Hecht Live @ Unique Moments
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Hecht spielen vor 1800 Zuschauern im ausverkauften Landesmuseum
Weshalb eine Banane Held des Abends ist, was die Partner der Bandmitglieder erfahren, wie lange das Publikum zu leiden hat für Gisis Solo, was Hecht für einen Glücksbringer hat, wie lange das Zürcher Publikum tatsächlich auf Hecht warten musste, mit was uns Hecht überrascht, wofür dieses Konzert als Testrun dient und ob Stefans Stimme bis zum Ende durchhält?
Doch bevor es zu all diesen Antworten kommt, habe ich beim Entgegennehmen des Medienpasses meine Standardfrage gestellt: wie lauten die Fotoregeln? Zur Beantwortung mussten drei Leute bemüht werden – doch kaum drinnen, war das schon nicht mehr aktuell. Die Hausfotografin Tabea hatte mit der Band Rücksprache gehalten und so waren es nicht nur die ersten drei Songs im Bühnengraben, wir haben für den Rest des Konzerts ausserhalb des Grabens grünes Licht bekommen. Das kommt sehr selten vor und ich freue mich jedes Mal, wenn man die Kamera nicht weglegen muss. Sie hat uns dann auch gleich verraten, welche Highlights uns erwarten – doch auch die wurden später nochmal angepasst und so blieben ein paar Sachen auch für uns Fotografen eine Überraschung.
Im Rahmen der «Unique Moments»-Konzertreihe treten Hecht gleich an zwei Abenden im Landesmuseum auf. Ich bin mit 1800 Hechtfans am ersten Abend mit dabei. Der letzte Auftritt in Zürich war am 26. Oktober 2019, als sie im ausverkauften Hallenstadion auftraten. Stefan Buck, Leadsänger der Band, hat im Eifer des Gefechts einen Rechenfehler gemacht, als er von «vor 24 Monaten und 25 Tagen» sprach, aber das sei ihm verziehen – es kam uns allen länger vor, als es tatsächlich war.
Buck betont, sie hätten heute alle Zeit der Welt. Denn Im Vergleich zu Openairs, wo man sich an die zugeteilte Dauer halten muss, können sie heute so lange spielen, wie es ihnen gefällt. Deshalb hätten sie auch sämtliche Lieder auf die Setlist gepackt, die ihnen eingefallen seien. Und das waren schlussendlich inklusive der zwei Zugaben sage und schreibe 18 Songs!

Es erstaunt mich wenig, dass auch Hecht nach der langen Zwangspause ausgehungert sind und beim Liveauftritt alles geben. Der Stimme des Leadsängers hört man dies gegen Ende auch deutlich an – hoffen wir für die Zuschauer vom nächsten Abend, er verliere sie nicht komplett und bleibt nur etwas kratzig. Auch Chris Filter, Drummer der Band, st angeschlagen. Er und seine Kids leiden derzeit «unter einer leichten Magendarm-Verstimmung», so Stefan Buck. Auf Nachfrage, wie es ihm gehe, meinte er nur: «Ich habe eine Banane bekommen», was beim Publikum prompt grosses Gelächter auslöste. So gesehen hat die Banane wohl den Auftritt gerettet und ist in meinen Augen Held des Abends.
Bei der Bandvorstellung erfahren wir einiges über die einzelnen Künstler und ihre Doppelrollen. Und falls es die jeweiligen Partner bis dahin noch nicht wussten, bekommen sie bei der Gelegenheit mit, was die Herren so bei ihren Bandproben so treiben. Inklusive Vorführung, was Soundengineering denn genau bedeutet. Sie unternehmen auch einen Ausflug in die Anfänge der Band, wie ihr Bassist Philipp Morscher vor 10 Jahren dazustösst.
Sie verzeichneten in der Vergangenheit diverse Erfolge und erhielten einige Auszeichnungen. Auch ohne die Ratschläge anderer zu befolgen. Einer davon war beispielsweise, für mehr Publicity und Aufmerksamkeit in der Schweizer Illustrierten Homestories zu veröffentlichen. Dass sie davon nicht viel halten, kann man sich denken, aber man bekommt es auch geradeheraus von ihnen zu hören.
Hecht ist auch dafür bekannt, neue Songs an Konzerten auszuprobieren. An Festivals sind die Besucher aber mehrheitlich nicht wegen ihnen auf dem Gelände, weshalb das heutige Konzert eine perfekte Testumgebung darstellt. Stefan macht dies relativ klar: Wenn die Fans am Ende der letzten beiden Zeilen noch vor der Bühne stehen, schafft es der Track aufs nächste Album. Stehen aber alle vor dem Bierstand, wüssten sie Bescheid und würden einen neuen Song schreiben. Es sieht so aus, als würden wir «Nimm mich in Arm» auf dem nächsten Album finden. Denn die Fans eilten erst nach «Prosecco» in Richtung Getränkestände und Toiletten, als die Band für einen Change die Bühne verlässt.

