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Naomi Lareine im Zauberpark Kloten

Naomi Lareine im Zauberpark Kloten Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ich habe Naomi Lareine im Mai das erste Mal live gesehen, als sie beim Stress-Konzert im Kaufleuten ihren Gastauftritt hat. Heute steht kein Indoor-Festival auf dem Programm, sondern ein Outdoor-Event der besonderen Art: Es ist wieder Zauberpark-Zeit!

Auch dieses Jahr sind wieder 11 Lichtkunstobjekte im Flughafenpark installiert. Rechnet man die Zauberparkbühne mit ein, sind es deren 12. Letztes Jahr haben wir vom szenemagazin alle Events abgedeckt und separat über die Lichtinstallationen berichtet. Einen Rückblick gefällig? Dann bitte hier entlang.

Lichtkunstobjekte «Merry XMAS» und «Nosceteipsum»

Im Bericht des Eröffnungsabends hat euch Marcel ja bereits das erste Lichtkunstobjekt vorgestellt. Ich erzähle euch etwas über die Installationen Nr. 2 und 3.

«Merry XMAS» wurde vom Organisator NOA konzipiert. In ihrem Objekt sind zwei Themen sprichwörtlich miteinander verschmolzen worden. Denn in unseren Breitengraden gehört der Schnee zu Weihnachten wie das Fondue in die Winterzeit. Deshalb besteht der Tannenbaum aus lauter weissen Schneekugeln in unterschiedlichen Grössen. Sie wünschen uns mit ihrer Lichtinstallation eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit.

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Ich spaziere weiter dem Weg entlang und höre eine Erzählerstimme. Es stellt sich heraus, dass ich dem Geist der Natur zuhöre. Die Installation von Natalie Wallrapp, Manuela Aggeler und Ivo Schläpfer trägt den Namen «Nosceteipsum». Das ist eine Wortschöpfung aus dem Lateinischen «Nosce te ipsum» und bedeutet «Erkenne dich selbst». Der Geist der Natur ist eine Mischung aus Licht, Projektion auf und um die Installation und Audio.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Im nächsten Bericht vom Zauberpark zeigen wir euch das Lichtkunstobjekt «ACAMAR» von Heinz Kasper.

 

 

Naomi Lareine

Naomi Lareine ist ein Künstlername. Lareine ist aus dem Französischen abgeleitet, «la reine» bedeutet Königin. Das verbindet sie mit einer Person, die weiss, was sie will, stolz auf sich ist und sich und ihre Leute beschützt und gleichzeitig anführt. Das, so Naomi, möchte sie verkörpern. 

Ich will hier keine Brücke zwischen Musik und Eishockey schlagen. Schon gar nicht, weil wir heute in Kloten sind. Aber ich kann es mir auch nicht verkneifen, dass heute die 28-jährige Tochter des ehemaligen EHC Kloten-Verteidigers Martin Bruderer auf der Bühne steht. Sie selbst war als Jugendliche auch sehr sportinteressiert, erst spielte sie Eishockey, danach 7 Jahre Fussball beim GC Zürich und war Teil der Schweizer U19-Nationalmannschaft. Parallel dazu nahm sie 3 Jahre lang Gesangsunterricht.

Entdeckt und gepusht wurde sie von Noizy, dessen Plattform ihr zu mehr Bekanntheit verhalf und unter anderem zur Zusammenarbeit mit Stress führte. Die Zahl 19 taucht in ihrem Werdegang erneut auf, als sie 2019 zum SRF Best Talent gekürt wird. Sie hat mit Stress am Gurtenfestival performt und war eine der spärlich vertretenen weiblichen Rapper am «Bounce Cypher». Das Vice Magazin kürte sie zum Schweizer Act des Jahres, brachte ihr erstes Album «Unchained» heraus und hatte im gleichen Jahr ihr Coming Out. Mich persönlich interessiert es nicht, was für eine sexuelle Ausrichtung ein Künstler hat. Jedem das seine, erlaubt ist, was gefällt - mir geht es um die Musik. Bei ihr hatte es insofern Einfluss auf die Musik, als dass sie in ihren Lyrics nur noch über Frauen singt.

