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Liebe und Breakups im xTra

Liebe und Breakups im xTra Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Nicht nur Dean Lewis ist bei den Konzertgängern im xTra ein Begriff, sondern auch Anson Seabra. Vielleicht sagen vielen die Namen nichts, aber von mir käme der typische (und zutreffende) Satz: du kennst mindestens 2 Lieder von denen.

«Ist das nicht der Typ von TikTok?», werden sich ein paar fragen, wenn sie den Song Be Alright hören. Ja und nein. Dean Lewis kam ganz klassisch zur Musik und arbeitete beim australischen Fernsehen als Tontechniker. Vor 8 Jahren unterzeichnete er seinen ersten Vertrag mit einem Musiklabel, bevor er 2016 zu Island Records wechselte. In diesem Jahr wurde seine erste Single Waves veröffentlicht, die in den australischen Charts bis auf Platz 12 kletterte und ihm 8-fach Platin einbrachte. Es folgte 2017 die EP «Same Kind of Different». International wurde man aber erst 2018 auf ihn aufmerksam, als er die mehrfach mit Platin ausgezeichnete Single Be Alright herausbrachte und in mehreren Ländern unter die Top 10 kam. In seiner Heimat schaffte sie es sogar auf Platz 1. Auch das zugehörige Album «A Place We Knew» kletterte auf Platz eins in Australien. Nebst all dem Edelmetall für seine Lieder ist er ein sogenanntes «Billions Club»-Mitglied bei Spotify für Be Alright. Nebst den Charts folgen ihm die Fans aber auch auf YouTube (über 1 Mio. Follower) und TikTok. Dort habe ich ihn vermutlich entdeckt. Oder doch übers Radio? Ich weiss es nicht mehr.

Bei Anson Seabra bin ich mir aber sicher, ihn auf TikTok entdeckt zu haben. Glaube ich zumindest. Zunächst wurde er über Online-Plattformen bekannt, als er 2018 den Song Broken veröffentlichte. Es dauerte 2 Jahre, bis sein erstes Album herauskam: «Songs I wrote in my Bedroom». Seine Art von Musik ist der von Dean Lewis nicht unähnlich – ihn als Warmup zu bezeichnen, ist drum gar nicht so verkehrt. Der Amerikaner wirkt geerdet, authentisch und bekommt mindestens so viel Applaus wie später Dean Lewis. Und das zu Recht.

Schon nach dem ersten Titel meint Anson, er müsse etwas trinken, er sei dehydriert. Das Publikum rastet beinahe aus und Anson findet das amüsant. Wenn wir schon so reagieren, wenn er einen Schluck Wasser nehme, müsse er eigentlich gar nicht singen und den ganzen Abend einfach was trinken. Und fügt an, wir sollen das später bei Dean Lewis auch machen. Den würde das garantiert irritieren und das sei lustig. Später vergleicht er Zürich mal kurz mit Los Angeles. Zumindest, was die Preise für eine simple Pizza Margherita betrifft. Das sei hier ja noch teurer als dort, 25 Franken sei echt hart. Aber er werde nächstens selber auf Europatournee gehen und wiederkommen. Nach einer halben Stunde kündigt er seinen letzten Song an und verschwindet danach mit einem schlichten “Danke, Zürich”.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Deans Texte sind aus dem Leben gegriffen - er bedient sich aber nicht nur an seiner Vergangenheit, sondern auch an Erlebnissen seiner Freunde. In seinem neusten Song How Do I Say Goodbye stellt er zudem die Frage, wie man sich von einem geliebten Menschen verabschieden kann. Bei seinem Vater wurde vor 3 Jahren unheilbarer Krebs diagnostiziert, der ihm nicht mehr viel Zeit lässt. Ehrlicher und emotionaler kann eine Inspiration für einen Song nicht mehr werden. Ehrlich ist auch eines der Stichworte, die voll und ganz auf Dean zutreffen. Schon beim zweiten Titel verpasst er den Einsatz, bricht lachend ab und meint, er hätte es gestern schon vermasselt. Zwischendurch erzählt er uns eine Story über den nächsten Song, aber auch da: er hat die Setlist durcheinander gebracht und hat uns die falsche Geschichte aufgetischt. Flugs korrigiert und später beim richtigen Titel nochmal angesetzt. Vor Small Desaster warnt er uns vor: er verhaue diesen Song jedes Mal. 

Auf einmal rauschen Security an mir vorbei, eine junge Frau wird bewusstlos in Richtung Sanität getragen. Kaum sind sie in den Katakomben verschwunden, unterbricht Dean das Konzert. Bei der Treppe sei jemand bewusstlos zusammengesunken. Wie um alles in der Welt hat er das gesehen? Er fragt übers Mic, ob ihr jemand helfen könne und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die Security wieder angerannt kommt. Es wird aber niemand weggetragen und nach gut 5 Minuten setzt Dean das Konzert fort. Es ist nicht das letzte Mal, dass er unterbricht. Ja, das xTra ist voll. Und in der vorderen Reihe ist es heiss und das Publikum ist eher jung. Dennoch scheint es heute auffällig viele zu haben, die einfach mal kurz zusammenbrechen. Vielleicht nächstes Mal etwas mehr Wasser trinken?

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

A propos Wasser: die Zuschauer haben selbstverständlich auch bei Dean laut gejohlt, als er zwischendurch die Flasche ansetzt. Und wie es Anson vorausgesagt hatte, reagiert er darauf mit einem langgezogenen “okayyyy?”. Ansonsten wiederholt er immer wieder, wie speziell es hier sei, wie sehr er Zürich liebe und wir das beste Publikum der Tour seien. Jaja, wissen wir - das sagen ja schliesslich immer alle.

Dean ist es peinlich, meint er. Alle seine Songs handeln immer von derselben Exfreundin. Und meistens seien sie traurig. Aber er habe auch einen geschrieben, der fröhlich sei. Er habe einfach ein trauriges Ende. Sind wir mal ehrlich: es ist immer eine Person, die uns tiefer geht als alle anderen. Und das scheint bei Dean dann eben diese eine Exfreundin zu sein. Gut für uns, dass sie so viel Material liefert.

Seine heutige Setlist beinhaltet nicht nur ältere Titel, sondern auch Songs seines neusten Albums. Und mehr als einmal meint er, vermutlich würden wir die noch nicht so gut kennen. Er hoffe, beim nächsten Mal würden wir die genauso lauthals mitsingen wie die anderen Titel. 2019 trat er noch im Papiersaal auf, jetzt im vollen xTra. Ob es nächstes Mal eine noch grössere Halle wird, wenn er wiederkommt? 

 

 

 

Eventdatum: 07.10.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  xTra, Zürich

Veranstalter: Just Because

 

  

Publiziert in Konzert