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Ein Satz mit X

Ein Satz mit X Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Unglaublich! So unglaublich, dass man dabei gewesen sein muss. Wobei man aus Zürcher Fansicht den Samstagabend wohl besser woanders als in die Swiss Life Arena verbracht hätte. Zum wiederholten Mal geben die ZSC Lions drei Punkte an ein Team ab, das es zu schlagen galt.

Nach den letzten paar Siegen hätte wohl keiner gedacht, dass man zu Hause gegen den Lausanne HC mit 1:3 verliert. Andererseits verwundert es nicht, wenn der Gastgeber in alte Muster zurückverfällt. Drucklos, zu viele Fehlpässe, kein Spielaufbau, einfachmal drauflos, aber mit dem Abschluss zu lange warten. Das Wort «Powerplay» kann man für die Partie getrost weglassen, denn da war jeweils weder Power noch Play zu sehen. Höchstens ein Mann mehr auf dem Eis als die Gegenmannschaft. Ja, manchmal dauert es etwas, bis man ins Spiel kommt. Wenn es sich zu Beginn aber eher wie ein Aufwärmen im Training anfühlt, wird es meist nicht besser. Die Frage ist: waren 4 Spiele in einer Woche eins zu viel oder hatten die Lions die Einstellung, man könne Lausanne auch ohne viel Einsatz schlagen?

Das erste Drittel ist schnell erzählt: Beide Mannschaften kurvten von einer Seite zur anderen, scheitern an der Abwehr, schiessen am Tor vorbei oder direkt in die Fanghand des Keepers. Erste Überzahlmöglichkeit hat der Lausanne HC in der 7. Minute, als Mikko Lehtonen wegen Beinstellens raus muss. Der ZSC übersteht diese 2 Minuten aber problemlos. Beinahe 12 Minuten sind bereits verstrichen, da muss Jiri Sekac wegen Haltens raus. Wer mehr auf sein Handy starrt als aufs Eis, hat das Powerplay vermutlich gar nicht bemerkt. Die Pause hat Sekac gutgetan, denn keine Minute später wird ihm der erste Treffer des Abends gutgeschrieben. Sind jetzt alle wach? Könnte man meinen. Simon Bodenmann prescht auf der rechten Seite mit dem Puck davon, Lucas Wallmark und Garrett Roe ziehen in einer Linie mit. Bodenmann bedient Wallmark in der Mitte, der die Scheibe zu Roe abgibt. Roe fährt unbehelligt bis zum Tor und hat freie Schussbahn zum Ausgleich.

Einmal mehr schüttle ich den Kopf, dass man Simon Bodenmann zum Ende der Saison gehen lassen will. Wegen seines Alters, nicht wegen seiner Leistung. Teamverjüngung ist hier das Stichwort. Wie so oft ist das nur eine Zahl auch in seinem Fall bloss eine Zahl. Und Bodenmann beweist eindeutig, dass er mit den jüngeren Spielern problemlos mithalten kann. Mit 14 Toren und 11 Assists in der laufenden Saison muss er sich alles andere als verstecken. Zum Vergleich: der junge Justin Sigrist war gleich viele Spiele auf dem Eis, hat aber erst ein Tor und 6 Assists abgeliefert. Willy Riedo war eine Partie weniger im Einsatz und kann mit 9 Toren und 8 Assists aufwarten. Das Alter sollte definitiv nicht die einzige Entscheidungsgrundlage für eine Vertragsverlängerung sein. Bleibt zu hoffen, dass ein anderer Schweizer Club von seinem Können profitiert und er seine Karriere nicht mangels Vertrags beenden muss.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Das zweite Drittel ist gerade erst gestartet, da muss Ludovic Waeber nach dem Führungstreffer hinter sich greifen. Tim Bozon kann sich an der von Alexandre Texier befreien, während Michael Raffl rückwärtsfahrend zur Tormitte ausrichtet. Willy Riedi sieht ihn zu spät hinter sich und kann dem Schuss nur noch nachsehen. Normalerweise werden die Hausherren aktiv, wenn sie im Rückstand sind. Aber die Partie geht drucklos und ohne spürbaren Drive weiter. Für offensive Spielzüge muss man sich wohl auf dem Handy eine andere Begegnung ansehen. Selbst als sie in der 28. Minute ihre zweite Chance auf ein Powerplay bekommen, scheint bei den Zürchern keine Absicht auf Ausgleich zu bestehen. Andreas Glauser kommt nach den 2 Minuten wegen Behinderung zurück aufs Eis und wird direkt angespielt. Dean Kukan kann den Pass aber abfangen. Ich frage mich zwischendurch, wie fit Waeber tatsächlich schon ist. Er lässt die Scheibe mehrfach fallen, kann sie nicht richtig sichern oder braucht mehrere Anläufe.  Bei einer Szene kommt der Puck neben seinem Schoner zu liegen. Man könnte fast meinen, er schaut der Scheibe nur nach, weil er sich nicht danach bücken kann und überlässt es der Verteidigung, den Puck wegzubekommen. Nach 40 Minuten steht es 1:2 für Lausanne.

