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Bei Elif herrscht Dresscode: Black

Bei Elif herrscht Dresscode: Black Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Beim Blick auf die Webseite sehe ich, das Konzert im Plaza Zürich ist ausverkauft. Und es gilt ein Dresscode. Ob es Zufall ist, dass bis auf wenige Ausnahmen in der Schlange praktisch alle von Kopf bis Fuss in schwarz angezogen sind? 

Ehrlich gesagt: ich weiss es nicht. Vielleicht ist es auch einfach typisch Zürich. Und schlussendlich spielt es ja in einem dunklen Konzertsaal nicht so eine Rolle. Oder doch? Es ist auch eine Art des Respekts dem Künstler gegenüber. Genauso wie aufmerksames Zuhören, statt Spargelrezepte auszutauschen. Aber fairerweise muss ich zugeben: ich habe das auch erst heute - und dann auch noch per Zufall - gesehen.

DJ Sticx & Fayan eröffnen den Abend

Den Abend eröffnet Fayan, unterstützt von DJ Sticx. Der deutsche Rapper/Songwriter präsentiert uns tiefgründige Texte mit melodiösem Sound. Da ist Dauerwippen angesagt, während es sich anfühlt, als würde dir ein Freund aus seinem Leben erzählen. Und du kennst diese Situationen, die er anspricht. Fayan erzählt uns, er und Elif hätten sich im Studio kennengelernt und später im Keller diverse Lieder komponiert. In seinem Set ist denn auch gut die Hälfte noch nicht veröffentlicht. Er verrät uns, dass er Elifs Angebot mit auf Tour zu kommen anfänglich für einen Witz hielt. Teil ihrer «Endlich wieder Tour» zu sein, ist etwas wofür er unendlich dankbar ist. Dass er Bock hat, merkt man sofort. In der Lounge hinter mir singen sie selbst die noch nicht veröffentlichen Songs und machen ordentlich Party. Nicht nur sie, auch das Publikum im ausverkauften Plaza geht mit. Sowohl DJ Sticx als auch Fayan strahlen in die Menge und geniessen, was als Echo zurück auf die Bühne kommt. Apropos… wann kommen jetzt all die unveröffentlichten Songs, die uns auf die Ohren gepackt wurden? Ich will mehr von Fayan hören. Also raus damit!

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Dresscode erwünscht - und ohne BH geht nichts!

Obwohl für den Umbau gerade mal das DJ-Pult weggeräumt werden muss, warten wir eine halbe Stunde auf den Beginn des Hauptacts. Ist so, weil ist so. Das gehört dazu. Genau wie das Verlassen der Bühne für die Zugabe - allerdings lassen das immer mehr und mehr Künstler weg. Ich werde nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass ich nach den 3 Songs den Saal verlassen und meine Kameraausrüstung abgeben muss. Der Saal ist brechend voll. Ich frage scherzhaft, ob sie irgendein Seil über die Menge spannen können, damit ich da überhaupt rauskäme - ich weiss ja, dass man via Backstage easy ins Foyer käme, aber das ist leider keine Option. 

Elifs Band ist auf der Stage, spielt das Intro. Alles ist in blaues Licht getaucht und relativ dunkel. Die meisten Handy-Kameras sind aber auf die seitliche Tür gerichtet, durch die Elif jeden Augenblick kommen wird. Und da ist sie: im schwarzen Ledermantel mit Glitzerkapuze und dunkler Sonnenbrille. Den ersten Song Endlich tut es wieder weh erfolgt mehr oder minder in schwarz-weiss, Schatten und etwas Licht. Geheimnisvoll, melancholisch. Nach und nach rutscht ihr die Kapuze runter. Die wäre ihr sowieso spätestens bei Bomberjacke weggewesen, als das Energiebündel zu tanzen beginnt. Das Licht wechselt zu einem warmen Orange. Noch immer wenig und meist seitlich, aber immerhin ein wenig Farbe. Zwischendurch gesellt sich ein violetter Scheinwerfer von hinten und ein weisser Frontspot dazu, der die Szene aufhellt. Wenn jetzt noch die Mimik passt, habe ich meine Shots im Kasten. Paradoxerweise zieht Elif ihren warmen Mantel vor dem Titel Alaska ab. Sie präsentiert uns ein - wie sie später selber sagt - sexy Outfit. Eine Corsage, glitzernde Sleeves, dazu passende Strumpfhosen mit Netzmuster, ein kurzer Rock, der hinten noch etwas kürzer ist und ihren Booty nur halb bedeckt. Die Sonnenbrille legt sie ungefähr in der Mitte des Lieds ab und zeigt uns noch mehr ihrer Tanzeinlagen. 

