Sam Himself @ Secret Island
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Sam Himself begeistert beim intimen Konzert im "Secret Island"
Wirklich Sommer haben wir dieses Jahr nicht. Trotzdem habe ich Sand unter meinen Füssen, sitze am Pool und schaue aufs Wasser hinaus. Manche haben es sich in einer Lounge gemütlich gemacht, die Namen und Koordinaten von Inseln in der Ferne tragen. Ich bin im "Secret Island" in Zürich, wo auch dieses Jahr am Tiefenbrunnen wieder für 6 Wochen Strandstimmung aufkommt.
An der Strandbar bestelle ich mir ein Getränk und geniesse die ferienähnliche Atmosphäre am Pool, bevor das Konzert von "Sam Himself" losgeht. Die Bühne ist im Innern eines chaletähnlichen Holzhauses aufgebaut, das sich unauffällig in die Strand-Landschaft einfügt.
Noch ist es fast leer im Innern. Ich unterhalte mich mit Gästen und dem Barkeeper über die Location und Sam Himself. Der Künstler des heutigen Abends ist ursprünglich aus Basel, den es vor 10 Jahren der Musik wegen nach New York zog. Letzten Frühling kam er eigentlich für ein Projekt temporär zurück in die Schweiz. Wegen Covid und der Situation in seiner Wahlheimat entschied er sich, vorübergehend Basel zu bleiben.
Seinen Musikstil bezeichnet er als "Fondue-Western", das eine der vielen Aussagen von ihm sein werden, die mich heute Abend zum Schmunzeln bringen. Ich mag diese Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang, die sich in seinen Songs mal lauter und mal in stillen Tönen wiederfinden.
In ein paar Minuten geht das Konzert los. Ein grossgewachsener Mann betritt das Chalet. Ich realisiere, dass Sam Koechlin gerade reinkam. Keine Spur von Star-Allüren oder Berührungsängsten, es fühlt sich eher an wie eine Party unter Freunden. Er kommt auf mich zu und streckt die Covid-Faust aus: "Hallo, ich bin Sam". Das war nebst Marius Bear glaube ich die tiefste Stimme, die ich je live gehört habe.

Er verschwindet für einen Augenblick in den Backstage-Bereich, bevor er mit der Band den musikalischen Teil des Abends eröffnet. Das Chalet wird zunehmend voller und Sam meint zum Publikum: "Kommt näher, auch wenn ganz viele Basler auf der Bühne stehen".
Nebst seinen eigenen Titel flechtet er als bekennender Bruce Springsteen-Fan auch ein Cover in die Setlist ein. Im Oktober wird ein sein neues Album erscheinen und wir kommen in den Genuss seiner neusten Single. Wie schon den ganzen Abend wippen und tanzen die Zuschauer - manche im Takt, andere in ihrem eigenen Rhythmus. Sam Himself wickelt uns mit seinen Songs in warme Kuscheldecken, die man ab und zu weglegt, um zu tanzen.
Dann kündigt Sam das baldige Ende der Show an und hebt den Zeigefinger ans Unterlid. Eigentlich würden sie jetzt die Bühne verlassen, aber sie spielen weiter. Hat er jetzt die Zugaben angekündigt oder nicht? Ich bin mir nicht sicher, auch wenn ich die Setlist vor Konzertbeginn gesehen hatte. Als sie von der Bühne gehen, setzt der "Zugabe"-Canon ein. Die Leute wollen mehr von Sam Himself hören, soviel ist sicher. Ich bin mir auch sicher, dass sie nochmal auf die Bühne kommen, der Keyboarder steht nämlich direkt neben mir.

Sam ist zurück und fragt ins Publikum, ob wir Kris Kristofferson kennen. Es kam keine direkte Antwort aus dem Zuschauerraum, deshalb meinte er: "Gut, dann singe ich einen meiner Songs". Ein Musiker nach dem andern betritt die Stage wieder. Der letzte Titel dürfte für seine Band eine kleine Überraschung gewesen sein, denn er meinte, den hätten sie gemeinsam wohl noch nie gespielt. Es sei aber eine einfache Melodie und zählt 5 Töne auf. Was dann folgt ist ein Mashup von Züri Wests "Fingt ds Glück eim" und dem Guns'n'Roses-Song "Knockin' on Heaven's Door" und ich bereue es ein wenig, das nicht mit dem Handy gefilmt zu haben wie zahlreiche andere.
Gleich im Anschluss verlässt er mit einem enorm kurzen "Danke, tschüss zäme" die Bühne. Ist es jetzt vorbei oder kommt er vielleicht nochmal für eine weitere Zugabe zurück? Das Saal-Licht ist noch nicht wieder an, aber es ertönt Musik aus den Lautsprechern. Schade. Ich hätte ihm noch lange zuhören können. Doch da: die Tür des Backstagebereichs geht auf und da steht er wieder. Alle klatschen begeistert, doch Sam winkt ab. Nein, es sei wirklich fertig. Er nimmt das Mikro in die Hand und auf einmal sagt er: "Ich habe so lange nicht spielen können, dann mach ich das jetzt so lange ich kann". Er schnappt seine Gitarre und lässt uns einen seiner sanften Songs geniessen, bevor wir von der Strandatmosphäre zurück in den Stadtdschungel wechseln müssen.
Es lohnt sich auf jeden Fall, Sam Himself live zu sehen. Wer gestern nicht dabei war, hat im Herbst einige Möglichkeiten, das nachzuholen. Im Oktober erscheint das neue Album von Sam Himself, das er auf seiner Clubtour in der Schweiz im Gepäck haben wird.
Eventdatum: 17.08.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Secret Island, Zürich
Veranstalter: Just Because
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/603-sam-himself-secret-island#sigProId900644a91d
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