Alter Rock im neuen Kleid
Nils Blattner / szenemagazin.ch
Im Z7 spielen die australischen Rocker Wolfmother. Der Stil stammt aus den 70ern, kommt aber auch heute noch gut an.
Bevor die ursprünglich deutschen The Picturebooks im Herbst mit den Pretenders durch Europa und vor allem England touren, unterstützen sie erst noch die australischen Wolfmother im Z7. Bei sonnigen 34 Grad gehen die Australier in den Endspurt. Sie touren bereits seit Juni durch Europa und schliessen nach Pratteln mit den letzten Konzerten in Italien ab.
Die Vorband startet eher gemütlich, das Publikum ist gar noch nicht richtig gewillt, in die heisse Halle treten und verweilt lieber draussen. Da ist es zwar auch heiss, ab und zu weht aber ein Lüftchen und das Z7 hat einen Schirm mit Sprühnebel aufgestellt. Sie haben ein neues Album, «Albuquerque», aber auch ein Lied von dem Album vermag nicht so ganz den Funken springen zu lassen. Erst mit dem Springsteen-Cover State Trooper kommt langsam die Stimmung etwas hoch. In der Halle kennen sie vielleicht 10-20%, zumindest ist das das Resultat einer kleinen «Schrei-Umfrage». Das macht der Sänger und Gitarrist Fynn Grabke aber geschickt, das Publikum ist durch die kleine Übung schon etwas animierter dabei. Er ist mit seinem Bandkollegen, Philipp Mirtschink an den Drums da. Sie leben das halbe Jahr in den USA und den Rest in Deutschland. Davon handelt denn auch das nächste Lied, vom Fernweh nach Kalifornien: Somebody Get Me Back to L.A. Grabke ist sehr redselig auf der Bühne und erzählt fleissig von Geschichten zu den Liedern. Von einem Film-Dreh in the middle of nowhere, bei dem sie ihren Kameramann kurz ein paar Minuten alleine liessen. Als sie zurückkamen, lag er von einem Truck, angefahren mit gebrochenen Rippen. Zwei Wochen später sei er wieder topfit mit auf Tour, ach übrigens der Kameramann war der Vater, beste Freund, Produzent und ist natürlich auch jetzt dabei. Die Geschichten sprudeln nur so zwischen den Liedern und das Publikum scheint dank der Hitze noch mehr aufzuwärmen. Bei den letzten beiden Liedern geht das sogar so weit, dass sie die unbekannten Melodien lauthals mitschreien. Gut «huhuhuhuhuuuu» ist jetzt nicht eine Meisterleistung, aber trotzdem.

In der Zwischenzeit ist es draussen dunkel und die Halle zieht die Menschen an wie ein Licht die Motten. Im Gegentsatz zur Vorband startet Wolfmother ohne grosses Intro, sie kommen auf die Bühne und legen los. Mit dem ersten Schrei gehen sie gleich Vollgas ins Dimension. Der Sänger und Gitarrist Andrew Stockdale tönt etwas heiser, zumindest krächzt er bei den ersten paar Liedern etwas. Die manchmal etwas schrägen Schreie passen aber ganz gut zum eher schrägen und körnigen Sound der Australier. Obwohl das folgende Rock out erst 3 Jahre alt ist, fühlt es sich irgendwie wie ein Lied von Black Sabbath an. Und spätestens mit Woman ist das Z7 richtig am Kochen. Das Konzept ziehen sie eisern durch, auf White Unicorn folgt Apple Tree und Midnight Train. Und das Trio bleibt fast an Ort und Stelle stehen. Neben Stockdale, der manchmal das Lied mit «this is …» ankündigt, sind der Drummer Christian Condon und der Bassist James Wassenaar dabei. Der Fokus ist klar auf der Musik und da auf dem Frontmann. Nach einer etwas schnelleren Version von Feelin’ Love wechselt die Band die Gangart und werden etwas langsamer. Bei California Queen wippen die Köpfe des Publikums langsam im Takt mit. Ein gemütliches Tempo ist bei Wolfmother aber selten nur gemütlich: Bei Vagabond und Pyramid pushen die Drums immer vorwärts. In der Zwischenzeit hat ein nahendes Gewitter vor der Halle kühlen Wind mitgebracht. Dieser vermag sogar etwas Abkühlung in die Halle hineinzubringen, der Stimmung tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Die Blitze sind zwar sichtbar, hörbar sind nur die Band und Zuschauer.
