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Die Rapperswil-Jona Lakers gewinnen 35 Sekunden vor Ende

Die Rapperswil-Jona Lakers gewinnen 35 Sekunden vor Ende Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Wie schon im Spiel vom Samstag endet auch diese Partie mit dem Resultat 2:3 für den Gast. Der SC Rapperswil-Jona Lakers macht den Sieg in den letzten 35 Sekunden klar und sichert sich 3 Punkte.

Ich würde ja gerne mal in der Historie von Eishockeyspielen wühlen. Allerdings war ich mit Google bisher nicht erfolgreich, um die Frage: «Die wievielte Begegnung zwischen diesen beiden Clubs ist das?» beantworten zu können. Für die laufende Saison lautet sie: es ist die zweite Partie zwischen dem ZSC und den Rapperswil Jona-Lakers. Und zum zweiten Mal gewinnt der St. Galler-Teil des Zürichsees. Beim Eröffnungsspiel hatten die Lakers nicht nur das Glück auf ihrer Seite. Mitte September haben sie ganz klar mit 4:1 gewonnen. Bei der heutigen Begegnung stach keine der beiden Mannschaften heraus. Bei den ZSC Lions verfehlten viele Pässe ihr Ziel und erst im letzten Drittel kam etwas Dynamik ins Spiel. Deutlich zu spät, sichtlich zu wenig. Hinter mir höre ich zu Beginn des Schlussdrittels jemanden rufen: «Und das gegen Rappi!». Nach dem gestrigen Spiel sind sie von Platz 7 auf Platz 5 aufgestiegen und können 11 Siege in 27 Spielen verbuchen. Da haben nur drei Mannschaften mehr Siege geschafft (die Lions gehören nicht dazu, sie haben in ihren 25 Spielen 14 Mal gewonnen). Es scheint, als würden einige die Gastmannschaft gehörig unterschätzen und nicht über die verhaltene Leistung der Lions wettern.

Ich konnte mich heute beim Fotografen der Lakers revanchieren. Beim Eröffnungsspiel hat er mich durch die Katakomben gelotst, um den schnellstmöglichen Weg vom Eis zu den Tribünen zu finden. Heute habe ich ihm den Zugang zum Rink gezeigt – das ist nicht nur der schnellste, sondern auch der einzige Weg für uns Normalsterbliche. Ich frage ihn, auf welcher Seite er stehen wolle. Ein anderer Fotograf wirft ein: «Wenn du Tore fotografieren willst, komm zum Zürcher Fanblock». Er entscheidet sich dann wie ich für die Seite des Gästesektors auf der gegenüberliegenden Seite – dort, wo das erste Tor dann effektiv fällt. Und auf das muss man einen Moment warten. Bis zum Abpfiff in der 7. Minute wegen Patrick Geerings Haken passiert ansonsten nicht viel. Dafür umso mehr in den nächsten 21 Sekunden: Jordan Schroeder passt zu Maxim Noreau an der blauen Linie, der den Puck zum freistehenden Topscorer Tyler Moy übergibt. Verteidigung und Torwart reagieren etwas zu spät, um den Schuss abzuwehren, es steht 0:1. Das Frottéetuch von Ludovic Waeber segelt durch die Luft. Gut, dass das kein Boxkampf ist - dort ist dies das Zeichen für die Kampfaufgabe. Aber wer jetzt denkt, es käme Bewegung in die Heimmannschaft, irrt leider. Im Gegenteil, knapp 2 Minuten später hat Petr Cajka den zweiten Treffer auf der Schaufel, doch Ludovic Waeber ist zur Stelle. Die Zürcher haben ebenfalls ein paar Chancen auf den Ausgleich, aber Melvin Nyffeler greift die Pucks sicher ab.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Das Mitteldrittel geht ein wenig energiegeladener los. Sandro Forrer scheint seine Batterien geladen zu haben und denkt sich: der Dean Kukan kurvt grad so schön vor unserer Spielerbank rum, ich falte den mal kurz über die Bande. Gedacht, wortwörtlich getan. Und dann muss er wegen Bandenchecks für zwei Minuten raus. Kukan hält sich nach Abpfiff kurz den Bauch, ist aber gleich wieder im Spiel. Die Lions konnten ihr Powerplay nicht ausnutzen, ihr Aufbau hat viel zu viel Zeit in Anspruch genommen. Sie können gerade mal einen einzigen Schussversuch verbuchen.

