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H2U Openair Uster 2021 - Freitag

H2U Openair Uster 2021 - Freitag Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Was haben Snowboarding-Contests und Openairs gemeinsam? An beiden könnte Pat Burgener mit dabei sein und im Rampenlicht stehen. Er eröffnet das diesjährige H2U Openair in Uster, an dem auch Joya Marleen und Loco Escrito von bis zu 2100 Besuchern gefeiert werden.

Pat Burgener - Profi-Snowboarder und Musiker. Nebst Erfolgen auf dem Brett, das Schnee unter den Füssen benötigt, ist er auch auf Bühnen - den Brettern, die die Welt bedeuten - professionell unterwegs. Diesen Monat wurde er als SRF3 Best Talent ausgezeichnet und eröffnet auf der H2U-Talents-Bühne das Festival.

Der charismatische Musiker aus Lausanne strahlt uns mit einem ansteckenden Lächeln an. Sein Sound ist genauso relaxed wie er selbst und geht ins Ohr. Zwischen den Songs verrät er uns die Bedeutung resp. das warum hinter seinen Songs. Seine Anekdoten enthalten viel Selbstironie und er gibt uns die ein oder andere Botschaft mit auf den Weg. Pat erzählt, er habe während Corona diverse Künstler kennengelernt und auch das ein oder andere Projekt realisiert. Auf der Talent-Bühne hat man weniger Spielzeit. Das hält Pat Burgener aber nicht davon ab, diese Zeit mit einem Gast zu teilen. Dieser Name ist nirgendwo offiziell in Erscheinung getreten - ob das eine spontane Aktion war? Nein. Ich habe diese Stimme schon beim Soundcheck gehört.

Er bittet Marius Bear auf die Bühne und die beiden performen einen Song, den sie gemeinsam ausgearbeitet haben. Pat meint zwischendurch mit einem Zwinkern, das Lied sei entstanden, als Marius auf Tinder gesperrt worden sei. Ob das stimmt oder nur einer seiner Jokes war? Er würde gerne länger spielen und wir würden gerne länger zu hören. Gut, dass Pat Burgener zwei Sets an diesem Abend hat. Er wird ein zweites Mal auf der Bühne stehen, während die Hauptbühne nach Joya Marleen umgebaut wird.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Zeit, sich an einem der Verpflegungsstände zu verköstigen. Das Angebot reicht von Fischknusperli zu Flammkuchen, Gyros, Momos, Thai, Mezze, Burger oder Bratenbrot und später einem Dessert. Es hat genügend Sitzmöglichkeiten unter Zirkus- und Festzelten und auf dem ganzen Gelände sind Palettensofas verteilt. Wie an Openairs üblich kann man Merchandise kaufen oder sich an Ständen mit Accessoires wie Taschen, Schmuck und Sonnenbrillen eindecken. Und wem nicht mehr gefällt, was er anhat, schaut bei der Kleidertauschbörse vorbei.

 

Die Zuschauer verschieben sich zur Hauptbühne, wo Joya Marleen gerade angekündigt wird. Der Host erwähnt, sie sei gerade erst 18 Jahre alt geworden. Für mich ist das Alter ehrlich gesagt irrelevant. Ob jetzt jemand singen kann, der 18 oder 58 ist, macht für mich keinen Unterschied. Kann ja sein, dass die 58-jährige Person erst vor 2 Jahren angefangen hat zu singen. Joya Maarleen kann singen - und wie! Sie hat eine kräftige Stimme mit einem einladenden Timbre und weiss sie einzusetzen. 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Auch sie hat eine fröhliche, sympatische Ausstrahlung, während sie von den Inspirationen zu ihren Songs erzählt. Eines ihrer Lieder leitet sie mit einer Geschichte über peinliche Tanzeinlagen ein und widmet diesen den schlechten Tänzern. Es fliesst auch Selbstreflektion ein. Zum Beispiel beim faux pas, wenn sie Liebespaare im Publikum anspricht für den nächsten Song, der eigentlich von Herzschmerz handelt. Flugs korrigiert, indem sie anfügt: "Das passiert euch aber nicht". Das Publikum goutiert ihren Auftritt mit viel Applaus, der ihr ohne Frage zusteht. Wer es noch nicht gemacht hat, sollte sich den Namen Joya Marleen merken.

Eigentlich wäre jetzt etwas Pause, doch ich sehe aus dem Augenwinkel, wie sich Pat Burgener für seinen zweiten Auftritt bereitmacht. Und tatsächlich, er beginnt sein Set gute 10 Minuten früher. Dieses Mal stehen deutlich mehr Leute vor der Bühne und seine Frohnatur löst den ein oder anderen Lacher aus. Ehrlich wie er ist, erwähnt er mittendrin auch, dass er zu früh angefangen habe, damit er länger spielen könne. Man kann ihm das einfach nicht übelnehmen, schon gar nicht bei so guter Musik. Er fragt das Publikum, wer denn französisch spreche. Der nächste Song sei in französisch - sein einziger übrigens. Ein paar Hände schnellen in die Höhe und Pat sagt mit perfektem typischen deutschweizer Akzent "oui je parle français" und ich lache laut heraus. Vielleicht etwas zu laut? Er beginnt den Song. "La la la la la la la" und lässt das Publikum mitsingen. Auf einmal hört er auf und meint, französisch sei wohl doch zu schwierig für uns. Marius Bear wird nochmal auf die Bühne gebeten und Pat Burgener verwandelt sich vom Sunnyboy in einen Headbanger. Wehe, wenn er losgelassen!

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Das trifft auch auf den Künstler zu, der als nächstes auf der Hauptbühne performt: Loco Escrito wird als Lokalmatador gefeiert und versprüht Lebensenergie pur. Es wird enger vor der Bühne, aber es hat noch immer genügend Platz, um zu tanzen. Auch er geniesst es sichtlich, wieder vor Publikum auftreten zu können. Seine Metapher zur Coronasituation als Musiker? "Wie bei einer Fernbeziehung, wenn man endlich wieder gemeinsam unter der Decke kuscheln kann". Und es wird heftig gekuschelt! Mir geht es ähnlich. Kaum zu glauben, dass ich anderthalb Jahre lang an keinem Konzert mehr sein konnte. Und interessant, dass ich jetzt realisiere, wie sehr mir das gefehlt hat. Loco Escrito interagiert konstant mit dem energisierten Publikum, was seine Bandkollegen nicht immer gutheissen. Er solle mehr singen und weniger reden, meinen sie. Irgendwo im Publikum ist seine Familie und er lässt seinen Blick immer wieder schweifen, um sie zu entdecken. Bei der riesen Menge ist das kein leichtes Unterfangen. Die Zuschauer fordern eine Zugabe, für die er sich nicht lange bitten lässt. Unter viel Applaus wird Loco Escrito schlussendlich verabschiedet. 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer das Gelände enttäuscht verlassen hat. Eher voller Vorfreude auf die weiteren Tage des Openairs.

 

 

 

Eventdatum: 20.08.2021

Fotograf:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Zeughausplatz, Uster

Veranstalter: H2U

Zuschauerzahl: 2100

Publiziert in Konzert

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