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Volles Risiko im Halbfinal

Volles Risiko im Halbfinal Nils Blattner / szenemagazin.ch

Beim Halbfinal geht’s um alles, beide Mannschaften gehen volles Risiko. Auch wenn die Teams immer wieder Situationen für sich entscheiden, behalten die Gastgeber letztendlich die Oberhand.

An diesem wunderschönen Sommerabend in Basel brutzelt die Sonne fast ohne Wolken. Die tabellenzweiten Gladiatoren empfangen die drittplatzierten Grizzlies. Sie stehen sich zum dritten Mal in der Saison gegenüber und beide bisherigen Spiele gingen knapp an die Basler. Mitgebracht haben die Berner ein paar Dutzend Fans, die Fahnen schwingen und mit allerlei Hilfsmitteln Lärm machen wollen. Nach dem Münzwurf steht fest: Die Gäste dürfen starten.

Nach einem ersten soliden Laufspielzug wird der zweite aber direkt hinter der Linie gestoppt und auch der dritte Lauf kommt nach zwei Yards ins Stocken. Der Angriff der Gastgeber ist vor allem für das Passspiel bekannt und das kommt mit ein paar kurzen Pässen anfangs auch in die Gänge. Nach einem ersten First Down folgt aber auch bei ihnen die Ernüchterung. Ein grosser Verteidiger kann den Ball in der Luft ablenken und die sonst so fangsicheren Basler Receiver lassen sichere Bälle fallen. Auf den Punt folgt ein erneuter Berner Drive ohne signifikanten Raumgewinn und Punt zurück. Im Anfangsviertel sind vor allem die beiden Verteidigungen stark und lassen nicht viel zu. So auch der Berner Linebacker Buri. Er kommt wie ein Blitz durch die Basler Offense-Line durch und kann deren Quarterback Noble hinten sacken. Postwendend, wieder unter Bedrängnis, wirft er den Ball in Richtung Riepl. Der fängt den Ball Millimeter über dem Boden zum neuen ersten Versuch. Aber so ganz richtig in Bewegung kommen die Basler auch jetzt nicht, so heisst es dann gleich «vierter Versuch und sieben Yards». Dass das Spiel wichtig ist, zeigt der Entscheid, den vierten Versuch auszuspielen. Der Pass auf Riepl wird aber in letzter Sekunde vom Berner Mischler abgewehrt und die Grizzlies erhalten das Angriffsrecht. Und wieder starten sie respektabel mit einem Option Spielzug. Dabei hat der Quarterback die Möglichkeit den Ball abzugeben oder zu behalten. Er behält und rennt selber für 15 Yards. Die Wiederholung wird dann aber schnell gestoppt und beim anschliessenden Pass passiert der GAU: Der Basler Ziegler kann den Ball abfangen.

Nachdem im ersten Quarter bei beiden Mannschaften offensiv nicht wirklich viel passiert ist, geht es bei den Baslern gleich weiter. Die einzigen Lauf-Yards kommen vom Quarterback und die Hände der Receiver sind nicht so verlässlich wie anderntags. So steht es erneut «vierter Versuch und fünf Yards» und die Gastgeber sind erneut entschlossen, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Und diesmal klappt es: Noble hat lange Zeit und kann über die Mitte seinen Ballfänger Regenass finden. Aber es bleibt harzig und ein erneuter vierter Versuch folgt. Die letzten Yards holen sie mit dem ersten Laufspielzug der Gladiators, Noble rennt nach rechts und holt nicht viel mehr. Dann geht alles schnell, die letzten 8 Yards überbrücken sie wieder mit einem Wurf, Regenass fängt den Ball in der linken Endzone zum ersten Touchdown: 7:0. Die Berner kommen nach ein paar guten Laufspielzügen erneut ins Stocken und geben das Angriffsrecht gleich wieder ab. Und auch die Gladiators kommen erneut nicht in die Gänge und spielen einen weiteren vierten Versuch aus. Diesmal in der eigenen Spielhälfte, also wirklich volles Risiko. Die Berner Defense nimmt die Chance ernst, sie kriegen den Basler Quarterback noch im Backfield zu Boden und geben ihrem Angriff eine tolle Feldposition. Weit von der Position weg kommen sie aber nicht, mit ein paar Läufen schaffen sie es rund neun Yards in Richtung Endzone. Dann verliert der Quarterback den Ball, kann ihn aber selber wieder aufnehmen und geht zu Boden ohne Raumgewinn. So risikobereit wie die Gastgeber sind sie nicht und schiessen ein Fieldgoal: 7:3. Aber auch die sind es nicht mehr und punten zum ersten Mal in den letzten zwei Minuten der ersten Halbzeit. Dank exzellenter Passverteidigung von Born kommen aber auch die Berner erneut nicht vom Fleck und punten zurück. Die letzten Sekunden stehen die Gladiators tief in ihrer eigenen Platzhälfte und werden bedrängt. Es bleibt aber beim 7:3.

