Spekulationen zufolge haben sich wegen der Verschiebungsdaten vermutlich ein paar Leute für das gleichzeitig stattfindende Deftones-Konzert entschieden. Ob das ein Fehler war? Sowohl Fire From the Gods als auch Daughtry geben Vollgas. Und man hat keine Sekunde lang gespürt, ob es ihnen vielleicht doch zu wenig Zuschauer sind. Während des Abends macht Chris Daughtry zwei Anmerkungen: Einerseits sei er etwas nervös wegen der Menge, andererseits meint er gegen Ende des Konzerts in scherzhaftem (aber sicherlich ernstgemeintem) Ton, wir sollen doch nächstes Mal einen Freund mitbringen, wenn es uns gefallen habe.
Fire From The Gods wechselten seit ihrer Gründung in 2007 bis auf den Bass- und Lead-Gitarrenspieler jedes einzelne Bandmitglied mindestens einmal aus. In der aktuellen Formation sind sie seit 2014, ihre ersten Studioalben und Singles kamen erst 2016 heraus. Zuvor veröffentlichten sie nur EPs. Sie performen mit viel Energie, die gute Laune schwappt in den Saal über. Am Ende ihres 45-minütigen Sets lässt es sich A. J. Channer nicht nehmen, durch den Bühnengraben zu gehen und da und dort einen Fistbump zu verteilen.

«Daughtry, Daughtry… woher kenn ich die?», fragt sich der ein oder andere vielleicht. Nun… Chris Daughtry war Kandidat bei American Idol und belegte in der 5. Staffel Platz vier. Chris schlüpfte auch das ein oder andere Mal in verschiedene Rollen. Sei es als Schauspieler in «CSY: NY», in «Star Wars Cantina Bands», im Musical «The Passion», in «Batman: Dying is easy» oder als Rottweiler in «The Masked Singer». Im Film «Trollz» lieh er Counselor Olaf die Stimme.
Als nach American Idol die Band gegründet wurde, entschieden sie sich, seinen Bekanntheitsgrad auszunutzen und nannten sich deshalb kurzerhand «Daughtry». Ihre Setlist ist ein Mix aus alten und neuen Songs sowie ein Solo des Drummers Brandon Maclin. Die Songs Cry For Help, Waiting for Superman und Home performt Chris Daughtry alleine. Bevor er Home anstimmt, weist er uns auf einen Text-Fehler hin, der wohl vielen passiert. Die meisten singen resp. hören «I’m going home» (ich gehe nach Hause) anstelle von «I’m coming home» (ich komme nach Hause).
«It is coming home, not going home. Americans get that wrong every day» - Chris Daughtry
Ihr kennt das sicher auch mit dem «Anneliese Braun»- Beispiel, wenn man nachher nur noch den falschen Text hört, den man vorher nie gehört hat? Also noch nie «I found myself a janitor» anstelle von «a cheerleader», «mustard under my bed» anstelle von «monster under my bed», «I left my penis broken» statt «I left my pain is spoken» oder den berühmten Anneliese-Braun-Textausschnitt, der eigentlich «all the leaves are brown» heissen würde? Ich habe mich jedenfalls so dermassen darauf konzentriert, «coming home» zu singen, dass ich mehr Schweissperlen auf der Stirn hatte als alle Bandmitglieder von Daughtry zusammengezählt.
Ich bin aber nicht die einzige, die kurz ins Schwitzen gerät. Noch während den ersten drei Songs war die Security gefragt, als Chris Daughtry mit einem Fuss auf der Bühne steht und den anderen auf die Gitterabsperrung stellt. Aber kein Grund zur Aufregung, es hat ihn keiner runtergerissen. Das Publikum zeigt sich nicht nur anständig, sondern generell textsicher. Zumindest der Teil der Anwesenden, die mitsingen. Für mich tönt es nicht danach, dass 500 Leute bei seinen Hits partizipieren, aber man kann den ein oder anderen Hardcore-Fan durchaus ausmachen.

Was soll ich sagen… Das Herz, das er am Schluss der Show mit den Fingern formt, kann ich nur zurückgeben. Ich habe den Abend durchaus genossen und werde nächstes Mal Chris Daughtrys Aufruf nachkommen und Begleitung mitbringen. Und vielleicht bringt er dafür noch ein paar Songs mehr mit, denn für mich waren 90 Minuten Daughtry definitiv nicht lang genug. Da hätte ich noch viel länger zuhören können. Bleibt mir nur zu hoffen, noch einmal das Vergnügen zu haben, sie live zu sehen.
Eventdatum: 07.06.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Komplex 457, Zürich
Veranstalter: Good News Productions
Zuschauerzahl: 500
https://www.szenemagazin.ch/konzert/item/848-daughtry?print=1&tmpl=component#sigProId7821986598
