free website hit counter Szenemagazin - Wenn Sportveranstaltungen als Frust-Ventil herhalten müssen

Wenn Sportveranstaltungen als Frust-Ventil herhalten müssen

Wenn Sportveranstaltungen als Frust-Ventil herhalten müssen Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Nein, dieses Mal sind wohl alle sanitären Anlagen heil geblieben. Aber da das Spiel zwischen den ZSC Lions und dem Fribourg-Gottéron HC nicht so packend war, wanderten meine Gedanken. 

Reden wir tacheless: Ausser den ewig langen Video-Reviews der Schiedsrichter bei 2 von den 4 Toren ist mir von dieser Partie wenig bis gar nichts in Erinnerung geblieben. Es ist schon eine Weile her, seit ich einen dermassen langweiligen Match gesehen habe. Zwischendurch hatte ich schon fast das Bedürfnis zu applaudieren, wenn ein Pass sein Ziel erreicht hat. Kein Druck, null Energie in diesem Spiel. Und einmal mehr hat der Gastgeber bis zu den letzten paar Minuten gewartet, um nicht nur anwesend zu sein, sondern auch tatsächlich zumindest ein bisschen Effort zu zeigen. Harsch? Vielleicht. Aber hätte ich nicht bis zur Schluss-Sirene warten müssen, weil ich einen Bericht schreiben müsste… ich wäre wohl spätestens nach dem 2. Drittel nach Hause gefahren. Geändert hätte es auch nicht viel, wenn ich gegangen wäre. Und das steigert meine Reue nur noch, aus Pflichtgefühl ausgeharrt zu haben.

«Da lässt aber jemand gerade seinen Frust ab, hm?», höre ich euch sagen. Vielleicht, ja. Es ist halt wirklich frustrierend, wenn deine Herzensmannschaft nicht die Leistung zeigt, zu der sie fähig wäre. Nicht mal ansatzweise. Aber immerhin bin ich nach der Niederlage nicht in eine der sanitären Anlagen gelatscht und habe Toiletten zertrümmert, wie das im Zürich-Derby im Game zwischen den Lions und dem EHC Kloten passiert ist. Was bitteschön hat das mit Sport zu tun? Wie um alles in der Welt kommt man als Fan auf die Idee, nach einer verlorenen Partie mutwillig Sachbeschädigung zu begehen oder auf die gegnerischen Anhänger einzuprügeln – und darauf 100%ig noch stolz zu sein? Bei mir erntet man damit nur ein Kopfschütteln und stösst auf Unverständnis. Dass die Demolierung der WC-Anlagen im Gästesektor wortwörtlich eine Scheissidee war, muss man nicht extra betonen. Und dass das Konsequenzen haben wird, wohl auch nicht. In der zweiten Pause war Peter Zahner, CEO der ZSC Lions, im Medienraum und hat inoffiziell ein paar Zahlen und nächste Schritte mit denkbaren Szenarien für nächstes Jahr erwähnt. 

 

 Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Und ja, ich habe noch keinen einzigen Satz über das eigentliche Geschehen des heutigen Abends gesagt: das Spiel zwischen den ZSC Lions und dem Fribourg-Gottéron HC. Wie eingangs erwähnt, gibt es hier aber leider auch nicht viel zu berichten. Der erste Treffer wurde von Samuel Walser auf Assist von Matthias Rossi und Ryan Gunderson in der 6. Spielminute erzielt. Einer der Treffer, der ohne ein Video-Review gegeben wird. Bis zur Drittelspause folgten 2 Powerplays für die Gäste und eins für die Lions. Wortwörtlich zur Spielmitte musste Justin Azevedo für Beinstellen raus. Die einzige Strafe in diesem Drittel. Im Schlussdrittel bekamen die Gastgeber nach 2 Minuten eine Powerplay-Chance, die torlos verstrich. Jedoch folgte kurz darauf der Ausgleichstreffer durch Chris Baltisberger, wo ich auch beim x-ten Replay nicht nachvollziehen kann, warum ihm der Treffer zugeschrieben wurde. Ja, er hat Huges Connor gemeinsam mit Benoit Jecker die Sicht genommen. Aber wo war er an dem Shot beteiligt? Dann geht’s für die Schiedsrichter ab zum ewig dauernden Video-Review, erste laute Pfiffe ertönten, bevor der Herr in schwarz-weiss das Tor gab.

Die Jubel sind noch nicht ganz verstummt und auf dem Würfel wurde grade erst der Assist von Alexandre Texier eingeblendet, als auf der anderen Seite des Spielfelds die Torsirene ertönt. Ludovic Waeber versuchte den Schuss mit seiner Schulter übers Tor zu lenken, doch der Puck landet im Netz. Es verbleiben noch 5 Minuten für den Ausgleichstreffer und auf einmal bricht Hektik aus. Oh, haben die Herren in blau bemerkt, dass es eng wird? Die Anzahl Schüsse aufs Tor zählen hoch und sind am Ende dann auch fast ausgeglichen. Ganze 32 Mal versuchen die Gastgeber, den Puck in die Maschen zu befördern, während Fribourg-Gottéron gerade mal 4 Schüsse im Shot Tracker verzeichnet. Knapp 2 Minuten vor Spielschluss einmal mehr das traditionelle Verlassen des Tors durch den Keeper. Als 90 Sekunden vor Ende das Ausgleichstor fällt, juble ich nicht mal. Wäre auch Energieverschwendung gewesen, denn – man ahnt es – die Schiedsrichter begeben sich vor die Monitore und schauen sich minutenlang das vorangegangene Bully an. Wieder und immer wieder sehen wir die gleiche Szene, bevor das Tor aberkannt wird. Und es kommt, wie es kommen muss: die Partie der ZSC Lions in diesem Jahr endet nach 60 Minuten mit 1:2. Aus fotografischer Sicht wurde mir heute nicht viel geboten. Das einzige, was mich heute zum Schmunzeln bringt, sind die gar nicht mal so hässlichen ZSC-Weihnachtspullover. Teilweise sind sie unter Anzugsjacken verborgen, aber Rikard Grönborg und Peter Popovic haben die Anzüge durch den Pullover ersetzt. Am besten gefällt er mir aber am Eismeister. Und auch wenn der «Ugly Christmas Sweater Day» eigentlich schon vorbei ist, passt das doch prima zum letzten Spiel vor Weihnachten. Den Pulli gönnen sich auch einzelne Fans am Merch-Stand, den sie nach den Pausen passend zu ihren Nikolausmützen präsentieren. Und als Ludovic Waeber nach Spielende seine Kelle emotionsgeladen durch die Luft wirbeln lässt, war meine Kamera leider schon ausgeschaltet.

Das nächste Spiel ist am Sonntag, 1. Januar 2023 gegen den zweitplatzierten EHC Biel-Bienne. Bleibt zu hoffen, dass der Start im neuen Jahr besser gelingt als der Abschluss. Wenn ich mir etwas für die Liste mit Vorsätzen wünschen darf: mehr Power und Leidenschaft auf dem Eis? Davon hätten auch die 12'000 Zuschauer im Stadion, Mitarbeiter des Clubs und Medienleute etwas.

 

   

ZSC Lions vs. Fribourg-Gottéron HC: 1:2 (0:1 | 0:0 | 1:2)

Schüsse aufs Tor:  28:30 (6:18 | 7:10 | 15:2)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 22.12.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swiss Life Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 12000

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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