free website hit counter Szenemagazin - «Elvis - Das Musical» – ein Jahr später

«Elvis - Das Musical» – ein Jahr später

«Elvis - Das Musical» – ein Jahr später Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Das Tribute über Leben und Karriere von Elvis Presley geht in die nächste Runde. Dieses Mal gastiert das Musical im Kongresshaus Zürich und performt vor rund 1200 Elvis-Fans.

Im März 2025 besuchte ich das Musical über Leben und Karriere von Elvis Presley im Theater 11. Auf die Frage, weshalb ich die Produktion ein zweites Mal sehen möchte, gibt es eine einfache Antwort: Etwas, das einem gefällt und überzeugt, möchte man mehr als einmal erleben, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

 

Eindrücke zur Show

Ich war gespannt, wie sich das Tribute an den «King of Rock’n’Roll» knapp ein Jahr später präsentiert und welchen Eindruck die Inszenierung beim zweiten Besuch hinterlässt. In meinen Augen machen Umgebung, allgemeine Energie im Saal und Begeisterungsgrad der Menschen direkt neben einem viel aus.

Zugegeben: Ich bin ein riesiger Fan des Theater 11 mit seinem Auditorium und den roten Sesseln. Sofern nicht gerade ein grosser Mensch direkt vor mir sitzt, habe ich immer freien Blick auf die Bühne. Im Kongresssaal mit flacher Parkettbestuhlung besteht mit meinen 1.61m schnell mal die Gefahr von eingeschränkter Sicht. Da ich mich fürs Fotografieren jedoch frei bewegen durfte, habe ich immer mal wieder den Standort gewechselt. Das wiederum birgt das Risiko, dass ich für eine Szene genau auf der falschen Bühnenseite stehe.

Was mir schmerzlich bewusst wurde: Den grössten Einfluss auf eine Performance hat das Publikum. Je mehr Rückmeldung sie den Künstlern geben, desto grösser ist der - gegenseitige - Push. Das Leuchten in den Augen verstärkt sich auf beiden Seiten, die Energie fliesst hin und her. Die Begeisterung wird sowohl im Saal als auch auf der Bühne sicht- und spürbar. Das war gestern leider nicht der Fall. Ein so verhaltenes Publikum wie gestern habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Selbst die anfänglichen Versuche der Musiker und Darsteller, die Zuschauer zum Mitklatschen zu animieren blieben zu meinem Unverständnis relativ erfolglos. Im Vergleich zum letzten Frühling war das wie Tag und Nacht.

Die richtig grossen Elvis-Fans fielen dafür umso mehr auf. Ich musste teilweise ein wenig auf den Stockzähnen grinsen, wenn jemand «Elvis – I love you» schrie oder einzelne Frauen zur Bühne vorgingen, um dem King die Hand schütteln zu können. Und nicht mehr loslassen wollten, weshalb sich die Security auf meiner Seite in Bereitschaft versetzte, notfalls einzugreifen. Nein, ich denke nicht, dass sie Elvis im Hinterkopf hatten, sondern dessen Musik lieben und begeistert von Grahames Gesang waren. Dass im Saal aber eigentlich viel Begeisterung vorhanden ist, wird spätestens bei seinem Ausflug ins Publikum spürbar. Während er singend durch den Saal geht, stoppt er für Umarmungen, schüttelt Hände und blickt in zahlreiche strahlende Gesichter.

Ich hätte dem ganzen Cast während des Abends mehr von dieser Energie gegönnt. Neben der ausserordentlich guten Performance von Grahame Patrick (Doyle) in der Rolle als Elvis tragen die «Las Vegas Showband» sowie das «The Stamps Quartet» wesentlich zur Qualität der Aufführung bei. Besonders stimmig wirkt die Kombination aus Liveperformance und eingespielten Originalaufnahmen.

 

Im und ausserhalb des Rampenlichts

Auf Elvis’ Werdegang verzichte ich an dieser Stelle, da ich bereits im letztjährigen Bericht ein paar Hintergrundinformationen geliefert habe. Stattdessen möchte ich das Scheinwerferlicht auf die Personen auf und hinter der Bühne richten.

 

Grahame Patrick Doyle als Elvis

Der Ire Grahame Patrick Doyle wurde in Dublin geboren. Sein Vater war Musiker und prägte früh sein musikalisches Interesse. Als Jugendlicher wanderte seine Familie nach Toronto aus, wo er in den frühen 90er-Jahren erste Auftritte als Elvis-Imitator in Bars und Clubs hatte. Auf einer Party entdeckte ein Produzent sein Potential als Elvis-Double und nahm ihn unter Vertrag. Dem folgten Engagements in den USA und Tribute-Produktionen für mehrere Jahre in Las Vegas.

Seit März 2003 wirkte Grahame regelmässig in der Show «Stars in Concert» im Estrel Festival Center Berlin mit, und war 2004 in diesem Rahmen erstmals als Elvis zu sehen. Die Tour-Produktion von «Elvis – Das Musical» ist international unterwegs. Grahame betont in Interviews, ihm sei wichtig, nicht nur als Kopie gesehen zu werden, sondern die Essenz und Interpretation der Musik zu vermitteln.

