Das Publikum forderte von Klischée eine Zugabe der Zugabe
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Heute wird viel getanzt. Nicht nur auf der Bühne, auch auf dem Vorplatz. Und aus dem Publikum springt jemand auf die Vorbühne für eine Tanzeinlage, die mit viel Applaus honoriert wird.
Es blitzt gewaltig auf der Bühne, als die Show beginnt. Kilian Spinnler (Sequencer und Drumpad) haut auf die Pauke, während VJ Benjamin Kiel die Licht- und Bildshow auf seinem Mac steuert. Pauke weg, dafür erscheinen Bläser und Frontsänger im warmen Scheinwerferlicht.
Klischée ist seit 2011 in der aktuellen Formation unterwegs. Während Dominique Dreier, Kilian Spinnler und Benjamin Kiel optisch eher im Hintergrund agieren, wirbelt William Bejedi umso mehr auf der Bühne herum. Heute Abend wird die Band zudem von zwei Bläsern unterstützt. Der Saxophonist und der Posaunist liefern sich den ein oder anderen Battle – oder halt typisch für Swing: Call & Response.
«Dieser Abend ist als Erinnerung für immer gespeichert, im Herzen für immer archiviert.» William Bejedi
Der Wettergott ist dem Abendprogramm des Zauberparks wohlgesinnt und es bleibt während des Konzerts von Klischée trocken. Zumindest von oben. Manch einer wischt sich eine Schweissperle von der Stirn – und das ist nicht nur William Bejedi, der seinen Körper rhythmisch zu den Swingklängen bewegt. Auch er ist Konditions-Opfer der letzten anderthalb Jahre, wie er uns gesteht.
Aber zu dieser Musik stillstehen? Das kann keiner. Schon gar nicht, wenn auf der Bühne eine Choreografie im besten Boygroup-Style zum Besten gegeben wird. Spätestens als das Publikum für eine Tanzeinlage eingespannt wird, kommt Bewegung in die ganze Menge. Es wird einfach gehalten mit einem John-Travolta-Move aus Saturday Night Fever und zwei Sidesteps.

Ihr Sound ist eingängig – melodiöser Swing mit unterlegten Elektrobeats. Gesungen wird nicht nur in englisch, auch in französisch. Sie bedienen sich aus Stücken der 20er-Jahre und manchmal habe ich für ein paar Takte den Eindruck «oh, das kenn ich», kann ihn aber nicht zuordnen. Das ist auch nicht so wichtig. Mit ihrem Mix erschaffen sie eine ganz eigene Version. Nach einer Stunde kündigt William Bejedi das Ende der Show an, doch die Zuschauer haben noch nicht genug getanzt und fordern eine Zugabe. Gesagt getan, denn auch Klischée haben noch Lust auf mehr.
Bei einem ihrer Titel hat «Gesang» Pause. Diese Gelegenheit ergreift ein Zuschauer, springt auf die kleine Vorbühne und legt eine Tanzperformance hin, die sich sehen lassen kann. Sowohl Band als auch Zuschauer goutierten seinen Auftritt und applaudierten kräftig. Ein Spagatsprung ist krönender Abschluss, bevor Bejedi ihn abklatscht und die Bühne zurückfordert. Wegen seines Outfits dachte ich zuerst, er gehört zum Programm: Hemd, Hosenträger – ob er das geplant hat? William Bejedi begibt erneut Mitten in die Menge – dieses Mal, damit sich alle in die Hocke begeben und in die Höhe springen mit ihm. Sie spielen nochmal eine verlängerte Version einer ihrer Songs, bevor sie sich ganz traditionell in eine Reihe stellen und sich vor dem Publikum verbeugen.
Ich hätte noch viel länger zuhören können und ich scheine damit nicht allein zu sein. Es wird eine Zugabe der Zugabe gefordert, doch dieser lauthals gesungene Wunsch blieb unerfüllt. Die Flutlichter werden angestellt und Musik vom Band ertönt – ein sicheres Zeichen dafür, dass man nicht mehr auf eine erneute Rückkehr hoffen kann. Zumindest nicht am heutigen Abend, aber heute ist nicht alle Tage.
Eventdatum: 27.11.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: The Circle, Flughafen Zürich
Veranstalter: No Ordinary Art - NOA
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/694-das-publikum-forderte-von-klischee-eine-zugabe-der-zugabe#sigProId9e38857dbb
Schreibe einen Kommentar
Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.