 

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch) 

 

Nachdem beide Mannschaften in der ersten Halbzeit vor allem durch gute Defense-Arbeit geglänzt haben, möchten die Gastgeber die zweite Hälfte anders starten. Der Passfänger Bianchi hat beim ersten Spielzug ab Scrimmage einen Schritt Abstand zu seinem Verteidiger, fängt den Ball im Sprint und bremst erst in der Endzone: 14:3. Beim anschliessenden Kick-Off fliegt der Ball rund 20 Yards und irgendwie fühlt sich kein Berner verantwortlich dafür. Beim Kick-Off ist der Ball nach 10 Yards frei und so sichert sich ein Basler den Ball. Mit der Euphorie des wunderbaren Starts in die zweite Halbzeit kann auch Riepl den tiefen Pass in der rechten Endzone fangen: 21:3. Die Berner sind sichtlich frustriert ab der plötzlichen Wendung. Deswegen ziehen sie nun einen Spielzug aus der Trickkiste. Beim Kick-Off Return übergibt der Returner den Ball an einen Kollegen, der den Ball rückwärts wieder zurückwirft. Die Basler lassen sich nicht beeindrucken und sichern den Tackle tief in der Berner Platzhälfte. Die Halbzeitpause wurde wohl beim Berner Angriff genutzt. Sie kommen zwar unter schlechten Sternen in die zweite Hälfte, die Anpassungen fruchten aber. Erst kommen sie mit einem vorgetäuschten Lauf und anschliessenden Wurf locker zwanzig Yards weit, danach kommen sie endlich auch mit dem Laufspiel weitere zehn voran. In der Feldmitte ist dann die Spielzugwahl wieder eindimensional, der Quarterback behält den Ball und beim vierten Versuch wird er auch noch zurückgedrängt. Mit dem Ballbesitz machen die Basler aber, ganz in Manier der ersten Halbzeit, nichts. Und auch umgekehrt gelingt den Grizzlies nichts. Auch wenn das Scoreboard einen gewissen Druck auf sie ausübt, punten sie trotzdem.