Nach den ersten drei Songs muss ich mich durch die Menge zum Ausgang kämpfen, um die Kamera zu deponieren. Dass ich mich seit Jahren an die Regeln halte und nicht weiter fotografieren würde - wie schon beim Opener - ist egal. Natürlich find ich den Ausgang zuerst nicht und dreh gefühlt eine ganze Runde im Saal. Obwohl es beim Einlass hiess, ich könne den Rucksack beim Eingang deponieren, ging das dann doch nicht und ich musste zur Garderobe hoch. Zum Glück ist das eine kleine Venue, aber ich verpasse trotzdem 2 Songs. Zu Nur Mir bin ich zurück im Saal und stehe ganz hinten im Korridor des Eingangs. Vorher war die Sicht definitiv besser, jetzt sehe ich zwischendurch noch knapp ihren Kopf.  Ich höre also den Rest des Konzerts eher, als dass ich es sehe. Dadurch konzentriere ich mich automatisch mehr auf ihren Gesang. Nicht falsch verstehen: Ich liebe ihre Stimmfarbe. Aber da waren heute Abend eine ganze Menge falscher Töne dabei und sie schien zwischendurch mit den Höhen etwas Mühe zu haben. Das nimmt man ihr jedoch nicht übel, das geht im Rest der Performance unter.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Elif ist eine Künstlerin, die ehrlich und natürlich rüberkommt. Da scheint nichts einstudiert zu sein und sie plappert frisch von der Leber weg. Heute, so Elif, hat sie sich damit wohl etwas reingeritten. Für mich macht sie das nur noch sympathischer. Wovon rede ich denn gerade? Für diejenigen, die ihren Auftritt im Plaza verpasst haben, folgende Hintergrundinfo: Sie spricht über Liebeskummer und von Beziehungen, in denen so viel versprochen, aber davon wenig gehalten wurde. Wir kennen das alle, meint sie, und hat natürlich recht. Sie räumt ein, dass sie sich schnell verliebe und drum auch öfter als andere Liebeskummer erlebt habe. «Früher war ich schon verliebt, wenn er Chucks trug. Aber da war ich ungefähr 16 oder so”, verrät sie uns. Und fügt an, dass sie wohl wieder zu viel über sich verraten habe. Dann sagt Elif: Mein Ex hat mich heute kontaktiert, ich schwöre! Vermutlich hat er mich in diesem sexy Outfit in einem Video gesehen und meldet sich deshalb. Aber ich bin durch damit.” Dafür gibt’s ordentlich Applaus im Saal. Auch das kennen wir alle. 

