Finaleinzug zum 18. Mal in Serie für die Calanda Broncos
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Zwei Wochen nach der herben Niederlage im CEFL-Final gegen die Thonon Black Panthers stehen die Calanda Broncos wieder auf dem Feld. Heute Abend geht es um den erneuten Finaleinzug, dieses Jahr gegen die Thun Tigers.
Für einmal ist die Anreise wieder interessant und mein Blick konzentriert sich auf Anzeigen im Auto. Beim Spiel gegen die Winterthur Warriors war es die Ankunftszeit, die mich auf Trab hielt. Heute Nachmittag ist es jedoch die Restreichweite. Kurz nachdem ich losgefahren bin, zeigt mir der Blick auf die Tankanzeige: «du hast da was vergessen». Naja, egal, in Chur hat es ja auch eine Tankstelle und es reicht noch für 211 Kilometer bei zu fahrenden 240 Kilometern. Während ich in Egg auf die Forchautobahn auffahre, sind es 218 Kilometer Restreichweite, an Flums vorbeigefahren dann noch deren 196. In Chur angekommen besagt die Anzeige, dass ein Tanken nicht nötig ist, denn ich habe noch 165 Kilometer übrig. Am Ende des Berichtes erfahrt ihr dann, mit wieviel ich dann zu Hause angekommen bin. Die Parkuhr eingestellt mache ich mich auf den Weg zum Stadion. Schon auf dem Parkplatz denke ich mir, das hat noch viele leere Plätze. Vor der Kasse und dem Eingang sind keine Leute, die anstehen. Sind alle vom letzten Spiel derartig enttäuscht, dass sie den Broncos heute fernbleiben, oder könnte es doch am Ferienanfang liegen?
Die Thun Tigers eröffnen mit ihrem Kick das Spiel. Die Calanda Broncos können sich ein erstes Mal in die Redzone der Tigers vorkämpfen. Bei viertem und etwa 6 Yards für ein neues First Down stehen die Broncos an der 15 Yard-Linie. Sie entscheiden sich für einen Fieldgoal-Versuch und können nach erfolgreichem Kick die ersten drei Punkte schreiben. Es sind im ersten Viertel noch 6:57 Minuten zu spielen. Die Tigers laufen in ihrem ersten Run an der Calanda-Defense auf und müssen bereits im ersten Down bei vierten und noch drei zu gehen, punten. Ein paar Thun Fans haben sich nach Chur «verirrt» und feuern nun ihre Defense-Line an. Ein Blick in Richtung Tribüne zeigt, die Schattenplätze sind belegt, alles andere ist leer. Es sind geschätzt 250 – 300 Zuschauer im Stadion. Erneut stürmen die Gastgeber in mehreren Zügen über das Feld und stehen wieder in der Red-Zone der Tigers. Bei drittem und drei Yards to go und fünf Yards von der Grundlinie entfernt kann Robin Sennrich den Ball nicht halten und lässt ihn fallen, wo er von den Thunern gefumbelt wird. Eine bittere Sache, so kurz vor den nächsten Punkten den Ball abgeben zu müssen. So nahe der Grundlinie spornt das die Broncos-Defense an, einen Safety zu erzwingen. Aber ein Frühstart von ihnen vergrössert die Distanz zur Grundlinie um weitere fünf Yards. Genau jetzt ist das erste Viertel durch und es kommt zum Seitenwechsel.
Die Gäste kommen nicht vom Fleck. Sie müssen bei viertem und fünf Yards to go aus der eigenen Endzone heraus punten. Wenn hier nur etwas schiefgeht, könnten die Gastgeber den nächsten Touchdown feiern. Der Punt ist gut, mehr oder weniger. Er verlässt zumindest die Endzone, fliegt aber nicht allzu weit und rollt an der 35 Yard-Linie aus. Erneut können die Broncos ohne grössere Gegenwehr durchlaufen und zu guter Letzt trägt Robin Sennrich den Ball selbst in die Endzone zum ersten Touchdown bei verbleibenden 7:09 Minuten in der ersten Halbzeit. Wieder sind die Tigers im Angriff und Nicolas Leibundgut wirft einen ordentlich langen Pass. Dieser kommt jedoch bei Andre Blackett Jr. an. Die Interception reicht ihm nicht und er läuft zusätzlich noch ca. 30 Yards nach vorne, bevor er gestoppt werden kann. Der Neustart für die Broncos findet an der gegnerischen 26 Yard-Linie statt. Der nächste Touchdown folgt, wieder läuft Robin Sennrich selbst in die Endzone. Dank dem passenden Fieldgoal steht es nun 17:0 bei noch knapp drei Minuten zu spielen. Mir ist aufgefallen, dass Maxwell Gray zwar zu Spielbeginn zum Coin-Toss eingelaufen ist, jetzt aber nur noch am Spielfeldrand steht. Ich erfahre von ihm, dass er krank war und sich noch davon erholt. Es wäre noch zu früh, um schon zu spielen, meint er. Es kommt wieder zu einer Interception durch Patrick Grand. Selome Adzayi trägt mit seinem Laufspiel den Ball bis zur Thuner 15 Yard-Linie. Touchdown-Hattrick für Robin Sennrich 29 Sekunden vor der Pause. Jetzt beginnen die Broncos auch noch zu experimentieren und versuchen sich an einer Two-Point Conversion. Robin läuft nach links und wirft den Ball nach rechts, jedoch immer noch hinter der Line of Scrimmage. Dadurch kann der Ball erneut geworfen werden, diesmal nach vorne zu Niklas Sass, der bereits in der Endzone steht und die beiden Punkte zum 25:0 einsackt.

