Zian geht unter die Haut
Michelle Brügger (szenemagazin.ch)
Tag 9 im Zauberpark Kloten. Der Basler Künstler überzeugt mit tiefgründigen Texten und eindrücklicher Stimme.
Der Vorplatz bei der Bühne ist kurz vor Konzertbeginn ziemlich voll. Ganz vorne linsen ein paar Neugierige unter dem Vorhang durch. Dann wird er aufgezogen und X begrüsst das Publikum, bevor er an Zian übergibt. Doch wo ist er? Als erstes ist nur sein Drummer auf der Bühne, später kommt die Bassistin dazu, gefolgt vom Gitarristen. Keine Spur von Zian. Ob er hinter der Bühne noch sein Raclette fertig isst? Nein, man hört ihn singen. Auf einmal geht ein Jubel durch die Menge, als eine Silhouette mit Hut gesichtet wird.
„Ein Basler auf der Bühne und es ist nicht Baschi.“
Sein erstes Album wird nächstes Jahr am 28. Januar 2022 erscheinen und wir kommen gleich zu Beginn des Konzerts in den Genuss von zwei Titeln ab diesem Album. Die beiden ersten Songs sind eher schwer, meint er, aber er habe auch Lieder dabei, mit denen man sich warmtanzen könne.
Auf einmal bricht er Mitten im Song ab. «Stop, stop, stop. Können wir kurz unterbrechen?”, sagt er. Das Publikum ist etwas perplex. Anscheinend stimmt etwas nicht so ganz und er bittet den Tontechniker, irgendwas höher zu drehen. Zu uns sagt er, keine Angst, er werde den Song nochmal von vorne beginnen – so hätten wir länger was von ihm als geplant. Dafür erntet er Applaus und ein paar Lacher.
Hie und da spielt er mit der alten Hassliebe zwischen Zürchern und Baslern und versucht, dadurch das Publikum zu mehr Interaktion zu bewegen. Als er einen Spruch macht, er sei nicht Baschi, höre ich neben mir zwei junge Frauen sagen: „Zum Glück!“ und ich kann mir das Lachen nicht verkneifen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die tiefgründigen Texte und seine philosophischen Ansichten, die er uns zwischen den Songs mitteilt, zeugen von einem Menschen, der sich viel Gedanken macht. Er ist beispielsweise fest davon überzeugt, dass wir selbst unser grösster Feind sind und wir nicht aufgeben sollen, ihn zu bekämpfen. Auch dazu hat er einen Titel, der vom inneren Schweinehund handelt.
Ich ertappe mich dabei, wie ich meine Kamera baumeln lasse und ihm fasziniert und mit Bewunderung zuhöre. Ok, das komplett blaue Bühnenlicht ist jetzt auch nicht ideal, um zu fotografieren. Aber als er ganz alleine am Keyboard «Show You» spielt, hat er mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich stehe da, lächle vor mich hin, bewege mich leicht zur sanften Musik. Seine Band kommt zurück auf die Bühne und es wird etwas rockiger. Ungewohnt, aber mit seiner rauhen Stimme klingt es nicht schlecht. Er springt auf der Bühne auf und ab.

Im Anschluss möchte er uns etwas erzählen und bringt etwas durcheinander. Er grinst und meint: «Ich bin ausser Atem. Deswegen zu wenig Sauerstoff im Hirn. Ausser Atem sein, das kennt der Baschi gut.» Ich lache wohl etwas zu laut und sehe aus den Augenwinkeln, wie man sich zu mir umdreht. Haben die zwei eine Geschichte miteinander, kennen sie sich… wo haben diese Sprüche ihren Ursprung? Ich habe so viele Fragen, Zian.
Zian gibt noch eine Zugabe, bevor der musikalische Teil des Abends vorbei ist. Vor den Verpflegungsständen bilden sich lange Schlangen – nicht alle machen sich direkt auf den Heimweg. Als ich in Richtung Flughafen spaziere, spitze ich meine Ohren. Hat es den Besuchern auch so gefallen wie mir? Ich bin nicht allein damit, dass dieser Künstler noch eine viel zu kleine Fanbasis hat. Auf Spotify hat er gerade mal 17 Follower, aber immerhin schon 85'000 monatliche Hörer. «Wenn er nächstes Jahr im Hallenstadion auftritt, bin ich dabei», höre ich eine junge Frau sagen. Ich wünsche ihm auch, dass er seinen Bekanntheitsgrad steigern und tatsächlich in den grossen Hallen sein Können zeigen kann.
Eventdatum: 03.12.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: The Circle, Flughafen Zürich
Veranstalter: No Ordinary Art - NOA
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/707-zian-geht-unter-die-haut#sigProId0a0206b39f
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