde der Song über 40’000 mal geteilt. Er inspirierte viele Betroffene. Heute 11 Jahre später geht es ihm gut.
19:45 Uhr, das Licht geht aus und Gregor kommt mit breitem Grinsen auf die Bühne. Gregor hat sich vom schüchternen Jungen bei The Voice zu einem sehr selbstbewussten, viel redenden Mann entwickelt. Er ist inzwischen ein junger Mann, der keine zwei Minuten ruhig stehen kann, Witze erzählt, die nicht mal er versteht und immer lacht. «Ich freue mich, endlich das erste Mal in der Schweiz zu spielen. Ihr seid alle so toll», meint er. Er animiert die Fans gleich zum Mitsingen und es wurde gleich laut, denn eine ganze Fangruppe aus Hamburg ist heute für ihn angereist. Gregor stellt sich nach jedem Song vor: «Ja Servus, i bin der Gregor Hägele», so wird er auch nicht vergessen.
Der nächste Song Phantomschmerz ist über seine Ex-Freundin. Er verrät uns, eine Trennung tut oft extrem weh und er habe ein Jahr gebraucht, um diesen Titel zu schreiben. Aber es habe ihm geholfen, einfacher damit abzuschliessen. Gregor stellt sich wieder vor und hat ein kleines Notizbuch in der Hand. Er fragt uns, ob wir Witze verstehen. Er schlägt das Buch an einer beliebigen Stelle auf: «Geht ein Luftballon zum Psychiater. Herr Doktor, ich habe Platzangst!» Er kuckt verblüfft in die Runde, während alle lachen. Nein, er versteht den Witz nicht. Deshalb erklärt ihm ein Fan in der ersten Reihe, dass der Ballon Angst hat zu platzen. Nun greift er zur Gitarre und sagte, ihm fiel zu Hause auf, dass man fast jeden Song mit den gleichen 4 Akkorden spielen kann. Er hat ein paar dabei, die jeder kennt und auch gleich mit einstimmt: Someone you Loved, Someone like you, Country Roads oder Wonderwall.
Weil manche behaupten, schwäbisch und Schweizerdeutsch klingen ähnlich, er fände das nicht. Aber er hat trotzdem ein Lied eingeübt, das jeder Schweizer kenne: «I han es Zündhölzli azündt » von Mani Matter. Alle singen lautstark mit und er macht das super. Er wirkt so sympathisch und aufgestellt. Er schaut zu seinem Manager, ob er die Zeit im Griff hat und es kommt ein Daumen hoch. Noch einmal stellt sich Gregor vor und sagt, nun müssen alle mitsingen. Er geht in die erste Reihe und macht mit jemandem vor, wie wir es umsetzen sollten. Paracetamol war dann auch der letzte Song, der Refrain wurde gefühlt 100 Mal im Ping-Pong-Effekt mit dem Publikum gesungen. Er bedankte sich fürs Zuhören, wir sind alles Schätzeles und macht Werbung für seine Show am 28.11.23 in Zürich. Er gebe noch Autogramme am Merchstand, wir sollen doch vorbeikommen. «Wir sehen uns» und winkt zum Abschied mit vielen fliegenden Küssen.

Max Giesingers Wahlheimat wäre Portugal oder die Schweiz
Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwierig war in der Pandemiezeit vorauszuplanen. Alles sehr unsicher und noch keine Information, wie es weitergehen soll. Es bleibt auch ihm nicht erspart, seit 2020 die ganze Tour immer wieder um ein Jahr zu verschieben. Nun endlich ist es soweit und dann ist der Tourstart auch noch in der Schweiz – was für eine Ehre. Er verrät uns, dass er am liebsten in die Schweiz ziehen möchte wegen den schönen Bergen. Wie die Tour so schön sagt: «Irgendwann ist jetzt» und das ist heute. Wir stehen in der ersten Reihe, lösen uns für WC-Pausen ab und holen Getränke. Zu essen gab es einfach nichts, zum heulen. Ich schaue auf die Uhr und sage, gleich es sei Viertelvor und schon ist das Licht aus. Max kommt hinter dem roten Vorhang hervor und wird mit tosendem Applaus empfangen. Unplugged fängt er mit Das Wunder sind wir an. Ständig ausser Atem, sang er, kuckt ins Publikum und alle lachen. Ich glaube den Anblick seines Publikums hat ihm die Sprache verschlagen und er fängt nochmal von vorne an. Nach dem ersten Chorus geht der Vorhang auf und seine Band kommt zum Vorschein.