Nachdem der Basler Bianchi einen langen Pass auf der Mittellinie fangen kann, flutscht ihm ein weiterer durch die Hände. Dahinter steht aber der Berner Weber und kann den Ball abfangen: Interception. Aus dieser Situation können die Grizzlies endlich wieder Punkte machen. Unter lautem Geschrei der Basler Fans bewegen sie sich mit kurzen Laufspielzügen langsam in Richtung Endzone, müssen sich dann mit einem weiteren Fieldgoal zufriedengeben: 21:6. Die Gäste sind in Zugzwang und so versuchen sie einen Onside Kick. Sie versuchen den Ball genau zehn Yards weit zu kicken und ihn dann wieder zu erobern. Der Basler Walde passt aber auf und kann den Ball sogar 15 Yards zurücktragen. Aus der grandiosen Situation machen sie aber nichts: vier Pässe nacheinander finden ihr Ziel nicht. O’Leary kann auf der anderen Seite mit einem tollen Fang nach 10 und weiteren 20 Yards auf den Beinen die Berner gleich wieder zur Mittellinie befördern. Und gleich darauf kann er, von zwei Baslern gedeckt, einen weiteren Ball zum ersten Mal in der gegnerischen Redzone fangen, um mit dem dritten Fang zwei Yards vor der Endzone zu Fall zu kommen. Für die letzten Yards wird dann wieder die Brechstange ausgepackt, der Ball berührt gerade die Linie, es reicht zum Touchdown. Damit sie auf 7 Punkte herankommen, versuchen sie eine Conversion, also gleich nochmals von zwei Yards aus über die Endzone rennen oder werfen. Das gelingt ihnen aber nicht, es bleibt beim 21:12. Die Berner versuchen nun erneut einen Onside Kick, ein Basler will den Ball fangen und signalisiert mit Winken, dass er nicht rennen wird. Ab dem Moment darf er nicht mehr am Fangen gehindert werden. Ein Berner hat das wohl nicht gesehen und haut ihn um. Mit den resultierenden 15 Yards Strafe haben die Gladiators eine top Feldposition, die sie mit ein paar Würfen noch verbessern. Den Abschluss macht Riepl, der den Ball beim Absitzen in der Endzone fangen kann: 28:12. Die Gäste haben nun noch zwei Minuten, um zwei Touchdowns und zwei Conversions zu scoren. Den ersten Schritt machen sie, rennen stetig mit Stoll in Richtung Endzone. Dann erhalten sie Unterstützung durch eine Flagge: Ein Berner Receiver fängt den Ball hoch in der Luft und wird bei der Landung vehement von einem Gladiator umgenietet. Die Schiedsrichter haben bisher nur eine Hand voll eingegriffen. Hier sehen sie aber ein Targeting, also dass der Verteidiger mit seinem Helm voran in Richtung des gegnerischen Helms geht. Das ist in dem Moment eine dreifache Bestrafung, neben der eigentlichen Yards-Strafe ist der Spieler automatisch vom Spiel disqualifiziert und wird im Swissbowl wohl ebenfalls fehlen. Durch eine Pass Interference stehen die Grizzlies nur noch einen Yard vor der Endzone, den Stoll zum Touchdown reinrennt. Aber auch diese Conversion schaffen sie knapp nicht und es bleibt beim 28:18. Ein Berner Ex-Mercenary lässt seinen Frust in Richtung eines Schiedsrichters los und wird dafür postwendend vom Platz gestellt. Die Grizzlies stehen damit immer noch zwei Scores hinten, haben rund eine Minute Zeit übrig, um die zu überbrücken und stehen mit dem Rücken an der eigenen Endzone. Diesmal gelingt aber der Onside Kick, es bleibt also noch eine klitzekleine Chance. Der anschliessende lange Pass kann aber vom Gladiator Schaub abgefangen werden und löst die Spannung im Stadion mit dem 28:18 Endresultat.

Die Partien zwischen den Grizzlies und den Gladiators sind traditionell hart umkämpft und auf dem Platz wird um jeden Inch gefochten. So war es auch heute. Die Berner konnten sich vom Start der zweiten Halbzeit nicht mehr erholen und mussten aus dem Lauf- ins Passspiel wechseln. Obwohl atypisch viele Würfe der Gladiators nicht ihr Ziel fanden, war deren Offense doch besser eingespielt. Nächsten Samstag geht es für sie nach Chur gegen die Broncos in den Swissbowl. Ich bin gespannt, ob da die Risikobereitschaft gleichwohl da ist und ob die dann auch belohnt wird.

 

 

Gladiators Basel vs. Bern Grizzlies: 28:18 (4:2)

 

Eventdatum: 05.07.2025

Fotograf:  Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Stadion Schützenmatte, Basel

Veranstalter: Gladiators Basel

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Nils Blattner
Publiziert in Sport

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