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Der Einsatz war niedrig, der Score umso höher

Der Einsatz war niedrig, der Score umso höher Nils Blattner / szenemagazin.ch

Die Tabellenletzten sind zu Gast bei den Zweitletzten. Zu sehen bekommen die Fans ein Feuerwerk von Emotionen und 11 (!) Touchdowns. 

Für beide Mannschaften steht ein Einzug in die Playoffs ausser Frage, sie kleben nahezu am unteren Ende der Tabelle. Der einzige Sieg auf dem Konto der Gladiatoren war in Bern und die Grizzlies konnten noch gar keinen «Win» verbuchen. Viele der Spiele beider Mannschaften waren zwar knapp, trotzdem ist das Resultat für die noch amtierenden Meister hart. Anfangs Saison ist eine grosse Zahl an Leistungsträgern zum ELF-Team der Guards abgewandert und zuletzt sind der Quarterback und Coach zu den Renegades gezügelt. Kurzum: es kriselt. Bei den Baslern sieht die Ausgangslage nur leicht besser aus. Mit der Verpflichtung von Skylar Noble wurde die Offense um die Dimension Pass stärker. Trotzdem ist der Zug «Playoffs» schon abgefahren.

Die Berner dürfen mit einem guten Return zur Mittelline starten, mit einem «incomplete pass» beim dritten Versuch ist aber schon wieder Schluss. Die Basler starten von der eigenen Vier-Yards Linie und haben zuerst ebenso wenig Erfolg und auch sie müssen gleich punten. Mit dem kurzen Punt starten die Grizzlies in grandioser Feldposition und haben lediglich etwas mehr als 30 Yards vor sich. Ein guter Run bringt sie etwas näher, die Verteidigung der Gladiators hält aber knapp vor der Redzone stabil. Das Field Goal ist knapp innerhalb der «uprights», die Gäste kommen zuerst aufs Board. Die Antwort der Gladiators ist abwechslungsreich: ein langer Pass auf #18 Regenass, noch einer auf #1 Bianchi kommt aber zurück aufgrund einer illegalen Formation. Nach einem kurzen Wurf auf #6 Wallisch muss #11 Noble zeigen, dass er auch selber schnell unterwegs ist und holt 20 Yards mit einem Scramble. Ach das Laufspiel gibt es auch noch, #33 Sany rennt sich aber zwei Mal schnell fest, Laufverteidigung können die Grizzlies. Auch ein «jet sweep» wird sogar hinter der Scrimmage-Linie gestoppt. Dabei kommt ein Receiver von einem Ende des Spielfelds in einer sogenannten Jet Motion, der Quarterback erhält den Ball, um den im vollen Sprint dem Receiver zu übergeben. Beim Field Goal-Versuch gibt es dann aber das charakteristische «Doink», der Ball trifft den rechten Pfosten und es bleibt beim 0:3.

Die Gäste geben den Ball direkt  wieder mit einem «three and out» zurück. Beim Start des zweiten Quarters könnte man meinen, es handelt sich nicht um Football, sondern «heisse Kartoffel»: Die Gladiators geben den Ball mit einem «turnover on downs» zurück an die Grizzlies, welche gleich wieder punten und ihn auch zurückgepuntet kriegen. In der eigenen Spielhälfte setzen sich die Berner dann mit ein paar Flaggen selbst ein Ei und punten erneut. Ein Personal Foul der Basler negiert einen wunderschönen Return von rund 20 Yards. Nach einigen schönen Pässen wird dann #18 Regenass in der Endzone am Passfang behindert. Mit der «pass interference» sind die Basler in top Position vor der Endzone. Die Gladiators versuchen nun einen «flea flicker». Dabei erhält ein Receiver den Ball rückwärts, um ihn direkt einem anderen, entgegenlaufenden Receiver rückwärts zu übergeben. Wichtig sind dabei zwei Dinge: Der Ball darf beim Football nur einmal nach vorne, aber beliebig oft zurückgeworfen werden. Und der zweite Receiver muss gut werfen können. In diesem Fall handelt es sich um #6 Wallisch, den zweiten Quarterback, der den Receiver jedoch knapp verfehlt. Mit einem Pass über die Mitte kommen die Gastgeber dann noch etwas näher, bei einem Passversuch sieht #11 Noble eine Lücke vor sich und rennt durch: Touchdown Gladiators.

Die Gäste werden erneut schnell gestoppt, heraus sticht ein «lead right» der Berner. Dabei rennen die dicken Jungs von der linken Seite der Offense Line nach rechts als Vorblocker für den Running Back #20 Wehrli. Dabei bleibt aber ein Verteidiger von der linken Seite ungeblockt, so kann #8 Clulow den Runningback tief Backfield umnieten. Da die Gladiators in dieser Phase fleissig Timeouts genommen haben, sind beim Berner Punt noch über zwei Minuten in der ersten Halbzeit übrig. Apropos Punt, die #68 Bourrut streckt sich und kann den Ball blocken und die Basler sichern sich den Ball in der gegnerischen Redzone. Die versuchen erneut einen «flea flicker», diesmal kommt der Ball an, aber ohne signifikanten Raumgewinn. Danach hat der QB extrem viel Zeit, bis sich #6 Wallisch in der Endzone frei rennen kann, Touchdown und es steht 14:3 nach dem Zusatzpunkt. Jetzt geht es Schlag auf Schlag, die #12 Böhler der Gladiators kann einen Berner Pass abfangen und direkt in die Endzone tragen: «pick six» und es steht 21:3 mit etwas über einer Minute auf der Uhr. Die letzten Sekunden laufen dann auch aus und die Mannschaften verziehen sich zur Lagebesprechung.

