Den Abend eröffnen Barany. Das ist ungarisch und bedeutet „Lamm“. Ich habe nicht herausgefunden, wie die beiden auf den Namen kamen. Aber was die Brit-Walliserin Tanja Zimmermann zwischendurch erzählt, tönt für eine Zürcherin tatsächlich wie eine fremde Sprache. Sympathisch kommt sie alleweil rüber. So erfahren wir, dass sie gerne Auto fährt. Schnell. Und der Polizei daheim bekannt ist wegen ihres rasanten Fahrstils, den sie in Deutschland mehr geniessen kann. Dann meint sie, ihre Kupplung sei kaputtgegangen und das sei mühsam und… wir sollen doch an den Merch-Stand kommen. Sie seien heute ja in Zürich, das sollte für eine Kupplung reichen.
Nicht nur ihre Spässe sind gut, auch ihre Stimme. Ihr Genre wird dem Dark Pop zugeschrieben, dementsprechend düster ist auch das Bühnenlicht. Später setzt sie sich zu Jonas Ruppen ans Keyboard und das Licht wird wunderbar gestreut - aber das konnte ich nur mit dem Handy fotografieren. Aber sieht es nicht toll aus? Barany sind auf der ganzen Tour als Opener mit dabei und passen vom Stil her perfekt zu Morcheeba.
Das Volkshaus füllt sich zunehmend. Noch ein kurzer Sound- und Lichtcheck und es geht mit Morcheeba weiter. Ihren Stil würde ich persönlich als Sound bezeichnen, bei dem man sich zurücklehnen und abchillen kann. Ein leichtes Kopfnicken im Takt, Zehen wippen und seinen Gedanken nachhängen. Manchmal mit einem Lächeln auf dem Gesicht, manchmal nachdenklich, fast melancholisch trägt mich Skye Edwards Stimme und die Musik durch den Abend.
Doch Morcheeba war nicht immer in dieser Konstellation unterwegs. 2004 trennten sich die Wege von Skye und Morcheeba, um ihre Solokarriere zu starten. Ab da übernahmen die meiste Zeit Gäste das Mikrophon, bis Skye Edwards 2010 wieder zurückkehrte. Nach der Tour mit dem Album «Head Up High» stieg Paul Godfrey 2014 aus. Da sie sich nicht im Guten trennten, war auch nicht klar, ob Skye und Ross den Bandnamen Morcheeba weiterführen können. Deshalb ist das Album von 2016 auch unter dem Namen «Sky&Ross» erschienen und fehlt in der Discography von Morcheeba. Dies scheint sich dann doch noch irgendwann geklärt zu haben, ab 2018 verwenden sie wieder den ursprünglichen Bandnamen.
Skye spielt mit ihrem Tülldress, der sich im Bühnenlicht wunderbar in Szene setzen lässt. Sie wird uns später noch fragen, wie uns ihr Outfit gefällt – und es kommt auch bei anderen gut an. A propos Outfit: Einmal mehr stelle ich fest, dass es den typisch erkennbaren Fan einer Band irgendwie nicht mehr gibt. Vom Skater Boy bis zum herausgeputzten Züri Chick ist alles vertreten. Und sie alle fühlen die Musik - die einen im Takt, die andern ohne jegliches Rhythmusgefühl. Im hinteren Bereich ist sogar Platz für einen Ausdruckstanz.
«The next song is dedicated to Robin and Peter. Thank you for the brunch today» - Skye Edwards
Der Frühstücksbrunch muss toll gewesen sein. Skye strahlt übers ganze Gesicht, als sie den nächsten Song The Sea ihren Gastgebern widmet. Der Titel ist dem Publikum bekannt und sie stimmen im Refrain mit ein. Skye scheint noch mehr zu lächeln als zuvor. Sie warnt uns vor, dass sie jetzt deutsch sprechen werde, auch wenn ihr vollkommen bewusst sei, dass nicht alle hier deutsch sprechen würden. Da wir uns zuvor anscheinend nicht ungeschickt angestellt haben, fragt sie uns, ob wir zusammen singen wollen. Und schwups werden wir als Chor zu Oh Oh Yeah eingesetzt.
Meistens richtet Skye das Wort ans Publikum, Rob Godfrey lässt wohl lieber seine Gitarre sprechen. Aber der nächste Song handle von einem Polizisten in Mexiko. Und trinken. Sie stimmen Blood Like Lemonade an.
«I wish for world peace and legalization of marihuana and magic mushrooms. And I think one cannot be achieved without the other» - Rob Godfrey
Tatsächlich habe ich mich im Laufe des Abends gefragt, ob man bei Morcheebas Liedern unter psychedelic Drugs noch tiefer in eine andere Sphäre eintauchen würde. Ich fühle mich allein schon wegen der Musik schon wie auf Wolke 7, wie hoch schweben da andere im Saal? Auf welche Art auch immer: Morcheeba werden gebührend gefeiert. Das passt, denn Zürich ist gleichzeitig auch das Ende ihrer Europatour. Dennoch hat man ab dem 21. Juni wieder diverse Chancen, sie in Europa an Festivals live zu erleben.
Eventdatum: 06.06.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Volkshaus, Zürich
Veranstalter: Just Because
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