Beim dritten Drittel stehe ich wieder beim Lausanner Tor und erhoffe mir, den Ausgleich und gegebenenfalls das Siegestor zu sehen. Die Gäste sind wie schon während der ganzen Partie aber die bessere Mannschaft. In der ersten Minute kommt es beinahe zum 1:3, aber Waeber kann abwehren. Die Lions schaffen es auch nur gelegentlich über die blaue Linie, die Partie findet mehrheitlich im Zürcher Bereich statt. Nach einem Bully holt Miikka Salomäki Dario Truttmann von den Kufen. Fällt jetzt der Ausgleich? Pustekuchen. Wenn sie überhaupt in die Nähe des Lausanner Tors kommen, fahren sie unverrichteter Dinge wieder in die andere Richtung. In der 45. Minute muss Juho Lammikko wegen Haltens vom Eis, doch auch bei Lausanne fehlt es im Powerplay an Aufbau und Druck.

Den letzten Treffer des Abends erzielt Mikka Salomäki in der 50. Spielminute. Er wird von Igor Jelovac bedient, scheitert zunächst aber an Ludovic Waeber. Dieser fährt für die Abwehr etwas zu weit aus dem Torraum, wird von Jelovac umkurvt. Und drin ist er, der Puck mitsamt Yannick Waeber, der den Treffer noch abzuwenden versuchte. Natürlich läge noch immer ein Ausgleich drin. Aber ab diesem Zeitpunkt scheinen sie den Rest der Zeit nur noch vor dem eigenen Tor zu verbringen. Und wenn Andrighetto, Texier oder Sopa vor Eetu Laurikainen auftauchen, sind es haltbare Schüsse oder landen im falschen Netz. Selbst für Schlägereien ist man heute zu träge. Nach einem erfolgreich abgewehrten Tor geraten Lammikko und Marti aneinander. Nach einem Push fällt Marti auf Eeti Laurikainens Kreuz, der noch auf dem Boden liegt und den Puck sichert. Danach kommt es zu mehreren Zweikämpfen zwischen Kennins, Riedi, Sekac, Frick und Lammikko. Hoffen wir, dass Laurikainen keine Verletzung davonträgt. Die letzten 2 Spielminuten beginnen, Waeber verlässt das Eis. Das ändert aber nichts mehr an der Tatsache, dass die ZSC Lions mit 1:3 gegen den Lausanne HC verlieren. Die Gäste werden ihre drei Punkte auf dem Heimweg mit Sicherheit feiern.

Der ZSC hat sich mit den vorherigen Siegen zurück auf Platz drei gekämpft. Doch der SCRJ ist nur zwei Punkte entfernt und spielt am Sonntag gegen den HC Lugano. Das nächste Spiel der Zürcher ist am Dienstag gegen die SCL Tigers. Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht erneut dazu hinreissen lassen, sich gegen einen vermeintlich leicht zu packenden Gegner zu sehr zurückzulehnen.

 

 

   

ZSC Lions vs. Lausanne HC: 1:3 (1:1 | 0:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor:  24:26 (7:11 | 5:7 | 12:8)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 28.01.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swiss Life Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 10712

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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