 

Gladiators Grizzlies 10.06.2023 Nils Blattner szenemagazin 0017

 

Die zweite Halbzeit startet mit einem wunderschönen Pass auf #83 Riepl. Er wird nach rund zwanzig Yards getackelt und verliert den Ball. Der Ball springt dann weiter nach vorne und ins Aus. Dabei springt ein Berner auf den Ball und rutscht mit. Die Schiedsrichter geben den Fumble und «recovery» durch Bern, Ballbesitzwechsel! An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Disclaimer geben: Ich habe gegenüber den Schiedsrichtern den Vorteil, dass ich Bild für Bild durchgehen kann. Der Ball wurde erst auf der Linie berührt und Kontrolle über den Ball erst ausserhalb des Spielfelds erreicht. Es handelt sich also um eine Fehlentscheidung, die natürlich innerhalb von Millisekunden getroffen wurde. Der grosse Nachteil daran ist aber, dass es zu Diskussionen zwischen Schiedsrichtern, Spielern und Coaches führt. Die Verzögerung wird nicht die letzte sein und hat dem Spiel eine leicht bittere Note gegeben. Die Berner sagen aber «Danke» und holen sich mit einem riesen Sweep durch die #2 Jones ihren ersten Touchdown, es steht 21:10.

Nach einigen schönen Würfen auf #83 Riepl haben die Basler die Distanz zur Endzone verkürzt und ein Pass in die linke Endzone prallt vom Helm des Berner Verteidigers ab und kann von #18 Regenass beim Rebound gefangen werden. Beim anschliessenden Return erhascht #2 Jones über die linke Seite etwas Freiraum. Die «open field tackles» der Basler sind bei diesem Spielzug katastrophal und Jones bricht durch jeden durch: Kickoff Return, Touchdown! Aber erneut zeigt #68 «Stan the man», wie gross er ist und blockt den «point after touchdown»: es steht 28:16. Der Kickoff der Berner rollt ins Aus, was eine Flagge und gute Feldposition für die Gastgeber mit sich bringt. Ein Mix aus Pass, Run und QB-Magic bringt sie schnell in die gegnerische Hälfte und sie klopfen erneut für Punkte an. #11 Noble holt sich die dann auch gleich mit den Beinen: 35:16. Der Berner #21 Stieger ist darüber so ungehalten, dass er ein «personal foul» kassiert, welches beim Kickoff abgerechnet wird.

Nach zwei Offsides der Basler und ein paar guten Pässen der Berner startet das letzte Quarter mit einem Regenbogen für die Berner in der Redzone. Sie brauchen dringend Punkte und zwar am besten Touchdowns, deshalb gehen sie volles Risiko und spielen sogar einen vierten Versuch aus. Doch ohne Erfolg und müssen den Ball punktelos abgeben. Das letzte Quarter wird von den Baslern kontrolliert, sie wollen nicht einfach auf dem Vorsprung sitzen bleiben, sondern verlängern. Jet Sweep #1 Bianchi: 42:16. «Three and out» bei den Bernern. Punt return von #20 Born für 50 Yards, dann Pass nach rechts auf #1 Bianchi, der kann einen Tackle brechen: Touchdown 49:16. Die Grizzlies stellen dann zwar einen sehr guten Drive mit viel Abwechslung, müssen aber einen vierten Versuch in der Hälfte der Gastgeber ausspielen und geben damit den Ball ab. Die Basler werfen den Ball mit einem Running Back Screen über die Mitte auf #20 Born, der unberührt durch die Berner zu einem weiteren Touchdown für die Gladiators rennen kann: 56:16. Vom Regen in die Traufe für die Berner. Der Running Back verliert beim ersten Spielzug den Ball, der von den Baslern gesichert wird. Erneut grandiose Feldposition für die Gastgeber, welche durch den QB gleich selbst in Punkte umgesetzt werden: 63:16 Schlussresultat.

Der Score spiegelt vielleicht nicht ganz das effektive Kräfteverhältnis wider. Aber viele Fehler in brenzligen Situationen durch den jungen Berner Kader und das nötige Risiko beim hohen Rückstand haben ihr Übriges zum Spielgeschehen beigetragen. Die restlichen Spiele der Berner sind eher gegen stärkere Gegner. Ohne Wunder werden sie die Saison 23 auf dem Schlussrang abschliessen. Die Gladiators konnten sich nun mit dem zweiten Sieg vom Tabellenboden lösen. Im letzten Spiel gegen Winterthur am 24.6. wird es um nichts mehr gehen.

 

 

 

Gladiators Basel vs. Bern Grizzlies: 63:16 (9:2) 

Details zum Spiel: SAFV

 

Eventdatum: 10.06.2023

Fotograf:  Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Stadion Rankdorf, Basel

Veranstalter: Gladiators Basel

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Nils Blattner
Publiziert in Sport

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