Sie schnappt sich eine Gitarre und verrät uns ein weiteres Geheimnis. Sie hätte schon länger nicht mehr gespielt wegen der langen Gelnägel. Die hat sie sich extra für die Tour abgeschnitten, damit sie spielen könne. Wir würden hier also Elif 3.0-Geschrumme hören. Ich lache wohl etwas zu laut und ich fürchte, ich bin inzwischen wohl etwas bekifft. Nein, ich rauche nicht. Aber der ganze Raum ist seit Konzertbeginn in den unverkennbaren Duft gehüllt. Es wird nicht besser, als sie vor Mein Babe meint: «Ich nehme jetzt gern einen Hocker. Dann tönt der Song noch aggressiver». Doch, das ist auch nüchtern betrachtet witzig. Trotzdem bin ich wohl noch besser unterwegs als andere Konzertbesucher. Ihr erinnert euch, dass ich an Konzerten immer mal wieder etwas gefragt werde. Heute: «Entschuldigung, aber weisst du, wie diese Tür aufgeht?». Ich dreh mich um und sehe den Querbalken zum Öffnen aus den Angeln hängen. Ihr kennt die sicher: man drückt dagegen und die Tür schwingt auf.  Yup. Scheinbar eine schlechte Idee, daran rumzureissen. Ich lache, studiere den Mechanismus und repariere es kurzerhand. Der Typ: «Arbeitest du hier?», ich lache wieder und verneine. Auch nicht das erste Mal, dass ich das gefragt werde, obwohl unsere Hoodies übergross mit «szenemagazin.ch» angeschrieben sind.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Als nächstes stimmt Elif Roses an und animiert das Publikum mitzumachen. Doch schon bei der zweiten Strophe ruft sie: «Stop, stop stop. Wir müssen nochmal anfangen. Mir ist grad mein BH runtergefallen.» Wie bitte? Ich kann nicht mehr! Für ihr Outfit hat sie einen trägerlosen BH an und daran hängt wohl der Mikrophonempfänger. Während der Tontechniker auf die Bühne kommt, lacht sie und meint, sie sei Vollprofi und würde auch weitersingen, wenn die Hose oder das Oberteil runterfallen würde. «Aber mein BH Leute!». Am Ende des Songs hält sie eine schwarze Rose in der Hand und bittet jemanden aus dem Publikum auf die Bühne, um sie abzuholen. Doch die gibt es nicht einfach so. Medina muss zuerst eine Strophe des Lieds singen - und das macht sie echt gut. Die schwarze Rose hat sie sich mehr als verdient. 

Zu Beginn habe ich ja schon erwähnt, dass Elif und Fayan gemeinsam einige Lieder komponiert haben. Elif erzählt uns ihre Version wie es zur gemeinsamen Tour kam. Fayan, so Elif, habe ihre letzte Platte stark mitgeprägt. Und da er mit auf Tour ist, bietet sich die gemeinsame Performance von Erinnern natürlich an. Fayan kommt auf die Bühne und meint: «Zürich, ihr seid ja immer noch da!». Weil ich zu Beginn des Konzerts die Setlist gesehen habe, weiss ich, dass nach diesem Titel nur noch ein Song folgt, bevor sie die Zugabe anstimmt. Ich verlasse drum kurz vor Ende den Saal, um meinen Rucksack zu holen. Regeln sind Regeln, ich weiss. Aber ich wollte mir die Zugabe nicht entgehen lassen und stand nochmal auf der anderen Seite der Foyertüre, um Alles Helal zu sehen - pardon, hören. Zwei junge Damen kamen auch gerade zurück in den Saal und kreischten los. Während eine ihr Handy rauskramt und zu filmen beginnt, tanzt und singt ihre Begleitung. Beide sind ausgelassen und haben Spass. Natürlich sind sie dabei lauter als Elif - aber das nimmt ihnen keiner der umstehenden Personen krumm. Im Gegenteil. Die meisten grinsen breit und haben nichts gegen Lebensfreude einzuwenden. 

Während Elif sich beim Zürcher Publikum bedankt, schlendere ich zum Ausgang. Dort begegne ich Fayan am Merch Stand und bleibe stehen. Ich bedanke mich für das tolle Konzert. Er beginnt zu strahlen, nimmt die Hände ans Herz und sagt: «Oh danke. Das bedeutet mir sehr viel». Es sind oft die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen. Und jemandem zu zeigen ‘Hey, mir gefällt, was du tust’ - egal ob persönlich oder mit einem Like - kostet nichts. Aber es bedeutet demjenigen etwas, der das zu hören bekommt. Wir sollten viel öfter echt gemeinte Komplimente verteilen und damit jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Findet ihr nicht auch?

 

  

 

Eventdatum: 21.04.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Plaza, Zürich

Veranstalter: Gadget abc Entertainment Group AG

Zuschauerzahl: ausverkauft

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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