ZSC Lions vs. EHC Biel
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Das Spiel zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel beginnt mit schmerzverzerrten Gesichtern und endet mit einer Spielsperre. Eishockey ist kein Synchronschwimmen und ein kleines Fäusteschwingen ist durchaus Teil des Sports, es muss für meinen Geschmack aber nicht unbedingt blutige Risswunden, Knochenbrüche und Spielsperren beinhalten.
Der Start ins erste Drittel beginnt etwas aggressiver als sonst. In den ersten 5 Minuten verlässt Denis Hollenstein nach einem Check nach vorne gebeugt die Spielfläche. An der Bande wird diskutiert, ob man die Energie wohl besser einsetzen könnte als mit solchen Attacken. Noch während die Meinungen ausgetauscht werden, läuft Chris Baltisberger in einen Check von Marc-Antoine Pouliot und geht vor der eigenen Spielerbank zu Boden. Er benötigt gleich zweifache Unterstützung, um aufzustehen und vom Eis zu kommen. Später stellt sich heraus: Spiralbruch am Unterschenkel - das Saisonende für Baltisberger!
Sowohl die Bieler als auch die Zürcher haben diverse verpasste Torchancen, bis die Scheibe in der 7. Minute dann mit einem gezielten Schuss durch Sven Andrighetto doch seinen Weg ins Tor findet.
In der 12. Minute wird Mike Künzle mit Reto Schäppis Stock im Gesicht getroffen. Phil Baltisberger doppelt nach und knallt Künzle mit Anlauf in die Bande. Luca Cunti will eingreifen und gerät dabei in einen Schlagabtausch mit Roman Wick. Künzle trägt zwei Risswunden davon und wird noch auf dem Eis vom Medical versorgt. Auf der Spielerbank wird das Nasenbluten gestoppt, Wundversorgung, Eisbeutel im Nacken. Währenddessen muss der Eismeister ran und das Blut vom Feld kratzen. Nach gut 5 Minuten Unterbruch werden dann die Strafen gegen Schäppi, Wick und Cunti ausgesprochen. Die Bieler können die Unterzahlsituation nicht in einen Anschlusstreffer verwandeln. Es bleibt in diesem Drittel weiterhin bei beiderseitigen erfolglosen Versuchen, die Scheibe ins Tor zu befördern.
Mitteldrittel ohne Highlights
Ohne Zuschauer ist es im Stadion so still, dass man manchmal sogar das Klicken der Kameras hört. So ist es denn auch wenig verwunderlich, dass man Lars Leuenberger überdeutlich hört, als er dem Schiedsrichter die Meinung kundtut. Dieser hatte zuvor eine 2-Minutenstrafe gegen Beat Forster wegen Beinstellens ausgesprochen, die Situation scheint aber nicht sehr eindeutig zu sein. Die Zürcher glänzen nicht in diesem Powerplay, die Bieler können sich vor Waebers Tor positionieren. Marcus Krüger wird wegen Beinstellens auf die Bank geschickt. Die Löwen tun es den Seeländern gleich und greifen in Unterzahl an. Der Schuss von Tim Berni landet aber am Pfosten. Beim Bully erhält Schäppi wegen Spielverzögerung eine 2-Minutenstrafe. Während das Spiel eher auf der Bieler Seite stattfindet, langweilt sich Waeber im Tor. Er kurvt deshalb auch schon mal recht weit aus dem Tor, um den Puck zurückzuspielen. Vier Minuten vor Drittelsende dann nochmal ein Intermezzo an der Bande zwischen Kevin Fey und Dennis Hollenstein. Fey kassiert dafür eine Strafe für übertriebene Härte, die Zürcher bauen ihren Vorsprung in der Überzahlsituation jedoch nicht aus.
Schlussdrittel
In der 43. Minute wird gegen Tim Berni eine Strafe wegen Hakens ausgesprochen, was Ludovic Waeber etwas Arbeit beschert. Er wehrt die Angriffe aber problemlos ab, bis die Überzahlsituation vorbei ist. Berni rast von der Strafbank, sichert sich die Scheibe. Roe übernimmt von Andrighetto und schiesst den Puck zwischen den Beinen von Joren van Pottelberghe durch. Der Verteidiger versucht noch, die kullernde Scheibe vor der Linie zu retten, ist aber zu spät zur Stelle. Es steht 2:0 für die Zürcher und Ramon Tanner muss wegen hohen Stockes in die Kühlbox. Die Bieler starten ihre Aufholjagd in Unterzahl und setzen sich ohne weiteren Treffer zur Wehr. Bis Spielende kassieren sie jedoch weitere Strafen, wodurch sie die letzten 10 Minuten fast nur noch in Unterzahl spielen müssen. Luca Cunti verliert kurz die Fassung, als er in der 57. Minute wegen Hakens auf die Bank muss und bekommt wegen unsportlichem Verhalten zwei weitere Minuten aufgebrummt. Die letzte Strafe des Abends wird knapp 14 Sekunden vor Spielende ausgesprochen, als Dario Trutmann wegen Stockschlags gegen Jason Fuchs aussetzen muss. Bekanntlich benötigt man für einen Treffer nur 6 Sekunden, aber es bleibt schlussendlich beim 2:0 für den ZSC.
Spielsperre und ordentliches Verfahren wurde eröffnet
Die letzte Strafe des Spiels sorgt im Nachhinein für Aufsehen. Nein, es geht weder um den Stockschlag und Bandencheck gegen Mike Künzle noch um den Check gegen Chris Baltisberger, die beide in erheblichen Verletzungen endeten. Es geht tatsächlich um den Stockschlag von Dario Trutmann gegen Jason Fuchs in der 60. Minute. Trutmann wurde vorsorglich für ein Spiel gesperrt und das ordentliche Verfahren wurde eröffnet.
Wenn ich mir meine Bilder ansehe, weiss ich nicht genau, was dieses Verfahren auslöst. Die Situation sah für mich genauso normal aus wie jeder andere Versuch, sich aus der Bedrängnis des Gegners zu lösen, die seit Spielfeldmitte anhält. Ich bin aber auch kein Hockey-Experte. Was sich mir präsentierte ist wie folgt:






In der Spielfeldmitte ergattert Dario Trutmann die Scheibe, Jason Fuchs versucht den Puck mit seinem Stock zwischen den Beinen von Trutmann hervorzufischen. Trutmann stolpert über den Stock. Die Situation wird von einem Schiedsrichter beobachtet, scheint aber für ihn okay zu sein. Auf den Knien rutschend wird Trutmann noch immer von Fuchs mit dem Stock blockiert. Auf Torhöhe stemmt sich Trutmann wieder hoch und drückt dabei seinen Ellbogen gegen Fuchs. Ob er den Stock gegen den Oberkörper des Gegners rammt, sehe ich nicht eindeutig, es sind jedoch beide Schläger noch immer aneinandergepresst, die Stöcke noch immer zwischen Trutmanns Beinen. Ich bin gespannt, wie das Verfahren ausgeht.
ZSC Lions vs. EHC Biel 2:0
07. Minute 1:0 Sven Andrighetto
45. Minute 2:0 Garrett Roe
Schüsse aufs Tor: 32:23 (10:10 | 9:4 | 13:9)
Eventdatum: 08.01.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 0
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Blickwinkel von den Rängen
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
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