Nach dem eher esoterischen Exkurs, der durchaus zu Hippies passen würde, wechseln die Australier mit Rock’n’Roll Survivor wieder die Gangart und performen ihre ersten Hard Rock-Versuche aus derselben Zeit. Dafür sind sie bekannt und wenn etwas Spass macht, bitte mehr davon: Victorious! Mit «this is New Moon Rising» hat Stockdale erneut eine Pause zwischen zwei Liedern überbrückt. Dass er das schon auch noch etwas besser kann, zeigt er nach Gypsy Caravan. «You might have heard this one before» und startet ein Cover des Led Zeppelin Rock and Roll. Jetzt darf auch der Drummer Condon etwas mehr zeigen. Sein Drum-Solo wird mit tosendem Applaus quittiert. Der Applaus scheint nun auch Stockdale etwas zu befeuern. Er schreit: «Do you wanna heavy? Let’s go!» und stimmt Colossal an. Da nun der Frontmann etwas mehr redet, entwickelt sich bei mir eine Theorie: die Hitze hat die volle Konzentration der Band eingenommen. Und dass sie sich nicht vom Fleck bewegen, liegt an den Ventilatoren vor ihnen. Da das Gewitter vor der Türe nun langersehnte kühle Luft gebracht hat, können sich die Musiker auch auf «Nebensächliches» konzentrieren, wie zum Beispiel Reden. Als Schmankerl haben sie noch etwas vorbereitet: sie bitten zwei junge Herren auf die Bühne. Sie hätten sich vorher gemeldet, dass sie mitspielen möchten. Stockdale scheint ganz verdutzt, als ihm einer die Gitarre wegschnappen will, er dachte der will Bass spielen. Dass die beiden Jungen Joker And The Thief auswendig können, wird schnell klar. Sie spielen fehlerfrei, springen auf der Bühne umher und animieren die Zuschauer, die gleich abgehen. Ob inszeniert oder nicht, das «Pratteln got Talent» passt. Nach ein paar Umarmungen als Belohnung heisst es dann kurz «Thanks for having us». Erst durch eine unheimlich lange Pause und vielen «Zugabe»-Rufen lässt sich die Band wieder vorlocken. Stockdale motzt etwas davon, dass alle Gitarre auf der Bühne spielen, aber keiner Gitarren-Tech sein wolle. Als Encore bringen sie erst Stay a little Longer und danach Love Train. Irgendwas ist aber noch nicht ganz richtig. Wassenaar geht kurz zum Sänger, sagt ihm etwas, der irgendwas murmelt. Egal was es war, ein letzter geht noch: Das AC/DC Cover Rosie animiert die Zuschauer nochmals richtig!
Zwei Bands mit komplett unterschiedlicher Bühnenpräsenz. Auf der einen Seite die eher unbekannten The Picturebooks, sie reden ungemein viel mit dem Publikum. Anderseits die etablierten Wolfmother reden, wenn überhaupt, kurz und knackig, spielen lieber instrumental mit den Zuschauern. Beides hat Spass gemacht! In der Zwischenzeit haben sich zu den entfernten Blitzen grosse Regentroffen dazugesellt. Auch wenn sie nicht wirklich abkühlen, so stören sie auf dem Heimweg auch nicht.
Eventdatum: 12.08.2024
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Z7, Pratteln
Veranstalter: Z7
Zuschauerzahl: unbekannt
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/1298-alter-rock-im-neuen-kleid#sigProId4157b89a8b
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Nils Blattner
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