Und wie schon in der letzten Partie sind auch heute mal wieder zu viele Spieler auf dem Eis. Deshalb wird den Lions in der 26. Spielminute eine Teamstrafe auferlegt. Es ist alles bereit fürs Bully, als einer der Schiedsrichter zur Spielerbank kurvt und vermutlich fragt: «Wartet Ihr auf eine persönliche Einladung für die Strafbank?». Willy Riedi übernimmt das Absitzen, doch er muss nur 11 Sekunden Platz nehmen. Jeremy Wick schiesst zu Maxim Noreau an der blauen Linie, dieser zieht den Stock auf und hämmert in Richtung Tor, wo Yannick-Lennart Albrecht zum 0:2 ablenkt. Wick und Albrecht haben Ludovic Waeber die Sicht versperrt, keine Chance für den Zürcher Torwart. Dieser ärgert sich unübersehbar über den zweiten Treffer. Die Zürcher sind nun vermehrt vor Melvin Nyffelers Kasten, aber so wirklich gefährlich wird es nicht. Den Rappi-Fans werden ein paar schöne Einzelaktionen gezeigt, aber sie freuen sich über den torlosen Ausgang dieser Angriffe.

Kaum ins Schlussdrittel gestartet, erzielen die Lakers beinahe den 3. Treffer. Inaki Bargano kurvt unangetastet neben den Lions-Spielern mit und schiesst nur Zentimeter neben dem linken Torpfosten vorbei. Auch den Zürchern misslingt ein Angriff, Sven Andrighetto passt zu Chris Baltisberger, doch sein Schuss geht rechts am Pfosten vorbei. Es scheint, als hätten die Lions jetzt erst realisiert, dass sie noch zwei Tore im Rückstand sind. Auf einmal ist da Bewegung und etwas Power in dieser Mannschaft zu spüren. Lukas Wallmark gewinnt das Bully vor dem Rapperswiler Tor, Alexandre Texier erwischt die Scheibe und zimmert sie zwischen Pfosten und Torwart ins Netz. Der erste Treffer für die Gastgeber löst die spürbare Anspannung im Stadion unter Jubelgeschrei.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Der Limmatblock stimmt ab jetzt Dauergesang an. Immerhin sind noch 15 Minuten Spielzeit, um zumindest den Ausgleichstreffer zu schaffen. 3 Minuten später zieht Jérôme Bachofner alleine auf Melvin Nyffeler los und ist eigentlich am Keeper vorbei. Wäre da nicht das rechte Bein im Weg, dem er ausweichen muss und dadurch den Abschuss zu spät versuchen kann. Bis auf die Sekunde exakt 10 Minuten nach dem letzten Tor ist es erneut Alexandre Texier, der auf Pass von Dean Kukan den Ausgleich erzielt und den letzten Zürcher Fan mobilisiert. Erst sah es nicht so aus, denn Texiers Rückpass zu Kukan kam nicht an, Kukan verfehlte den Puck und musste nochmal ansetzen, um ihn Texier zu servieren, der sich vors Tor verschoben hatte. Er umkurvt die Verteidigung und bezwingt Melvin Nyffeler, der mit einer Kopfbewegung sichtbar «Mist» signalisiert.

Wir kennen das… es verbleiben noch 5 Minuten Spielzeit. Jetzt nur nicht einen Treffer kassieren. Lieber verwalten und in die Overtime oder Gas geben? Es scheint, als wollten beide Seiten in der regulären Spielzeit abschliessen. Das gelingt dann dem SC Rapperswil Jona-Lakers 35 Sekunden vor Schluss. Justin Azevedo versucht, die Scheibe vor dem Tor wegzubekommen, trifft damit Juho Lammiko auf die Brust und Nico Dünner schnappt sich den Puck und schiesst ihn in einer geraden Linie geradewegs ins Tor. Ludovic Waeber verwirft seine Hände ein letztes Mal in der Partie, die schlussendlich eine Sekunde vor einem zusätzlichen Empty Netter auf Zürcher Seite mit 2:3 endet.

Die nächste Partie der ZSC Lions ist bereits am Freitag und wiederum ein Derby. Dann heisst es ZSC Lions gegen EHC Kloten.

 

 

  

 

ZSC Lions vs. SC Rapperswil-Jona Lakers: 2:3 (0:1 | 0:1 | 2:1)

Schüsse aufs Tor:  38:30 (10:10 | 13:7 | 15:15)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoaster

 

Eventdatum: 07.12.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Swiss Life Arena, Zürich

Veranstalter: ZSC Lions

Zuschauerzahl: 10895

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport

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