Zukünftiger Kameramann Maxwell Gray
Die Cheers zeigen heute keine Halftimeshow, da sie sehr stark reduziert anwesend sind. Dies soll sich jedoch für den Swiss Bowl dann wieder ändern. Die Tigers beginnen das dritte Viertel und müssen eine weitere Interception durch Matthias Tannò hinnehmen. Nun wird mehrfach Amel Adjovi lanciert, welcher sich immer wieder mit Läufen über das Feld kämpft. Zu guter Letzt trägt er den Ball in die zum 31:0. Nach seinem Touchdown und erfolgreichem Fieldgoal zum 32:0 sind noch 2:32 Minuten im dritten Viertel zu spielen. Ich frage mich, ob sich Florian Kauz statt mit Sonnenschutz mit Vaseline eingeschmiert hat. So einfach wie er gerade durch die Broncos Defense-Line flutscht, könnte man dies schon meinen. Wir werden Zeugen eines schönen QB-Sacks. Tobias Senn springt seitlich auf Nicolas Leibundgut und bringt ihn zu Boden. Nach versuchtem Passspiel von Nicolas auf Pascal Rohrer, sind die Tigers beim vierten Versuch noch ca. 14 Yards von einem neuen First Down entfernt. Sie stellen sich auf und ich denk noch, die werden den ja sicher nicht ausspielen, sondern ein Fieldgoal versuchen. Warum auch immer, sie spielen den Versuch aus und müssen nach einem Incomplete Pass das Angriffsrecht wieder ohne Punkte an die Broncos abtreten. Es sei hier noch erwähnt, wir sind seit bald zwei Minuten bereits im letzten Viertel. Während des Spiels fallen mir zwei Thun-Spieler auf, die ein Zusatzpolster um ihren Helm haben, was mich von der Struktur her an eine Handgranate erinnert. Diese zusätzliche Polsterung wird als Guardian-Kappe bezeichnet. Hergestellt von Guardian, einem Unternehmen mit Sitz in Peachtree Corner, Georgia, dient die Kappe als weiche Barriere zwischen dem Kopf des Spielers und dem Aufprall. Laut NFL-Daten absorbiert die Kappe mindestens 10% der Kraft eines Aufpralls auf den Helm.
Die Broncos stehen bei viertem und acht Yards to go an der 25 Yard-Linie der Tigers. Dies wäre erneut eine prädestinierte Situation, um ein Fieldgoal zu kicken. Sie entscheiden sich aber auch hier zu experimentieren. Robin Sennrich hat mit dem in die Endzone laufenden Selome Adzayi einen möglichen Passempfänger. Er wird dann doch zu gut von den Tigers gedeckt und kann den Ball nicht fangen und kontrollieren. Noch 3:41 Minuten sind zu spielen und die Thun Tigers können an der eigenen 25 Yard-Linie ihren nächsten Run starten. Zeitgleich beginnt es zu tropfen. Es soll um halb neun richtig schütten gemäss Regenradar, also macht bitte vorwärts, ich will nicht nass werden. Die Two-Minute Warning bringt ein Timeout, das beide Teams nochmals nutzen, um die Strategie zu besprechen. Doch die Thuner machen sich das Leben gerade selbst schwer. Sie kassieren zwei Strafen hintereinander wegen Holdings und Frühstart. Sie können im dritten Versuch einen Grossteil der Distanz zum neuen First Down überwinden, bleiben jedoch einen Yard short und haben vierten und eins to go. Hierfür haben sie noch 47 Sekunden Zeit. Timeo Hirschi kann nicht nur diesen einen Yard überwinden, er flutscht wieder regelrecht durch die Broncos-Defense hindurch und lässt die Chain-Crew den Down-Marker an der gegnerischen 12 Yard-Linie platzieren. Zum Schluss werden die Timeouts noch verbraten. Bereits zum dritten Mal wird das Spiel pausiert, um die Strategie zu besprechen. Inzwischen sind die Thuner bei noch 19 Sekunden zu spielen im vierten und sechs, acht Yards von der Grundlinie entfernt. Sie wollen unbedingt noch den Ehrentouchdown erzielen. Neun Sekunden vor Spielende können die Tigers den anvisierten Touchdown dann realisieren.
Beide Teams haben heute für meinen Geschmack schwach gespielt. Dafür, dass es heute eigentlich um die «Wurst» geht, wer im Final dabei ist, haben sie sehr verhalten gespielt. Hier muss von Seiten der Bündner noch mehr als ein Zahn zugelegt werden, damit sie am nächsten Samstag gegen die Basel Gladiators erfolgreich sind. Dann wird nicht nur der Swiss Bowl in Chur ausgetragen, auch der Junior Bowl findet ebenfalls statt. Um 14:00 Uhr treten die Calanda Broncos U19 gegen die Bern Grizzlies U19 an. Anschliessend um 18:00 Uhr folgt das Finale der Broncos gegen die Gladiators, über das wir berichten werden.
Zum Schluss komme ich wie versprochen nochmals zur Restreichweitenanzeige zurück: Als ich zu Hause ankomme, habe ich noch 87 Kilometer auf der Anzeige.
Calanda Broncos vs. Winterthur Warriors 39:14 (5:2)
Eventdatum: 05.07.2025
Ort: Rasensportstadion Obere Au, Chur
Veranstalter: Calanda Broncos
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Zuschauer: 250 - 300
https://www.szenemagazin.ch/sport/item/1429-finaleinzug-zum-18-mal-in-serie-fuer-die-calanda-broncos#sigProId90a4822180
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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