Juli im November - Zauberei?
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Es ist Jahre her, dass ich Juli live erlebt habe. So lange, dass ich gefühlt wohl eher noch nie an einem Juli-Konzert war. Denn das war in der Eulachhalle Winterthur – 2007. Im Zauberpark Kloten werden zwar in etwa gleich viele Besucher vor Ort sein und auf der Bühne dieselben Musiker von damals.
Genaugenommen bestand die aktuelle Bandbesetzung schon, bevor es «Juli» 2001 gab. Die letzte Veränderung war im Jahr 2000, als sie noch Sunnyglade hiessen. Auch wenn es die Band schon lange gibt, lassen sie sich Zeit mit Songs schreiben. Zwischen Album 4 und 5 verstrichen 9 Jahre. Das erste Album «Es ist Juli» kam 2004 heraus. Davon gab es von 2004-2005 einige Single-Auskoppelungen, doch Perfekte Welle war ihre bestplatzierteste Single überhaupt und Geile Zeit brachte ihnen in Deutschland Platin ein. Ein Jahr später kam der Titel Dieses Leben vergleichsweise ähnlich weit nach vorne in den Charts, das Album «Ein neuer Tag» schoss in Deutschland auf Platz 1.
Dieses Jahr waren sie fleissig auf Tour und auch im Zauberpark haben sie Songs aller bisherigen Alben im Gepäck. Die klare Stimme von Eva Briegel fängt mich ab dem ersten Ton ein. Sie sind ihrem Sound treu geblieben, verändert haben sie sich eigentlich nur äusserlich. Das Publikum ist recht verhalten, das entgeht auch Eva nicht. «Wer sich nicht bewegt, outet sich als alt. Bisher habe ich nur die 4 ersten Reihen sich bewegen sehen.» Der hat gesessen. Uns als sie nachdoppelt, wer nicht als ü50 angesehen werden will, soll mittanzen. Etwas schmunzeln musste ich schon, Teenager sind sie ja auch keine mehr.
Eva verrät schon beim vierten Song einen Tipp ihres Opas, wie man seine Hände warmbekommt: einfach die Arme wild vor sich herumschlagen. Bei dem Wetter sind aber nicht nur die Finger kalt, auch die Gitarren verstimmen sich schnell. Erschwerte Bedingungen also und ständiges Nachstimmen der Instrumente. Sie fragt auch immer wieder nach bei ihren Bandkollegen, wie es ihren Fingern ginge. Passend zu In unseren Händen verliessen denn auch fast alle die Bühne – um sich aufzuwärmen. Simon Triebel spielte am Keyboard, Eva singt.

Danach übernimmt sie die Tasten für Wolke und merkt schon davor an, wir seien selber schuld, wenn wir sie ein Instrument spielen lassen würden, das sie nicht beherrscht – noch dazu mit kalten Händen. Jemand hat wohl ihre Bemerkung zum Glühwein 3 Songs vorher gehört und bringt eine Runde Becher mit dem Heissgetränk zur Bühne. Auch da wieder ein paar stinktrockene Sprüche von wegen Alkohol am Arbeitsplatz, Quittung übergeben um sie einreichen zu können, die das Publikum irgendwie nicht verstanden hat (war ich die einzige, die gelacht hat?).
Nebst praktischen Tipps teilt ihre Erfahrungen auch mit der «1.50er-Reihe». Die was-Reihe? Nun… in der ersten Reihe standen ganz viele Kinder und wegen deren Grösse hat sie sie schlicht so genannt. Sie wollten etwas mit Musik machen und haben sich gefragt, ob dann nur die Option Musiklehrer für sie offenstehe. Wären sie nicht drangeblieben und hätten aufgegeben, würden sie heute nicht auf dieser Bühne stehen. Stehen ist ein gutes Stichwort. Denn Eva bricht zu Beginn von Perfekte Welle ab. «Stop, stop, stop», meint sie, «So nicht. In dem Song geht es darum, präsent zu sein. Und ihr macht mir gerade zu wenig mit, ich sehe viel zu viele Handys. Mit dem Mobiltelefon in der Hand ist man nicht präsent. Also Handys weg – und derjenige, der sich das gerade aufgenommene Video im Leben je nochmal anschaut, soll mir bitte schreiben.»
Sie beginnt den Song von vorn und das Zürcher Publikum hüpft auf und ab. Textsicher sieht anders aus, denn nach dem halben Refrain wird es peinlich leiser. Nur ein paar wenige kennen die Passagen, aber das hält Eva nicht davon ab, sie immer wieder zum Mitsingen zu ermutigen. Das war auch quasi schon fast die letzte Gelegenheit, denn danach folgte nur noch die Zugabe Wir beide, bevor sie sich vom Publikum verabschiedeten, um sich eine Heizdecke und Glühwein zu organisieren.
Ein paar Eindrücke zu den Lichtinstallationen 3 und 4
Auch dieses Jahr empfiehlt es sich, auf den Rundgang durch den Flughafenpark zu gehen. Allerdings sollte man genügend Zeit einberechnen. Zeit, die ich heute nicht hatte. Ausserdem hat sich da Petrus gerade dazu entschieden, das Gelände mit einem kurzen, aber kräftigen Regenguss zu reinigen. Deshalb hier nur kurz und knapp je einen Satz und Bilder von Marcel Kaul. Ich hol den Rundgang aber noch nach, versprochen.
«Omen» von NOA
Die Installation des Veranstalters verdeutlicht mit «Omen» den steten Kreislauf des Lebens.

«Line 4 / Vier Gewinnt» der Groupe LAPS
Jeder kennt dieses Spiel – aber wer kann auch sagen, es unter freiem Himmel auf so einer grossen Version gespielt zu haben?

Die vorherigen beiden Lichtinstallationen verpasst?
Lichtinstallationen 1 & 2 sind im Bericht von Marcel Kaul des ersten Abends mit Stefanie Heinzmann.
Eventdatum: 24.11.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Zauberpark, Kloten
Veranstalter: NOA
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1165-juli-im-november-zauberei#sigProId0a39cfa7bc
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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