 

The Stamps Quartet

The Stamps Quartet 1924 von Virgil Oliver Stamps gegründet, nach dem auch das Ensemble benannt ist. Stamps war Pianist, Komponist und Musikverleger aus Texas, der das Quartett als Gospel‑Gesangsgruppe aufbaute. Zusammen mit einigen frühen Mitgliedern entwickelte er die Gruppe, die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der einflussreichsten Gospel-Ensembles in den USA etablierte.

Es gab viele Besetzungswechsel über die Jahre, bevor das Quartett mit Elvis Presley international bekannt wurde. Von 1971 bis zu Presleys Tod 1977 trat das Quartett bei mehr als 1000 Konzerten als Background-Vokalgruppe auf. 2003 sicherte sich Ed Enoch die Markenrechte am Namen «The Stamps Quartet». Das Quartett besteht aktuell aus Ed Enoch (Lead), David Mann, Casey Shepherd und James Worthing.

Ed Enoch ist östlich von Nashville geboren und aufgewachsen. 1969 begann er seine professionelle Musikkarriere als Bariton-Sänger im Stamps Quartet. Später übernahm er die Aufgaben des Leadsängers und Roadmanagers. Während der Konzerte stellte Elvis Presley Enoch wiederholt persönlich vor und bezeichnete ihn als einen der stärksten Lead-Vokalisten.

 

Las Vegas Showband

In der Produktion übernimmt Las Vegas Showband die Live-Musik. Dabei alternieren die Musiker und - sofern ich richtig gezählt habe - traten in Zürich mit 7 Mann auf: Chris Evans (Schlagzeug), Ralf Tonnius (Gitarre), Hans Dieter Lorenz (Bass), David Skip Reinhard (Trompete), Stephan Bohm (Posaune), Frank Fritsch (Saxophon) und Robin Scott (Keys und musikalischer Leiter). Die Band interpretiert die bekanntesten Hits von Elvis Presley und bildet damit den Sound der Original-Shows auf der Bühne nach.

 

Tanz & Show

Die Choreografie liegt in den Händen von Carla Oya Belenguer, die von Luciana Fuzetti und Gwennaelle Ludwig (The Heartbreakers) performt werden. Anders als Elvis Presley hat Grahame seine Frau auf der Tour dabei – genauer gesagt auf der Bühne. Denn Luziana Fuzetti und er sind seit 2021 verheiratet.

Ein weiterer Darsteller ist Daniel Neumann als Colonel Parker. Der gebürtige Deutsche besuchte nach dem Abitur die Freiburger Musical- und Schauspielschule. Sein Hintergrund umfasst Musicaldarsteller, Regisseur und Gesangscoach. In diesem Musical bringt er mit seinem Part nicht nur Humor in die ganze Sache, sondern liefert mit den Telefonaten und Monologen auch Informationen über Elvis’ Karriereverlauf.

 

Kreativ‑ & Produktionsteam

Zu den kreativen Köpfen hinter der Inszenierung zählen mehrere Personen, die jeweils unterschiedliche Bereiche der Produktion verantworten. Unter anderem ist das Produzent, Buchautor und Regisseur Bernhard Kurz mit Unterstützung von Chris Berns, der ebenfalls am Buch beteiligt ist. Für die musikalische Umsetzung und den Sound zeichnet Riccardo van Krugten verantwortlich, die musikalische Leitung übernimmt Robin Scott als Musical Director. Tourorganisation und Ablauf der Aufführungen koordiniert Oliver Forster als Tourneeveranstalter.

 

Tour 2026

Die Tour 2026 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz startete am 13. Februar 2026 in Erfurt und wird gemäss aktuell veröffentlichtem Plan am 21. April 2026 in Dresden beendet. Möchte ich auf einer allfälligen Tour nächstes Jahr wieder im Publikum sitzen? Das ist wirklich schwierig zu sagen. Es ist kein eindeutiges «ja klar!». Ich weiss noch immer nicht, ob es an der eher trägen Stimmung im Saal lag, an der Location oder schlichtweg an der fehlenden Begleitperson, deren Begeisterung letztes Mal unglaublich ansteckend war.

Vielleicht täuscht mein Eindruck auch nicht, dass Grahame Patrick nicht so energetisch rüberkam wie vor einem Jahr. Auch das mag der Resonanz des Publikums geschuldet sein. Denn wenn nichts auf die Bühne schwappt, können die Künstler nicht auf der energetischen Welle reiten.  Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und auf ein Tief folgt in der Regel ein Hoch – genau wie bei Wellen. Deshalb würde ich mir nächstes Mal wünschen, begeisterte Elvis-Fans um mich zu haben, die den Saal in ein emotionales Surferparadies verwandeln.

 

Eventdatum: 22.02.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Kongresshaus, Zürich

Veranstalter: act entertainment ag

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Publiziert in Konzert

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

Nach oben