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Nashville - Tourabschluss in Zürich

Nashville - Tourabschluss in Zürich Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Als Fan der US-Serie «Nashville» habe ich mich enorm gefreut, als bekanntgegeben wurde, dass sie 2026 auf «The Encore Tour» auch erstmals Shows in Deutschland und der Schweiz planen. Der feierliche Tourabschluss vor ca. 1000 Zuschauern fand In The Hall Dübendorf statt.

Countrymusik war nie ganz oben auf meiner Playlist respektive lange gar nicht vorhanden. Aber als Fan von Serien und Talentshows habe ich schlussendlich doch noch den Zugang zu diesem Genre gefunden. Zuerst wegen Blake Shelton, der in der Jury von «The Voice» war und spätestens, als ich die Serie Nashville (6 Staffeln von 2012-2018) entdeckte.

Dass vier der Hauptcharaktere aus der damaligen Serie gemeinsam auf Tour gehen, ist schon aufregend genug. Es sind nicht die ersten Schauspieler mit Gesangstalent, die auf beiden Schienen erfolgreich sind. Auch nicht die ersten Leinwandstars, die ich als Musiker vor der Linse haben werde (z. B. Jack Black, Kiefer Sutherland, Johnny Depp oder Hugh Laurie, um nur ein paar zu nennen).

Aber ich freue mich ausserordentlich, mal wieder an einem Countrykonzert zu sein. Einziges Problem dürfte dabei werden, dass ich sie beim Singen automatisch mit ihren Charakteren aus der Serie verbinde. Ob das gewollt ist oder schlichtweg etwas, womit man als Hybrid in zwei Welten leben muss? Ich tippe auf ersteres, denn auf der Setlist stehen die besten Hits aus der preisgekrönten Serie, auf der anderen Seite aber auch Coversongs und Solo-Hits der Musiker aus ganz anderen Genres.

 

Die Musiker aus Nashville

Die «Nashville in Concert»-Reihe startete im Frühling 2014 (bis 2018 war Hayden Panettiere mit dabei). Zwei Jahre später tourten sie auch in der UK. Nach Ende der Serie 2018 gingen sie auf grosse Abschiedstour. Danach pausierten sie mit Auftritten für einige Zeit. Die aktuelle «The Encore Tour» begann am 6. Februar 2026 in Newcastle und führt die ehemaligen Darsteller erstmals auch nach Deutschland und für ihren letzten Auftritt in die Schweiz. In The Hall werden Clare Bowen, Charles Esten, Jonathan Jackson und Sam Palladio auf der Bühne stehen.

Clare Bowen ist ausgebildete Sängerin mit klarer Sopranstimme, die sowohl sanft als auch kraftvoll wirken kann. Sie kombiniert Country-Tradition mit Singer-Songwriter-Sensibilität und harmoniert regelmässig in Duetten mit männlichen Kollegen. Ihre Erfahrung aus TV, Bühne und Studio macht sie flexibel in Stil, Dynamik und emotionaler Interpretation.

Seit seiner Rolle in Nashville ist Charles Esten als Musiker bekannt und seither als Solokünstler unterwegs. Er hat eine starke, warme Bariton-Stimme, die er sowohl in Solosongs als auch in Duetten einsetzt. Esten hat umfangreiche Live-Erfahrung, von TV-Auftritten bis zu Tourneen in den USA, und bewegt sich sicher zwischen Country-Pop und klassischem Nashville-Sound.

Jonathan Jackson verfügt über eine sanfte, gefühlvolle Stimme mit klarer Folk- und Indie-Färbung. Er spielt mehrere Instrumente (Gitarre, Piano) und integriert sie in seine Bühnenperformance. Jacksons Stil ist introspektiv und harmonisch, oft in akustischen Arrangements, was seine Singer-Songwriter-Wurzeln unterstreicht. Ausserhalb dieser Tournee tritt er sowohl solo auf als auch mit der Indie-/Rockband Enation, die er 2002 mit seinem Bruder gründete.

Sam Palladio hat einen hellen, klaren Tenor, der stark durch britische Rock- und Folk-Einflüsse geprägt ist. Er ist routiniert im Live-Singen, sowohl solo als auch in Duetten innerhalb der Nashville-Show. Palladio bringt eine Mischung aus Mainstream-Country und Pop-Elementen auf die Bühne, die seinen Stil modern und zugänglich macht. Palladio war vor der Serie Leadsänger der britischen Folk-/Indieband Salt Water Thief.

 

Der Konzertabend

Wer jetzt traditionelle Country-Outfits oder Outlaw Country der 70er erwartet, wird überrascht sein. Die drei Musiker folgen ihrem eigenen Stil. Während Charles Esten sich eher an Songwriter/Roots-Country orientiert, kleidet sich Sam Palladio mit einer Mischung aus modernem Mainstream Country und britischem Rock. Clare Bowens wirbelt in luftigem goldglitzernden/tüllwallenden Kleid und einer rosa Häkelmütze mit blauen Schmetterlingen über die Bühne – und das mit groben schwarzen Stiefeln. Jonathan Jackson auf der anderen Seite ist im Adidas-Trainer und Stiefeln aufmarschiert, was man am wenigsten mit Country verbinden würde. Ein Bekannter nannte das später mit einem Augenzwinkern «Benson Boone»-Style. 