Max begrüsst uns ausgiebig mit Hallo Schwiiz! Leute, wir sind endlich zurück. Er geht in die erste Reihe und meint zu einem Fan: «Nein jetzt ohne Scheiss. Fühl mal mein Herz, ich bin so aufgeregt! Wer von euch ist von Zürich?», will er wissen. Er habe gehört, das Fans Hunderte Kilometer angefahren sind für diese Show. Sie wollen wahrscheinlich bei der ersten Show dabei sein, mit all ihrer Imperfektion und Aufgeregtheit. Dies werde dann nie mehr so sein in den nächsten sechs Wochen wie heute Abend. Wer schon mal an einem seiner Konzerte war, fragt er. Wir strecken schon mal und Max meinte, 40 Leute von 1200 sei nicht schlecht. Wo den alle die ganzen Jahre über waren? Bei Mark Forster oder wie? Max Giesesinger hat vor 4 Jahren eine Platte rausgebracht namens «Die Reise» und sie spielen den Titeltrack. Max ist sehr auf sein Publikum fixiert er hat mit den Jahren gelernt, seinen Charme spielen zu lassen. Seine Mama ist heute auch dabei und wieder erwähnt er, wie aufgeregt sie alle sind. Sein bester Freund Steffen Graef (an Gitarre, Gesang) wird in 2 Wochen Vater. Dafür gab’s Applaus. «Habt Ihr schon einen Namen?», fragt Max. Steffen lacht nur verschmitzt und verneint. Nun geht Max wieder über die Absperrung zu seiner zweiten kleine Bühne in der Mitte des Raums und spielt den neuen Song 4000 Wochen. Jetzt kommt ein Song, der passt zu uns in die Schweiz und sei auf dem neuen Album «Vier Einhalb» und heisst Berge. Er erzählt von seinen Ferien in Südamerika, wo er sich von der Musik inspirieren liess. Die Musiker sitzen alle vorne mit den Instrumenten und es beginnt. Max fragt, ob jemand den Song schon kenne. Wir verneinten. Er lacht und meint, genauso soll es sein, beginnt zu singen, ach ja, Taxi heisst der Song. Wir bewegen uns im Takt und die Securitas haben uns Wasser gebracht. Wow, das ist ja toll, denn es war echt heiss - oder wegen etwas anderem? Lach, nein, Spass muss sein. Max erzählt, dass er mit seinem Musikerfreund Michael Schulte einen englischen Song herausgebracht hat. Steffen werde die hohe Stimme übernehmen. More To This Life heisst der Titel und es war zu schön. Steffen hat eine Hammerstimme und wir müssen schmunzeln, weil Max Michaels Part vom Spickzettel ablesen muss. Irgendwann ist jetzt passt gerade wie die Faust aufs Auge und wir tanzen ausgelassen und Max hatte sichtlich Freude am Song und tanzt auch, was das Zeug hält.
In Hamburg gibt es eine Karaoke-Bar, wo sich alle immer miteinander treffen und er möchte dieses Feeling nach Zürich bringen. «Ich habe hier ein Säckle mit verschiedenen Songs, wer möchte ziehen?» Einen Mann in der dritten Reihe hat einen Titel gezogen und der hatte so Freude daran und sagt ins Mikrofon Moulin Rouge Lady Marmelade. Max fragt: «Oh, könnt ihr euch das vorstellen? Wir so angezogen?». Gott, sein Humor ist zum Schreien. Wir lachten Tränen und Hut ab von dieser Herausforderung, sie machen das echt gut. Ja und wie ihr euch schon denken könnt, habe auch ich ein Los gezogen. Ich habe mich so erschrocken am Mikrofon, dass man dies so gut hört und meine Aussprache war der Lacher für alle. Aber egal, lachen ist die beste Therapie oder?
Und der nächste Song war Dirty Dancing, Time of my Life. Er hat dann mit Steffen das Liebespaar gespielt und ich war wieder hin und weg von Steffens Part. Er kuckt zu mir und meint, eigentlich sollten sie noch die Hebefigur machen und ich nicke. Aber dann müsse er dies sechs Wochen durchziehen und sein Rücken… lieber nicht. Wir sind wieder mal durchgeschwitzt. Er ist so ein sympathischer Typ, da würden wir gerne mal ein Bier trinken gehen. Die letzten drei Songs kommen, die er wieder in der Mitte singt. Das letzte Prozent mit der Discokugel vom X-tra ist einfach atemberaubend. Was natürlich nicht fehlen darf, ist 80 Millionen. Da ist wieder Mitsingen angesagt. Für Immer singt er wieder auf der Bühne singt mit einem Lichtermeer. Er stellt noch alle Bandmitglieder vor und ich muss auch schon los, damit ich den Zug erwische. Ich war hin und weg, einfach ein tolles, emotionales Konzert. Habe mich dann beim Herausgehen noch bei Gregor Hägele für seinen Auftritt bedankt und ihm erzählt, dass wir uns letzten Sommer schon gesehen haben. Er hat sich riesig gefreut, sich bedankt und noch schnell ein Autogramm geschrieben. Das hängt jetzt an meiner Konzertwand.
Eventdatum: 05.03.2023
Bericht: Cornelia Ambauen / szenemagazin.ch
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: X-tra, Zürich
Veranstalter: Mainland Music
Zuschauerzahl: 1200
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1032-irgendwann-ist-jetzt-tour-von-max-giesinger#sigProIdd1cdf5c643
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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