Ob ihr sanfter R&B-Sound auf die Zauberparkbühne passt? Wie heisst es so schön: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und wer Ende November an ein Outdoor-Konzert geht, das nach 20 Uhr beginnt, tut gut daran, sich warm anzuziehen. Dann kann man die sanften Töne Lareines geniessen und sich auch nur ein wenig hin- und herbewegen, ohne zu frieren. Das dachte sich wohl auch eine der Besucherinnen vor mir, die kurzerhand im orangen Skioverall ans Konzert kommt.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

Zu meinem Erstaunen sind viele Kinder im Publikum. Erstaunt deswegen, weil Noemi doch recht viele Texte in ihrem Repertoire hat, die auf vielen Plattformen als nicht jugendfrei gekennzeichnet werden. Bei einem ihrer Titel sagt sie denn auch, sie hätte nicht mit so vielen Kids gerechnet. Das sei jetzt etwas unangenehm. Die Eltern sollen ihrem Nachwuchs beim nächsten Song die Ohren zuhalten und sie gebe ihr Bestes, es so kinderfreundlich wie möglich zu gestalten. Das nenne ich «la reine»-mässig: vorbildlich. Allerdings hätte sie dann schon viel früher auf ihre Aussprache achten sollen. Denn wenn Kids in meiner Nähe sind, kassiere ich mit Ausdrücken wie «what the fuck» regelmässig hochgezogene Augenbrauen der Eltern. Ja, üblicher Sprachgebrauch, ich weiss. Und Gewohnheiten, die wir uns nicht bewusst sind.

Noemi ist charmant und auf eine Art richtig süss, wie sie sich über die Fans freut. Leider hat es nicht so viele Besucher angezogen wie am Tag zuvor. Aber davon lässt sich Noemi nicht beeinflussen und performt, als wäre der Platz brechend voll. Sie fordert uns auch dazu auf, rumzuhüpfen und zu tanzen: das gäbe ja auch warm, meint sie. Und – mit Ausnahme der Kinder – sollen wir Glühwein trinken. Viel Glühwein. Sie sei letztens nämlich nüchtern an einem Konzert gewesen und habe festgestellt, es mache viel mehr Spass mit Alkohol. Jetzt bin ich diejenige, die ihre Augenbrauen fast bis zum Haaransatz hochzieht. Das, liebe Noemi, würde ich persönlich jetzt absolut nicht als vorbildlich bezeichnen. Die Message, man könne nur so richtig Spass haben, wenn man getrunken hat, finde ich alles andere als toll.

Dafür spricht sie später ein Thema an, das in unserer Gesellschaft je länger je weniger stilisiert und tabuisiert wird: Depressionen. Es sei keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Darüber zu sprechen und allenfalls eine Therapie zu beginnen, könne Leben retten. Ihre Mutter kämpft mit Depressionen und Noemi sei auch schon in Therapier gewesen, erzählt sie uns.

Heute Abend steht sie mit ihrer Band auf der Bühne, die ihren Gesang mit Schlagzeug, Bass & Keyboard und Gitarre begleiten. Einen der Titel sing der Gitarrist Big Baby Ray als Solo auch gleich selbst. Bevor sie die Zugabe spielt, fordert sie das Publikum nochmal auf, näher an die Bühne zu kommen. Nach knapp anderthalb Stunden verabschiedet sie sich und bietet den Fans an, im Anschluss Selfies mit ihr zu machen. Ich für meinen Teil verzichte auf dieses Angebot und nehme den kurzen Weg zurück zum Haupteingang in Angriff. Dort ist nämlich nochmal eine Art Lichtinstallation in Form eines «Dankeschön»-Schildes, auf dem man sich mit fluoreszierenden Stiften verewigen kann.

Wir vom szenemagazin sind am Montag wieder im Zauberpark, wenn Bastian Baker auftritt. Ich selbst bin am Dienstag wieder vor Ort, um Amistat live zu sehen.

 

 

 

Eventdatum: 23.11.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Zauberpark, Kloten

Veranstalter:  NOA

Zuschauerzahl:  unbekannt

 

 

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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