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Sina bei Schneegestöber und in Gebärdensprache

Sina bei Schneegestöber und in Gebärdensprache Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Für mich gibt es heute Abend eine Premiere. Nein, es ist weder Sina noch der Zauberpark, noch das Schneegestöber. Es ist mein erstes Konzert, das in die Gebärdensprache übersetzt wird und der erste Trompeter, den ich mit Fäustlingen spielen sehe.

Der Zauberpark ist zurück. Nachdem gestern wegen dem starken Schneefall alles geschlossen war, wird heute im Flughafenpark wieder geschlemmt und musiziert. Leider musste eine Lichtinstallation abgebaut werden, nachdem sie die Feuchte des auf ihr liegenden Schnees nicht überstand. Und aus statischen Gründen musste die Zeltblache vor der Bühne demontiert werden. Noch bis kurz vor der Show ist der Bühnenvorplatz relativ leer. Alle gehen irgendwo in Deckung und sei es nur vor dem Raclette Stand, denn dieser strahlt noch ein wenig Wärme aus. Meine Deckung heute Abend ist der Backstage Bereich, denn ich darf ein paar Bilder von der Bühne herab machen. Alle tigern geschäftig umher und testen nochmals ihre Instrumente. Sina huscht kurz durch, nur mit einem Pullover und Wollmütze. Mein Gedanke dann, die Walliserin ist sich die Kälte gewohnt. Doch als es dann heisst, Bühne Frei für Sina, hat sie doch noch eine flauschige Jacke und Handschuhe angezogen.

So ein Konzert zu dolmetschen in Gebärdensprache ist sehr anstrengend. Aufgrund dessen sind die Dolmetscherinnen zu viert, zwei wechseln sich auf der Bühne ab und zwei unten im Publikum. Sina meint, das sei sogar doppelt anspruchsvoll, da ihr gesprochenes zuerst auf Hochdeutsch übersetzt werden müsse und danach noch in Gebärdensprache. Die Show wird passend zum Wetter mit T-Shirt gestartet. Während dessen verschiebe ich mich immer wieder, vom hinteren Eck auf der Bühne nach rechts und links um verschiedene Blickwinkel zu finden. Während Wänn nit jetz verlasse ich den Backstagebereich und begebe mich vor die Bühne. Dass Sina ein Vollprofi ist, weiss ich, dass ich zu langsam bin, mittlerweile nun auch. Kaum stehe ich nämlich vor der Bühne und bin eigentlich noch am Einrichten, kommt sie schon auf mich zu, würde in die noch nach oben schnellende Kamera zeigen und schauen. Tja, der Schneefall hat aber die Kamera etwas verwirrt und so war sie sich nicht schlüssig, was sie jetzt scharfstellen soll. Scheinbar hat sie den Schnee interessanter gefunden und so muss ich nun auf das eigentliche Top Bild verzichten. Liewi Sina, äs tüet mer leid. Danach merke ich, es haben sich doch noch einige Leute eingefunden. Der Platz ist nicht brechend voll, aber dennoch ein paar Leute hat es hinaus ins Schneegestöber gezogen. Die meisten haben Baujahr 80 und älter.

 

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch) 

 

Sina, mit bürgerlichem Namen Ursula Bellwald, ist eine Schweizer Mundart-Sängerin und Liedermacherin aus Gampel im Kanton Wallis. Sie wurde am 28. Mai 1966 in Visp geboren und ist seit 1994 im Musikgeschäft tätig. Ihre Karriere begann sie als Strassenmusikerin und wurde schnell zu einer bekannten Figur in der Schweizer Musikszene. Ihr erstes Album, «Sina», wurde 1994 veröffentlicht und war ein grosser Erfolg. Es erreichte Platz 1 der Schweizer Albumcharts und wurde mit Platin ausgezeichnet. In den folgenden Jahren veröffentlichte Sina eine Reihe weiterer erfolgreicher Alben, darunter «Marzipan» (2000), «Ich schwöru» (2004) und «Königin» (2010). Sie gewann zahlreiche Preise, darunter den Prix Walo, den Schweizer Musikpreis und den Salzburger Stier.

Sinas Musik ist geprägt von ihrer starken Stimme und ihren eingängigen Melodien. Sie singt über Liebe, Verlust, Hoffnung und Sehnsucht. Ihre Texte sind oft autobiografisch und erzählen von ihren eigenen Erfahrungen. Man zählt sie zu einer der erfolgreichsten Schweizer Musikerinnen aller Zeiten. Sie hat sich mit ihrer Musik in die Herzen der Schweizerinnen und Schweizer gespielt und ist eine wahre Botschafterin des Wallis.

Die Möglichen Unterstandsflächen sind immer noch gut gefüllt. Und so muss ich mich in der Loge oben kurz mal durchkämpfen, damit ich ganz nach vorne kommen. Dort sehe ich dann grosse Filmkameras, die das Konzert aufnehmen, beziehungsweise die Dolmetscherinnen. Diese sind dann oben in der Loge auf diversen Tablets zu sehen. Scheinbar habe ich mich nicht genug versteckt, als ich auf der Bühne war, denn plötzlich höre ich: «dich han ich doch vorher uf de Bühne gseh». Ich verlasse wieder die Loge und begebe mich während Hinnär diär wieder vor die Bühne. Dort versuche ich nochmals die Trompetenspieler hinten im Eck einzufangen, was sich definitiv nicht als einfach herausstellt. Zwischendurch immer wieder mal ein Blick zu Sina und genau da posiert sie mit der Dolmetscherin zusammen, klick.

Während ihrem gut 75 Minütigen Set dürfen natürlich Memphis und Pfarrärssohn nicht fehlen. Der Abend war richtig zauberhaft und macht dem Zauberpark alle Ehre. Während ihren letzten Songs begebe ich mich auf den Retourweg, denn ich möchte noch die mit Schnee bepuderten Lichtinstallationen anschauen und ablichten. Es ist einfach traumhaft. Schade, dass die Himmelsplattform jetzt leer ist. Ich hätte vielleicht den Mond nun dort nach oben gestellt. Würde sicher gut aussehen. Eines kann ich sagen, für die nächsten paar Abende ist dringend sehr gutes Schuhwerk empfohlen, sonst wird der Weg schnell zu einer Rutschpartie.

 

 

Eventdatum: 01.12.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Zauberpark, Kloten

Veranstalter:  NOA No Ordinary Art

Zuschauerzahl:  unbekannt

 

   

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Konzert

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