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Die Lions gewinnen ihr letztes Heimspiel vor den Playoffs

Die Lions gewinnen ihr letztes Heimspiel vor den Playoffs Michelle Brügger / szenemagazin.ch

 Die ZSC Lions sind bereits für die Playoffs qualifiziert. Genauso wie der Gegner HC Davos. Schrauben die Zürcher heute zurück und tauschen allenfalls den Tabellenplatz mit den Bündnern? Oder verteidigen sie Platz 4?

Ich weiss nicht, wann es das letzte Mal so spannend war in der regulären Saison. Der Kampf um den letzten Platz für die Direktqualifikation für die Playoffs ist eine knappe Kiste. Aber fünf weitere Teams sind genauso nah am Ziel «Playoff». Nach dem heutigen Abend verbleibt nur noch eine Partie, um die vier Pre-Playoff-Kandidaten zu ermitteln. Und das bei einer Differenzspanne, die nichts für schwache Nerven ist. Die heutigen Spiele haben das Gefüge zwar verschoben, aber Platz 8-11 trennt maximal ein Punkt. Wer sich nebst Ambri-Piotta auf dem zweiten Ferienplatz wiederfindet, entscheidet sich im allerletzten Spiel.

Mit dem Sieg gegen den HC Davos haben sich die ZSC Lions das Heimrecht in den Viertelfinals gesichert. Wer der Gegner ist, steht noch nicht fest. Denn auch bei der Playoff-Qualifikation zeichnet sich ein Krimi ab. EHC Biel verdrängt Genève-Servette HC vom ersten Platz. Aber die Romands könnten ihn sich noch zurückholen, falls Biel nicht gegen Lugano gewinnt. Und nach der Niederlage der Lakers gegen den EHC Kloten ist der dritte Platz für die Lions auch nur noch ein Sieg gegen Bern respektive eine Niederlage der Lakers gegen Ambri entfernt. 

Der heutige Abend startet zuerst mit einer Ehrung. Nach einer Ansprache und Händeschütteln werden die Banner von Severin Blindenbacher und Andri Stoffel unters Dach der SwissLife Arena gezogen. «Moment mal», wird der eine oder andere sagen, «Simon Hrubec trägt doch die Nr. 11 – ist die jetzt gesperrt?». Nein, ist sie nicht. Ausser den Nummern von Reto Sturzenegger und Chat Silver kann theoretisch jede andere Nummer von einem neuen Mannschaftsmitglied ausgewählt werden. Dass man möglicherweise sanft davon abrät, sich eine «von den Bannernummern» auszusuchen, ist eher ein ungeschriebenes Gesetz.

Gedanklich bin ich noch an der feierlichen Zeremonie, als das Spiel losgeht. Ich denke mir: «Lustig… die spielen, als wären sie im Powerplay», bis ich auf der Anzeigetafel die Strafe realisiere. Schon 12 Sekunden nach Beginn hat Michael Fora einen Z-Spieler von den Kufen geholt und setzt sich dafür 2 Minuten auf die Bank. Auch wenn der Aufbau vielversprechend aussah, ein Tor fällt nicht. Was auch immer der HCD auf der Hinfahrt geraucht hat: eine Friedenspfeife war es definitiv nicht. Enzo Corvi kassiert in der 4. Minute nicht nur eine Strafe wegen Stockschlags, die wird noch mit «unsportliches Verhalten» garniert. Doch auch dieses Mal reüssieren die Löwen nicht. Justin Azevedo verhilft den Gästen zu einer Überzahlsituation, als er wegen Behinderung des Gegenspielers aussetzen muss. Aber auch die Bündner scheitern am Abschluss. Erst gegen Drittelsende sind die Gäste vermehrt im Scheibenbesitz und prüfen den Zürcher Torwart. Allerdings kachelt es in der entgegengesetzten Richtung. Juho Lammikko täuscht zuerst vor dem Tor einen Schuss an, kurvt dann ums Tor herum und bringt die Scheibe mit dem Buebetrickli in Sandro Aeschlimanns Kasten unter. Zeitgleich landet Joakim Nordströms Schaufel in Chris Baltisbergers Gesicht. Dieser geht erst Mal zu Boden, bevor er mit Alexandre Texier und dem Torschützen das 1:0 bejubelt. Und nein, das hat offenbar keiner mit schwarzweissen Streifen gesehen.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach der Pause wird mir in der 28. Minute etwas geboten, was ich zuvor noch nie gesehen habe: Simon Hrubec und Patrick Geering sind beide neben dem Tor auf den Knien – letzterer wurde gerade von Julian Schmutz zu Fall gebracht. Und während zuerst Schmutz das Buebetrickli - am notabene leeren Gehäuse – versemmelt, versucht Leon Bristet danach vergebens, den Puck über die freie Linie zu befördern. Juho Lammikko ist inzwischen zur Stelle. Während Simon Hrubec versucht, zwischen die Pfosten zu kommen und von Schmutz körperlich daran gehindert wird, reicht es Lammikko. Leider auch dem Schiedsrichter, denn er schickt ihn für 2 Minuten wegen übertriebener Härte auf die Strafbank. Nur ihn, niemanden sonst. Schade, Schokolade. Aber weil der HCD heute so gar kein Powerplay zustande bringt, dürfen sie das knapp 2 Minuten später nochmal üben, als Nicholas Baechler wegen hohen Stockes rausgeschickt wird. Das Training wird jedoch schon Sekunden später abgebrochen, weil Chris Egli ebenfalls wegen hohem Stock raus muss und damit die Spielerzahl wieder ausgeglichen ist.