Nicht nur die Zuschauer verlassen ab und an ihren Platz, auch die Band tut es ihnen gleich. Stefans Surftripp über den ganzen Platz brachte ihm sogar ein Bier ein. Ganze drei Mal hechten sie auch Mitten ins Publikum. Da ich (wie mein Kollege ab und an zu sagen pflegt) bei der Verteilung der Körpergrösse nicht angestanden bin, sehe ich davon nichts. Andererseits geht es wohl dem Rest der Zuschauer nicht anders und hören nur, was die direkt Umstehenden sehen.
Bevor aber Gisi seinen Weg uns Publikum antritt, macht Stefan deutlich, dass er speziell gute Solos hinlegt, wenn das Publikum ausser Rand und Band sei und die Schmerzen des Engagements noch drei Tage später spüren würden. Gisi gab alles, beim Publikum stelle ich den Schmerzpegel etwas in Frage. «Durch diese hohle Gasse wird er kommen», dachte ich, denn für Gisi wurde ein u-förmiger Weg durch die Menge freigemacht. Aber wie zuvor habe ich den ganzen Spass optisch verpasst – und das, obwohl ich dieses Mal auf einer Plattform stand.
Stefan erwähnte bei einer seiner Ansagen, sie würden auf Gadgets stehen und immer wieder neue Sachen ausprobieren und anschaffen. Ich hätte da einen Vorschlag: ein Monitor, auf dem die Ausflüge ausserhalb der Bühne live übertragen werden – von einer Headkamera beispielsweise. So haben alle etwas davon. Na? Wär das eine Idee für die nächste Shoppingtour? Ich will damit überhaupt nicht sagen, dass die eingesetzten Effekte nicht toll waren. Im Gegenteil: CO2-Kanonen, Konfettischlangen, Riesenballone, Goldregen – und das alles am gleichen Abend!

Definitiv sichtbar für alle war die Performance auf der B-Stage: ein Korb am Kranen, in dem Stefan und Gisi für den Titel «Heicho» gestiegen sind. Und das, obwohl Gisi bekanntermassen an Höhenangst leidet. Doch wie wir bei der Bandvorstellung ja erfahren haben, wird er nach dem Auftritt vier Stunden lang im Backstagebereich mit aufgesetzten Kopfhörern Gin Tonic schlürfen und das Leben feiern.
Nicht nur Hecht fand den Abend herrlich und freute sich sichtlich, wieder auf der Bühne zu stehen. Auch die Konzertbesucher feierten ihre Band aus ganzem Herzen. Es wird lauthals mitgesungen, im Stehplatzbereich und auf der Tribüne wird getanzt bis zum letzten Takt von «Charlotta». Kurz vor 23 Uhr verschwinden sie nach einem weiteren Dankeschön an die Anwesenden ein letztes Mal von der Bühne. Schön war’s. Bleibt zu hoffen, es gehe nicht wieder knapp 2 Jahre, bis sie das nächste Mal in ihrer Heimatstadt auftreten.
Eventdatum: 01.10.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Landesmuseum, Zürich
Veranstalter: Gadget abc Entertainment Group AG
Zuschauerzahl: 1800
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/650-hecht-live-unique-moments#sigProId8434fed709
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