Wir durften zwar die ersten 5 Songs vom Balkon aus fotografieren, hatten aber nicht damit gerechnet, dass Clare und Charles nur für den ersten Titel auf der Bühne im Scheinwerferlicht stehen werden. Erst verblieb Jonathan Jackson allein auf der Stage, bevor beim nächsten Titel Clare und Charles für Backupgesang dazukamen. Die drei sin dann wieder abgegangen, während Sam Palladio übernahm. Für dessen zweite Nummer setzte er sich kurzerhand ans Schlagzeug. Danach brachten wir unsere Kameras zur Garderobe und ich nahm im Publikum Platz.

 

«This Song ist from my latest album. And by that I mean my only album.» - Charles Eston

 

Alle vier flechten immer wieder Geschichten mit ein. Teilweise als Vergleich zum Seriencharakter, Erinnerungen an die Zeit während der Serie oder andere Begebenheiten. Manche sorgten für Lacher, wie beispielsweise Charles Eston. Nicht nur, weil er die 20-minütige Pause einen Song zu früh ankündigte. Sondern auch wegen Aussagen wie diesen: Der nächste Song Candlelight sei von seinem aktuellen Album. Und damit meine er sein einziges Album. Als er anfängt, dass seine Frau sein Kerzenlicht sei, hörte man die Reaktion des Publikums direkt.

Natürlich singen sie auch Duette. Beispielsweise Charles und Jonathan bei Let It Be Me, wo Jonathan die höhere Tonlage übernimmt und die zwei sich fantastisch ergänzen. No One Will Ever Love You war in der Serie ebenfalls ein Duett, das «Deacon» (Charles) mit «Rayna» (Connie Britton) im Bluebird Cafe sang. An diesem Konzert hat Charles das alleine gesungen, was ich ausserordentlich schade fand.

Unter uns: In The Hall scheint eine 20-minütige Pause üblich zu sein (und wenn nicht, war ich bisher immer nur an Konzerten, bei denen es eine Pause gab). Wenn sich aber vier Musiker ständig abwechseln, frage ich mich tatsächlich, ob das notwendig wäre. Zugegeben, die Band spielt durch. Aber sind 90 Minuten am Stück bei den meisten Gigs nicht Standard?

Apropos Band: Mit auf Tour sind Colin Linden (Lead-Gitarre), Brandon Young (Gitarre), Johnny Dymond (Bass), Gary Craig (Schlagzeug) und Andy Lucas (Keyboard). In der zweiten Hälfte fragt uns Clare, wer denn die Serie gesehen habe. Es gehen so viele Hände in die Luft, dass sie die Frage umdreht. Da wird deutlich: von den 1000 Zuschauern haben wohl nur zwei «Nashville» nie gesehen. Clare bringt mit sanfter Stimme ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass ihnen 8 Jahre nach Ende der Serie noch so viel Liebe entgegengebracht werde. Es sei nicht selbstverständlich, auf dieser Bühne stehen zu dürfen, fügt sie an.

In den Jahren ist der Cast zu einer Familie geworden. Das spürt man auch am Konzert. Da verwundert es nicht, dass Jonathan Jackson und Sam Palladio sich gegenseitig «Bruder» nennen oder Clare von Jonathan als Schwester bezeichnet wird.

 

«A thank you to Clare, she’s always been an angel and a sister to me.» - Jonathan Jackson

 

Einmal mehr zieht Jonathan einen Vergleich, denn er und sein Seriencharakter «Avery» hätten musikalisch gesehen viel gemeinsam. Es folgt This Is The Sea. Ich frage mich nicht zum ersten Mal an diesem Abend, was dieser Titel oder Unchained Melody mit Countrymusik zu tun haben. Vermutlich genauso viel wie Sams Outfit. Vielleicht habe ich auch einfach angenommen, es werde nur Country gesungen. Für den Song aus dem legendären Film mit Patrick Swayze gabs aber eine Standing Ovation vom Zürcher Publikum.

Als Clare wieder mit Gesang an der Reihe ist, stellt sie uns ihren Ehemann vor: Brandon Young, der als Gitarrist mit auf Tour ist. Er richtet das Wort an uns und erzählt eine kurze Geschichte aus ihrem Leben. Wie in Nashville ständig Musik komponiert werde zum Beispiel. Sie hätten an einem Abend Besuch gehabt, als dieser Freund etwas Profundes zu ihm gesagt habe, das er nie vergessen werde:  «Wenn du keine Hits hast, spiel die von jemand anderem. Und das machen wir jetzt auch.» Brandon schlägt an der Gitarre Halo an und sie singen im Duett. Das war so unsagbar hoch, zerbrechlich und sanft, dass dies zur zweiten Standing Ovation führte. Clare war sichtlich gerührt und meinte, das bedeute ihr die Welt – vorallem auch, weil wir ihren Mann wertschätzen. Als sie als nächstes für ihr Solo mit Black Roses die Zuschauer nochmal zum Stehen bringt, winkt sie mit grossen Augen ab, als wäre ihr das etwas unangenehm.

Als letzten Song des Sets spielt Charles Eston Going Down the Road Feeling Bad, das der erste Titel war, den er als «Deacon» aufführte. Sam Palladio setzt sich dafür nochmals an die Drums. Es folgen noch zwei Zugaben, bevor nicht nur der Konzertabend, sondern auch die Tour zu einem Abschluss kommt.

 

 

Eventdatum: 25.02.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  The Hall, Dübendorf

Veranstalter: Semmel Concerts Entertainment G

Zuschauerzahl: ca. 1000

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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