In der heutigen Partie hat Simon Hrubec mehrfach gezeigt, was er auf dem Kasten hat. Mehr als einmal wurde er regelrecht mit Schüssen der Gegenmannschaft bombardiert. Selbst wenn er den Stock verliert oder ihm kurioserweise die Rückkehr ins Tor versperrt wurde: der Puck wollte partout nicht ins Zürcher Rechteck. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Strafen gesehen wie heute. In dieser Partie sind insgesamt 17 Strafminuten inkl. Disziplinarstrafe beim Gastgeber ausgesprochen worden und 14 Minuten beim HCD –gerade mal ein einziges Tor fiel im Powerplay: und das nach 8 Sekunden in Überzahl! Das 2:0 von Sven Andrighetto wurde im Stadion noch gefeiert, als Simon Bodenmann 30 Sekunden später im Alleingang das 3:0 schiesst. Die ZSC-Fans sind im Freudentaumel und feiern ihre Mannschaft.

Doch dann wird die Partie wegen eines Fouls unterbrochen – der Video-Review zeigt, wie Justin Azevedo seinem Gegner einerseits die Beine weghaut und ihn gleichzeitig an der Schulter nach hinten zieht. Dafür kassiert er 5 Minuten für Slew-Footing und eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Und weil Joakim Nordström und Azevedo danach noch eine Boxeinlage hinlegen, gibt es für beide eine 2-minütige Strafe wegen übertriebener Härte obendrauf. Wenn ich den Zweikampf korrekt beobachtet habe, hat sogar Sandro Gurtner (Linesman) noch einen Schlag ins Gesicht abbekommen, als er die beiden trennen wollte. Glück im Unglück? Obwohl Azevedo unter die Dusche geschickt wird, hat der HCD für 2 Minuten immerhin einen Mann weniger. Nordström ist noch nicht wieder auf dem Eis, als Dennis Rasmussen wegen Beinstellens auf die Bank fährt. Nochmal zwei der 7 Minuten überbrückt und es geht 4 gegen 4 weiter. Aller guten Dinge sind drei – Aaron Irving kassiert in der 39. Minute eine Strafe wegen Behinderung, als die Zürcher gerade wieder vollzählig werden.  

In der 44. Minute schafft es der HCD dann doch noch, den Puck im Zürcher Tor unterzubringen. Und wie! Da haben nicht nur Hrubec sondern auch seine Teamkollegen komplett geschlafen. Die gute Stube stand weit offen und Enzo Corvi pflanzt die Scheibe wunderschön ins linke obere Eck – mit einem so satten Schuss, dass diese im Netz hängenbleibt. Die Zürcher haben zwar noch 2 Tore Vorsprung, aber jetzt darf man sich definitiv nicht zurücklehnen! Knapp 10 Minuten vor Spielende muss Christian Marti wegen Beinstellens raus und die Davoser bauen ihr Powerplay auf. Eine Schussparade auf Simon Hrubec ist die Folge. Nach einer dieser abgewehrten Angriffe knallt er den Puck über die Scheibe – Verdikt: Spielverzögerung. Na bravo. Doppelte Überzahl für die Gäste, aber ausser dem «Shots on Goal»-Zähler verändert sich auf der Anzeigetafel nichts. Apropos Spielverzögerung: Die Davoser nehmen ihr Timeout und Aeschlimann lässt sich derweil in aller Ruhe auf dem Eis kniend die Kufen auswechseln. Die Zeit wäre eigentlich vorbei, aber der Austausch ist noch nicht abgeschlossen. Der Ref fährt zwar zu ihm hin, sieht aber keinen Handlungsbedarf. Immerhin hat er die neuen Teile für 10 Minuten benutzt, bevor Aeschlimann einem 6. Feldspieler Platz macht. Es ist wie so oft ein Versuch, der wortwörtlich nach hinten losgehen kann. Denn Alexandre Texier kann sich befreien und den Puck ins leere Tor schiessen. Der Davoser Torhüter kehrt zwischen die Pfosten zurück, bis das Spiel nach 60 Minuten vorbei ist und der ZSC mit 4:1 gewinnt.   

Sicher ist schon mal, dass die ZSC Lions nächstes Jahr nur in der CHL mitspielen, wenn sie die diesjährige Meisterschaft gewinnen oder noch auf Platz 3 vorrücken können, während Genf oder Biel Meister werden. Mit dem heutigen Sieg haben sie sich jedenfalls schon mal das Heimrecht gesichert. Aber gegen wen die Lions am 15. März ihr erstes Playoff-Spiel bestreiten, wird sich erst am Samstag ergeben.

 

   

ZSC Lions vs. HC Davos: 4:1 (1:0 | 2:0 | 1:1)

Schüsse aufs Tor: 20:45 (9:7 | 8:18 | 3:20)

 

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 02.03.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swiss Life Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 12000

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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